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Neuer Technikvorstand bei Audi: Diese Herausforderungen warten auf ihn

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Rouven Mohr übernimmt am 1. März einen der wohl schwersten Jobs in der Autobranche. Der 46-Jährige wird der neue Technikvorstand von Audi. Welche Baustellen den Ex-Lamborghini-Technikchef bei Audi erwarten.


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Am Wochenende glühten bei vielen Audi-Beschäftigten die Drähte untereinander. Der Wechsel im Vorstandsressort Technische Entwicklung dürfte auch in dieser Woche Gesprächsthema Nummer eins bleiben. Dass Geoffrey Bouquot seinen Posten früher oder später räumen muss, damit hatten wohl viele der knapp 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Technischen Entwicklung gerechnet.

Audi überrascht mit Änderung im Vorstand: Technikchef aus Frankreich muss gehen

Überraschend war indes der Zeitpunkt am vergangenen Freitag. Im Unternehmen hatten die meisten damit gerechnet, dass die Trennung von dem 40-Jährigen erst in der zweiten Jahreshälfte erfolgt. Selbst in der Einladung zur Jahrespressekonferenz von Audi für Mitte März stand für den Vorabend noch ein Impulsvortrag von Bouquot im Programm.

Nun ging alles schneller als gedacht, der Aufsichtsrat und der Franzose haben sich auf die vorzeitige Vertragsauflösung geeinigt. „Viel länger hätte es nicht mehr gehen dürfen. Das Verhältnis zwischen Bouquot und vielen seiner Topleute ist schon länger zerrüttet“, sagt einer, der nah dran ist am Geschehen.

Von Software bis Qualität – diese Technik-Baustellen hat Audi

Nun soll es Rouven Mohr richten, einer mit „Stallgeruch“. Der 46-Jährige ist seit fast 20 Jahren im VW-Konzern beschäftigt. Seine aktuelle Funktion als Technikchef der Audi-Tochter Lamborghini soll er erst einmal behalten, bis ein Nachfolger gefunden ist. Viel Zeit wird der Ingenieur, der 1979 in Saarbrücken geboren wurde, für die schicken  Sportwagen aus Italien mutmaßlich nicht mehr haben.

Mohr hat eine Mammutaufgabe vor sich. Audi steckt tief in der Krise, Mohr muss seine Mannschaft fördern, aber auch fordern: Innovationen müssen her, damit die Marke mit den vier Ringen wieder zurecht auf ihren „Vorsprung durch Technik“ verweisen kann.

Die Liste der Baustellen ist lang, ganz oben steht das Thema Software. Die kommt nun 2028 erstmals vom US-Partner Rivian für den Stromer A4 E-Tron. Und dieser Schuss muss sitzen: Die neue Baureihe ist das mit Abstand wichtigste E-Auto der nächsten Jahre. Ebenfalls oben auf der Prioritätenliste: Qualität. Die hat zuletzt gelitten, auch weil der Hersteller sparen musste. Allerdings, so die wenig überraschende Erkenntnis in Ingolstadt und Neckarsulm: an der falschen Stelle. Dafür hat CEO Gernot Döllner mit Petra Kim bereits im Vorjahr eine neue Qualitätschefin ernannt.

Neuer Technik-Vorstand Mohr: Bereits jahrelang bei Audi Karriere gemacht

„Rouven Mohr vereint technische Exzellenz mit Produktorientierung und nachgewiesener Umsetzungsstärke. Er wird eine zentrale Rolle dabei spielen, unsere Innovationsagenda weiter zu beschleunigen“, sagt Audi-Chef Gernot Döllner. Der war dem Vernehmen nach sehr beeindruckt, in welchem Tempo und mit welcher Hingabe sein neuer Technikchef die Erneuerung der kompletten Modellpalette bei Lamborghini durchgezogen hat, samt der vollständigen Hybridisierung des Antriebs.

Seine Karriere hat Rouven Mohr vor 18 Jahren bei Audi gestartet, damals als Prüfingenieur für Fahrwerksfestigkeit. Beachtung fand der künftige Technikvorstand von 2014 an, als er als Leiter des Projektmanagements Gesamtfahrzeug die Verantwortung für die Audi-Modelle A3, TT, Q7 und Q8 trug. „Da hat er gezeigt, dass er fürs Fahrzeug einen Gesamtblick hat, der weit über das rein Technische hinausgeht“, sagt ein langjähriger Wegbegleiter. Und ein Ingenieur aus Neckarsulm freut sich, „dass jetzt wieder einer Chef wird, der wirklich etwas von Autos versteht“. 

Erwartungen an den neuen Audi-Technikvorstand sind groß

Der Druck ist immens und die Flughöhe bei Audi freilich eine andere als bei Lamborghini, wo es nur einen Bruchteil an Entwicklern gibt als bei Audi. Und die Erwartungshaltung ist groß seitens derer, die bei der VW-Tochter etwas zu melden haben. „Mit Rouven Mohr übernimmt ein exzellenter Techniker mit Audi-Genen und Lamborghini-Erfahrung. Wir erwarten mutige Innovationsfreude, sportliche Eleganz und Finesse – kurz: mehr Vorsprung durch Technik. Wir freuen uns auf die kollegiale Zusammenarbeit“, sagt etwa Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats.

Auf Rouven Mohr wartet aber weit mehr, als die Marke im Hinblick auf die Technik wieder auf Kurs zu bringen. Er muss auch ein Händchen dafür haben, Schlüsselpositionen mit den richtigen Personen zu besetzen. Und zugleich muss er die teils schmerzhafte Transformation im Unternehmen vermitteln.

Audi plant Jobabbau: In technischer Entwicklung sollen bis zu 3000 Stellen wegfallen

Schließlich fällt nach und nach in allen Geschäftsbereichen eine Führungsebene weg. Die technische Entwicklung hat im vergangenen Jahr den Anfang gemacht. Mehr noch. Die im Frühjahr 2025 getroffene Betriebsvereinbarung sieht daher vor, dass bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 7500 Stellen an den deutschen Standorten abgebaut werden.  Am stärksten betroffen ist nach Informationen der Heilbronner Stimme die Technische Entwicklung. Dort sollen dem Vernehmen nach etwa 2000 bis 3000 der aktuell mehr als 10.000 Stellen wegfallen.

Da schüttelt intern manch einer den Kopf, wo doch so viel im Argen liegt. Synergien innerhalb des VW-Konzerns sollen den Abbau der Stellen kompensieren. Tabu sind schon lange teure Doppelentwicklungen von mehreren Marken. Aus dem Modellportfolio werde noch mehr Komplexität herausgenommen, erzählt man sich. Weniger Motoren, Fokussierung aufs Wesentliche – auf das, was der Kunde will. 

Klar ist aber auch: Der Wechsel im Vorstand ist das eine. Die Umsetzung das andere. Audi muss Entwicklungszyklen verkürzen, der künftigen Software die nötige Stabilität geben und gleichzeitig die Marke wieder schärfen, damit sie sich im Konzern vom Rest klarer abhebt, als das vielleicht zwischendurch der Fall war. „Und wir müssen wieder eine Antwort darauf finden, warum Kunden einen Audi kaufen wollen – und eben keinen BMW oder Mercedes“, sagt ein Aufsichtsrat von Audi. Das alles braucht Zeit. Aber mit Vollgas kennt sich Mohr aus, schließlich ist er großer Verfechter des Motorsports. 

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