Bei Audi geht auf dem wichtigen Markt USA aktuell nichts voran
Audi will in den USA kräftig wachsen. Die US-Zölle sorgen aktuell aber für eine gegenteilige Entwicklung. Auch die Pläne für eine lokale Fertigung sind immer noch unentschieden.
Allen Umständen zum Trotz will Audi in den 2030er Jahren deutlich wachsen. Neben China und Europa soll der US-Markt die dritte große Säule für uns werden“, hatte Audi-Chef Gernot Döllner zuletzt immer wieder bekräftigt. „In Nordamerika werden wir bis Ende des Jahres zehn neue Modelle auf den Markt bringen.“ In den Staaten hat Audi 2025 rund 202.000 Fahrzeuge verkauft.
Mittelfristig, so hört man im Unternehmen, soll der Absatz auf 250.000 bis 300.000 Einheiten und mehr wachsen. Ambitionierte Ziele, die mit Blick auf das erste Quartal erst einmal in weite Ferne gerückt sind: Von Januar bis März sank der Absatz von Audi in den USA um satte 27 Prozent auf rund 35.500 Einheiten nach unten. In den Staaten belasten die seit einem Jahr geltenden Zölle auf importierte Neuwagen.
US-Zölle haben das Audi-Ergebnis zuletzt um 1,2 Milliarden Euro belastet
Die zusätzlichen Zahlungen in den USA wirken sich erheblich auf die Erlöse des Autobauers aus. „Wir haben im vergangenen Jahr auf Ebene des Audi-Konzerns 1,2 Milliarden Euro an Zöllen aufgewendet. Das hat unsere Rendite mit fast zwei Prozentpunkten belastet“, sagte Audis Finanzvorstand Jürgen Rittersberger im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. „Und man darf eines nicht vergessen: Vergangenes Jahr liefen die Zölle neun Monate. Dieses Jahr gehen wir davon aus, dass uns die Zölle für die vollen zwölf Monate treffen werden.“

Audi verfügt über keine lokale Fertigung in den USA und muss daher alle Fahrzeuge in die USA importieren. Besonders belastend ist der Umstand, dass das wichtigste Modell für den US-Markt - der Geländewagen Q5 - in Mexiko gefertigt wird. Für Fahrzeuge, die von dort aus in die USA exportiert werden, gilt aktuell ein Zollsatz von 27,5 Prozent. Für Fahrzeuge aus Europa, die in die Staaten gehen, werden 15 Prozent zusätzlich fällig.
Audi prüft verschiedene Optionen für die USA und bringt neuen Q9 auf den Markt
Vor diesem Hintergrund gibt es immer wieder Spekulationen darüber, ob Audi nun eine eigene Fertigung in den USA aufbaut oder nicht. „Das Vorstandsteam und ich möchten betonen, dass es hierzu noch keine Entscheidung gibt“, sagt Audi-Chef Döllner. Gemeinsam prüfe man aktuell verschiedene Optionen, um den US-amerikanischen Markt auch in Zukunft wirtschaftlich und effizient bedienen zu können.
Mit einem gezielt auf den Markt zugeschnittenen Portfolio wollen wir unsere Position weiter stärken. Modelle wie der künftige Audi Q9 sind konsequent an den Erwartungen und Bedürfnissen unserer Kunden vor Ort ausgerichtet“, so Döllner. Das bislang größte SUV-Modell der Marke mit den vier Ringen wird Ende Juli vorgestellt und startet als erstes in den USA.
Audi: Drei Szenarien für eine Fertigung in den USA
Für eine lokale Fertigung gibt es bei Audi intern verschiedene Szenarien. Insidern zufolge am unwahrscheinlichsten ist aktuell ein eigenes Werk. Nach vier Jahrzehnten Pause belebt der VW-Konzern die US-Kultmarke Scout Motors. Bereits in diesem Jahr sollen im neuen Werk in South Carolina erste Vorserienfahrzeuge vom Band laufen. Die Serienproduktion ist für 2027 geplant. Auf der technischen Basis eines SUV-Modells könnte es auch eine Audi-Variante geben, die auf einer Linie mit den Scout-Fahrzeugen gefertigt wird.
Aktuell rückt dem Vernehmen nach eine dritte Option wieder in den Fokus, die eigentlich schon vom Tisch war. Eine Möglichkeit wäre, im VW-Werk in Chattanooga (US-Bundesstaat Tennessee) auch Modelle von Audi zu fertigen. Nach dem Ende der US-Steuergutschrift für E-Autos hat VW beschlossen, die Produktion des Elektro-SUV ID.4 in Chattanooga einzustellen. In Chattanooga konzentrieren sich die rund 5500 Beschäftigten nun auf die Fertigung des Verbrenner-SUV Atlas. „Natürlich müsste man einiges an Geld in die Hand nehmen, um ein Audi-Modell in der Fabrik einzurüsten“, sagt ein Produktionsplaner. „Aber bisher ist noch alles offen.“
Audi hatte im Jahr 2022 bereits ein fertiges Konzept für die USA
Nach Informationen der Heilbronner Stimme existierte bereits 2022 bei Audi ein fertiges Konzept mit Business Case, um Fahrzeuge im VW-Werk Chattanooga zu bauen. Der komplette Konzernvorstand war im Sommer 2022 dafür in die USA gereist. Am Ende wurde das Projekt allerdings gestoppt. Das Werk in Chattanooga hätte sogar Kapazitäten für eine Vergrößerung.
„Dort ist noch so viel Platz vorhanden, dass das bestehende Werk in selber Größe noch einmal daneben passt“, erzählt ein Manager aus der Produktion. Allerdings kämpft der gesamte VW-Konzern mit massiven Überkapazitäten, weshalb ein Ausbau als unwahrscheinlich gilt.
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