Wie nachhaltig sind Lidl und Kaufland? Studie zeigt Stärken – und Schwächen
Das Umweltbundesamt hat eine neue Studie zur Nachhaltigkeit von deutschen Supermärkten vorgelegt. Wo Lidl und Kaufland punkten – und wo sie hinter der Konkurrenz liegen.
Wie nachhaltig sind die deutschen Supermärkte? Zu dieser Frage hat das Umweltbundesamt eine Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag (16.01.) in Berlin vorgestellt.
„Der Lebensmitteleinzelhandel sitzt an einer Schlüsselposition im Ernährungssystem“, erklärt Laura Spengler, Wissenschaftlerin beim Umweltbundesamt. Oft werde nur über die Landwirtschaft oder die Verbraucher gesprochen, es sei aber wichtig, sich mit den Händlern zu beschäftigen. Die Supermärkte hätten großen Einfluss darauf, „was Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen können“.
Wie nachhaltig sind Lidl und Kaufland? Forscher bewerten Lebensmittel-Einzelhändler
Deshalb haben sich die Forscher die acht größten Lebensmitteleinzelhändler angeschaut: Edeka/Netto mit einem Marktanteil von 25 Prozent, Rewe/Penny (21 Prozent), die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland (18 Prozent) sowie Aldi Süd/Nord (11 Prozent).
Unter die Lupe genommen wurden die ökologische Nachhaltigkeit, Lebensmittelabfälle, Plastikmüll sowie soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Tierwohl. Dabei haben sich die Experten nur auf Eigenmarken konzentriert, nicht auf andere Marken oder Non-Food-Artikel.
Nachhaltigkeit bei Supermärkten wie Lidl und Kaufland: Kluft zwischen Strategie und Umsetzung
Das Thema Umwelt- und Klimaschutz spiele bei den Supermärkten die größte Rolle, Tierwohl und soziale Aspekte seien dagegen untergeordnet, fasst es Christian Schader, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit am FIBL, zusammen.
Lobenswert sei, dass sich die Unternehmen durch die Bank Ziele setzen und Strategien entwerfen. Tatsächlich umgesetzt werde aber noch zu wenig, so Schader. „Da kann noch einiges passieren.“
Auffallend sei, dass Themen wie Nachhaltigkeit in den Geschäftsführungen zwar präsent seien, wenn es dann aber um den Einkauf eines nachhaltigeren Produkts gehe, spiele das Thema keine große Rolle. „Die Kluft zwischen Kommunikation und tatsächlichen Handlungen ist offensichtlich“, notieren die Forscher.
Umweltbundesamt-Studie: Lieferkettengesetz und Labels wirken
Laut den Ergebnissen wirken externe Impulse allerdings: Das Lieferkettengesetz oder Vorgaben von Bio- und Tierwohllabels würden zu einer Veränderung führen. Für Schader ein „erstaunliches“ Ergebnis. Und: Wenn einzelne Unternehmen vorangehen, „spricht meistens eigentlich nichts dagegen, dass alle anderen nachziehen könnten“, erklärt der Experte. Klar sei, dass alle Supermärkte noch Handlungsspielraum haben, auch die, die in der Studie gut abgeschnitten haben.
Gegenüber Kunden würden alle Unternehmen sehr stark auf positive Erzählungen setzen. „Das Thema Bio eignet sich sehr gut, um Nachhaltigkeitsaspekte darzustellen und positive Geschichten zu erzählen.“ Negative Aspekte, zum Beispiel bei der Tierhaltung oder Flugware, werden dagegen „zu wenig thematisiert“. Aus Schaders Sicht sei es nötig, auch über negative Themen zu sprechen, um ein Umdenken bei den Verbrauchern auszulösen.
Gute Noten für Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen bei Lidl
Doch wie hat die Schwarz-Gruppe mit ihren Unternehmen Lidl und Kaufland abgeschnitten? Eine Gesamtbewertung haben die Forscher nicht gemacht. Das sei auch kaum möglich, da die Discounter ein viel kleineres Sortiment haben und Aspekte wie Umweltschutz gegenüber Menschenrechten abgewogen werden müssten, erklärt Schader. Generell sei bemerkenswert, dass die Discounter gegenüber den Vollsortimentern die Nase leicht vorne haben.
Es gibt aber einzelne Themen, bei denen die Neckarsulmer herausstechen. Beispiel Transparenz in der Lieferkette. Bei Fleisch, Milch und Eiern liegt Lidl vorne, ebenso bei Kaffee, Kakao, Zucker und Tee. Die Bestpunktzahl hat der Discounter bekommen, weil er für all diese Artikel die Herkunft der Rohstoffe kennt, bei verarbeiteten Produkten trifft das noch auf die Hälfte zu.
Kaufland erreicht den ersten Platz zusammen mit Aldi Süd zumindest bei Fisch und Meeresfrüchten, landet bei den anderen Produkten aber im Mittelfeld. Bedeutet: Nur bei mehr als 20 Prozent der Eigenmarken kann die Herkunft der Rohstoffe zurückverfolgt werden.
Forscher: Kaufland hat zu wenig Fleisch höherer Haltungsstufen im Regal
Beim Thema Standards und Labels liegen die acht Supermärkte gleichauf. Beim Tierwohl punktet Lidl, weil mehr als 10 Prozent der Produkte ein ambitioniertes Siegel tragen, das hohe Tierwohlstandards garantiert. An der Spitze steht hier allerdings Aldi Süd (mehr als 25 Prozent der Eigenmarken).
Kaufland ist abgeschlagen. Zwar gebe es bei der Bedientheke viele Fleisch- und Wurstwaren mit Haltungsstufe 3 und 4, im Regal „aber deutlich weniger als die anderen Unternehmen“, notieren die Studienautoren.
Pflanzliche Ersatzprodukte werden verstärkt beworben
Gute Noten gibt es für Lidl und Kaufland auch bei den Transportemissionen, der Energieeffizienz von Gebäuden, dem Einsatz erneuerbarer Energien sowie bei den Themen Gleichstellung der Geschlechter und flexiblen Arbeitsmodellen.
Ebenfalls positiv bewerten die Autoren, dass nachhaltige Produkte oder solche mit Tierwohlsiegeln stärker im Markt und in Prospekten beworben werden und besonders Lidl als auch Kaufland zu einem hohen Anteil mit pflanzlichen Ersatzprodukten wirbt.
Kritik an Angaben zu reduziertem Plastikmüll bei Lidl und Kaufland
Beim Thema Plastikmüll stechen Lidl und Kaufland dagegen nicht hervor. Nur Aldi Süd hat demnach detailliert zeigen können, wie viel Plastik bei Verpackungen in den letzten Jahren eingespart werden konnte. Im Gegensatz zu Kaufland, das im Mittelfeld mit Rewe und Penny liegt, habe Lidl „keine klaren Angaben“ zu eingesparten Mengen in den vergangenen Jahren gemacht.
Kein gutes Zeugnis gibt es beim Thema Lebensmittelabfälle: Hier liegen Lidl und Kaufland in der Studie hinter den Mitbewerbern. Die Projekte zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bei Lidl und Kaufland hätten „nur exemplarischen Charakter“, so das Urteil der Autoren. „Lidl und Kaufland bieten nur wenige detaillierte Angaben und konzentrieren sich auf punktuelle Projekte wie die Listung von Produkten mit Schönheitsfehlern.“
Punkte gibt es in anderen Bereichen, etwa, weil bald ablaufende Lebensmittel günstiger verkauft oder an Organisationen wie die Tafeln weitergegeben werden und Lebensmittelabfälle unternehmensintern reduziert wurden.
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