Audi trennt sich von Zeitarbeitern – Personalbedarf in Neckarsulm steigt bald wieder
Audi hat angekündigt, allen 600 Zeitarbeitern am Standort Neckarsulm zu kündigen. Doch schon bald werden wohl wieder mehr Arbeitskräfte im Werk benötigt.
Die anhaltend schwache Auslastung des Audi-Werks Neckarsulm hat dazu geführt, dass sich der Autobauer von seinen Zeitarbeitern trennt. Mitte Dezember 2023 hatte Audi angekündigt, sich von allen rund 600 Leiharbeitnehmern am Standort zu trennen. Doch im zweiten Halbjahr 2024 könnte es schon wieder anders aussehen.
"Mit dem Hochlauf des B10 wird der Personalbedarf im zweiten Halbjahr jedoch wieder steigen", teilt eine Audi-Sprecherin auf Stimme-Anfrage mit. B10 ist bei Audi die interne Bezeichnung für den neuen A5, der ab diesem Jahr in Neckarsulm produziert wird. Gut möglich also, dass der Konzern dann auch wieder verstärkt auf Leiharbeitskräfte zurückgreifen wird.
Wie viel Personal im zweiten Halbjahr benötigt werde, hängt laut der Sprecherin davon ab, wie die dann aktuelle Produktionsfahrweise ausschaut, die derzeit noch nicht feststehe. "Außerdem prüfen wir, ob wir Personal innerhalb des Konzerns nutzen können", teilt die Sprecherin weiter mit.
"Schwere Entscheidung": Audi meldet alle 600 Leiharbeiter nach und nach ab
Derzeit stehen die Zeichen in Neckarsulm jedoch noch nicht auf Wachstum. Die gut 600 Leiharbeiter am Standort werden sukzessive abgemeldet. Ab kommender Woche sind den Angaben zufolge noch rund 180 Zeitarbeiter im Einsatz, "die ebenfalls zeitnah abgemeldet werden", wie es heißt. Zum Vergleich: Ende 2021 waren bei Audi in Neckarsulm rund 380 Leiharbeiter beschäftigt. Ende 2022 waren es rund 340 und Ende 2023 waren es etwa 720 Zeitarbeiter.
"Dass wir hochqualifizierte und eingearbeitete Zeitarbeitnehmende abmelden müssen, ist für uns eine schwere Entscheidung", teilt die Audi-Sprecherin mit. "Uns ist ein gutes Verhältnis zu den Zeitarbeitnehmenden und den Zeitarbeitsfirmen sehr wichtig", sagt sie. Audi arbeitet mit acht Personaldienstleistern zusammen. Die Sprecherin weist auch darauf hin, dass alle Zeitarbeiter, die zwei Jahre bei Audi im Einsatz sind, in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Daher werden im laufenden Jahr noch rund 80 Zeitarbeiter in Neckarsulm übernommen.
Zeitarbeiter trifft es in der Krise meist als erstes
Die Zeitarbeitsbranche ist bei konjunkturellen Einbrüchen in der Regel besonders betroffen, da sich Unternehmen zuerst von Leiharbeitern trennen, bevor sie bei der Stammbelegschaft kürzen. Auch Audi betont die Flexibilität des Instruments der Zeitarbeit, mit der man auf volatile wirtschaftliche Situationen reagieren könne.
In dieser Woche hat der regionale Personaldienstleister Bera mit der Meldung für Aufsehen gesorgt, dass man sich in Eigenverwaltung sanieren möchte. Hintergrund des Insolvenzantrags sind demnach wegfallende Aufträge wichtiger Kunden aus dem Automotive-Bereich. Bera galt lange Zeit als Aushängeschild der regionalen Zeitarbeitsbranche, Geschäftsführer Bernd Rath hatte das Unternehmen 2002 in Schwäbisch Hall gegründet und in den Folgejahren weitere Niederlassungen in der Region eröffnet - unter anderem in Heilbronn.
Bera schließt Niederlassungen und verkauft Immobilien
Nach dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hat das Amtsgericht Heilbronn nun Sebastian Mielke von der Stuttgarter Anwaltskanzlei Menold Bezler zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Ziel des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung ist neben der Wahrung der Gläubigerinteressen die Weiterführung des Personaldienstleisters mit 250 Mitarbeitern an derzeit neun Standorten in der Region Heilbronn-Franken und Nord-Württemberg.
Bera-Chef Bernd Rath hatte in der Heilbronner Stimme bereits angekündigt, die Standorte in Wertheim, Bad Mergentheim und Rothenburg ob der Tauber zu schließen und einige Immobilien zu verkaufen – unter anderem Schloss Hopferau im Allgäu, das Rath 2010 gekauft hatte. Rath zeigte sich zuversichtlich, dass sein Unternehmen die schwierige Phase überstehen wird. "Wir werden als wichtiger HR-Partner der Region erhalten bleiben", sagte Rath. Aber das Massengeschäft werde Bera in Zukunft nicht mehr machen.
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