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Andere Feier als einst gedacht: Klaus Gehrig wird 75

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Klaus Gehrig, der langjährige Konzernchef der Schwarz-Gruppe feiert 16. Mai Geburtstag und wollte sich eigentlich erst jetzt von der Spitze der Schwarz-Gruppe zurückziehen. Doch nicht nur er feiert an diesem Tag.

Klaus Gehrig sagte 44 Jahre lang bei der Schwarz-Gruppe, wo es langgeht.
Klaus Gehrig sagte 44 Jahre lang bei der Schwarz-Gruppe, wo es langgeht.  Foto: DHBW

Am Dienstag (16. Mai) wird bei Lidl gefeiert: Der Discounter begeht sein 50-jähriges Bestehen mit einer bunten Feier in geschlossener Gesellschaft. Derjenige, der federführend die Handelskette so groß gemacht hat, wird jedoch nicht dabei sein.

Dabei hätte Klaus Gehrig gleich doppelten Grund zum Feiern: Nicht nur das Jubiläum der Firma, die er jahrelang leitete, sondern auch seinen 75. Geburtstag. Dass beides auf denselben Tag fällt, sei Zufall, wird bei Lidl versichert. Aber es passt zu dem radikalen Schnitt, der zwischen Gehrig und der Schwarz-Gruppe inzwischen gezogen wurde, dass so mancher Weggefährte sich wohl entscheiden muss, mit wem er feiert.

 


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Der letzte Abgang führte zum Zerwürfnis

Es ist ruhig geworden um den Manager, der einst gefürchtet war, intern "Killerwal" genannt wurde und für abrupte Personalwechsel stand. Nur den letzten, den wollte er nicht. Der Abgang von Melanie Köhler, der damaligen Nummer zwei in der Schwarz-Gruppe, wurde gegen seinen erklärten Willen vollzogen. Das war vor ziemlich genau zwei Jahren, und das Zerwürfnis zwischen Gehrig und Dieter Schwarz vertiefte sich innerhalb weniger Wochen so weit, dass die langjährige rechte Hand des Inhabers schließlich selbst gehen musste. Im Juli 2021, und nicht, wie von ihm beabsichtigt, mit 75 - eigentlich hätte es erst in diesen Wochen so weit sein sollen, dass er die Geschäfte an seinen Nachfolger - oder noch lieber: seine Nachfolgerin - übergibt.


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Nur selten in der Öffentlichkeit

Der gebürtige Niederbayer machte seine Lehre bei Aldi und kam 1976 als Verkaufsleiter zu Schwarz, ehe er bei Lidl bis zum Vorstandschef aufstieg. Die Öffentlichkeit hatte er aber nie gerne gesucht - seine erste PR-Offensive beruhte alleine darauf, dass 2005 das "Schwarzbuch Lidl" am Image des Handelsriesen rüttelte und er in Talkshows die Firma verteidigen musste. Da stand er schon ein Jahr an der Spitze der gesamten Schwarz-Gruppe. Später gab er gelegentlich Pressekonferenzen, auch zur Vorlage der Unternehmenszahlen. Sein Nachfolger Gerd Chrzanowski hat dies aber wieder zurückgefahren - wie in alten Zeiten geht nun am Tag X nur ein dürrer, keine DIN-A4-Seite langer Text an die Medien.

Einige Beteiligungen und jede Menge Bauprojekte

Sein ungeplanter Abgang hat ihn tief getroffen. Mittlerweile arbeitet Gehrig lieber im Stillen, wird nur gelegentlich auf dem Golfplatz oder bei internen Veranstaltungen in einem der Hotels, an denen er beteiligt ist, angetroffen. Das Hotel "Neues Tor" in Bad Wimpfen gehört ihm jetzt komplett - dort tagt der Lions-Club, in dem er Mitglied ist. Weit hat er es zu den Treffen nicht: Er kann zu Fuß gehen, sein äußerlich gar nicht nach Spitzenmanager aussehendes Haus liegt nur ein paar Schritte entfernt. Am Hotel am Stadtgarten in Heilbronn ist er beteiligt. Den Landgasthof Haigern hat er übernommen und will ihn umbauen, an der Alten Post in Bad Wimpfen laufen bereits die Arbeiten.


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An der Baugesellschaft HSK hält er nun alle Anteile - die letzten elf Prozent von Melanie Köhler übernahm er im Februar. Dieses Unternehmen residiert nun im ehemaligen Cedic-Gebäude auf den Böllinger Höfen, neben der Firma Mayer Kuvert Network, die Gehrig seit 2017 über seine Investmentgesellschaft Goldrichtig wieder auf Kurs bringen will. Vergangenes Jahr gab es aber tiefe Einschnitte, die Briefhüllenproduktion wurde eingestellt, stattdessen die Herstellung von Leichtverpackungen vor allem für den Onlinehandel hochgefahren. 80 von 200 Stellen fielen weg.

Gelegentlich sieht man Gehrigs Auto auf einem der Parkplätze der beiden Firmen stehen. Zu sprechen ist er freilich nicht, jedenfalls nicht für die Medien. Und ob er heute mit einem Ohr in Richtung Ortsausgang lauscht, zur großen Feier? Er wird sich wohl nicht auch noch quälen wollen. Nicht heute.

 


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