Audi in der Krise: „Brauchen einen Neustart“
Bei Audi gehen die Verhandlungen über das Sparprogramm weiter. Nun hat sich der Verhandlungsführer des Unternehmens im Intranet dazu geäußert.
Weniger Absatz, weniger Gewinn, weltweite Krisen und ein schleppender Hochlauf der Elektromobilität: Bei Audi soll massiv gespart werden. Über ein Monat ist vergangen, seit der Betriebsrat des Unternehmens an den deutschen Werken in Ingolstadt und Neckarsulm Flugblätter verteilt hat, mit einer „Schonungslos-Liste“, die aufzeigt, wo der Vorstand überall den Rotstift ansetzen will.
Im Kern geht es um Gehaltskürzungen und die Auslagerung ganzer Bereiche. Mehrmals wöchentlich treffen sich Vertreter des Unternehmens und der Arbeitnehmer zu Verhandlungen. Bisher ohne Ergebnis. „Die Fronten in den Verhandlungen haben sich verhärtet.“, sagte der Neckarsulmer Betriebsratschef Rainer Schirmerim Gespräch mit der Heilbronner Stimme.
Sparprogramm bei Audi: „Wir sind in konstruktiven Verhandlungen“
In der Audi-Belegschaft und in den Medien wurde zuletzt viel darüber spekuliert, wie stark die Einschnitte tatsächlich sein werden. Nun hat sich der Verhandlungsführer des Unternehmens im Intranet über die Verhandlungen zwischen Audi und dem Betriebsrat geäußert. Der entsprechende Beitrag liegt unserer Zeitung vor.
„Wir sind in konstruktiven Verhandlungen“, sagt Jochen Haberland, Leiter der Abteilung Arbeitsbeziehungen, Grundsatzfragen, HR Compliance. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Audi und für die gesamte Branche zunehmend würden sich verschärfen. Politische Unwägbarkeiten und ein enormer Wettbewerbsdruck stellten das Unternehmen vor Herausforderungen, die es so noch nicht gegeben hat. „Wir müssen reagieren und brauchen tiefgreifende Veränderungen – Audi braucht einen Neustart“, so Haberland.
Harter Sparkurs bei Audi: Personalkosten sollen deutlich sinken
Zuletzt wurden im und außerhalb des Unternehmens immer wieder neue Zahlen in den Raum geworfen. Im Hinblick auf die Personalkosten war zuletzt von Einsparungen in Höhe von einer bis 1,5 Milliarden Euro jährlich die Rede. Der Betriebsrat hatte berichtet, dass die Tarifgehälter sinken sollen und Zuschläge für Nachtschichten entfallen. Zuletzt berichteten Insider davon, dass in der Technischen Entwicklung von den rund 10.000 Beschäftigten etwa ein Viertel abgebaut werden soll.
„Fest steht: Die Beschäftigungsgarantie 2029 gilt und es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, äußert sich Audis Verhandlungsführer Haberland dazu im Intranet. „Klar ist aber auch, wenn wir die Personalkosten substanziell senken wollen, müssen wir über die Audi Ergebnisbeteiligung und die Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligung verhandeln.“ Die soll dem Vernehmen nach deutlich sinken. In guten Jahren haben die Beschäftigten 8000 Euro und mehr zusätzlich ausbezahlt bekommen.
Audi strukturell neu ausrichten, Kosten senken und Produktivität steigern: Bis Mitte März soll es erste Ergebnisse geben
Audi befindet sich aktuell in der größten Modelloffensive in der Unternehmensgeschichte. Am Dienstag (4. März) feiert der neue A6 Avant aus Neckarsulm seine Weltpremiere. Andere Baureihen sind bereits im Handel, doch dem Vernehmen nach schlägt sich das in den Absatzzahlen noch nicht richtig nieder. „Wir kommen nicht drumherum, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und abzusichern. Dazu müssen wir das ganze Unternehmen strukturell neu ausrichten, Kosten senken und die Produktivität steigern“, so Jochen Haberland.
Aktuell gehe man davon aus, dass es Mitte März konkretere Informationen geben werde. „Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuerst informieren", so Haberland. Unseren Informationen zufolge haben sich die Verhandlungspartner als Ziel den 18. März gesetzt. An diesem Tag stellt Audi seine Finanzergebnisse für das vergangene Jahr vor. Bis dahin soll eine neue Betriebsvereinbarung in den Eckpunkten stehen.
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