Audi trennt sich von Technikvorstand – „farblos und nicht akzeptiert“
Die Tage von Geoffrey Bouquot als Technikvorstand von Audi sind gezählt. Der Autobauer und der Franzose gehen künftig getrennte Wege. Sein Nachfolger kommt von der Audi-Tochter Lamborghini.
Vorstand für Technische Entwicklung bei Audi – das gilt schon länger als Schleudersitz in der Branche. Nun muss Geoffrey Bouquot seinen Posten räumen. Das hat der Aufsichtsrat von Audi am Freitag in seiner turnusmäßigen Sitzung beschlossen. Zum Nachfolger wurde Rouven Mohr ernannt: Der Ingenieur ist aktuell noch Technikchef bei der Audi-Tochter Lamborghini und übernimmt zum 1. März. Mohr ist bei Audi bereits der siebte Technikvorstand in den vergangenen zehn Jahren.
Audi-Technikvorstand Geoffrey Bouquot – von Anfang an auf verlorenem Posten
Vor wenigen Wochen noch war der scheidende Technikvorstand Geoffrey Bouquot mit einigen seiner wichtigsten Führungskräfte zu Wintertestfahrten unterwegs. Gefahren wurden künftige Modelle in Kalt 1 – so nennt man im VW-Konzern das streng geheime Testgelände in Lappland. 3600 Hektar groß, fast die doppelte Fläche des Frankfurter Flughafens. „Kalt 1“ heißt das Prüfgelände auch deshalb, weil die Temperaturen unter minus 20 Grad sinken können. Tagsüber.

Was Techniker, die bei den Abnahmefahrten dabei waren, berichten, passt zu der ganzen Zeit des Franzosen bei Audi. Bouquot, oberster Mann der Technischen Entwicklung, Chef von 10.000 Beschäftigten, sei zwar mittendrin, aber halt doch nur dabei gewesen. So wie jeder andere auch.
Aus für Audi-Technikvorstand Bouquot – „bemüht, aber immer farblos geblieben“
„Geoffrey hat sich bemüht, aber er ist immer farblos geblieben und wurde von den mächtigen Abteilungsleitern nie akzeptiert“, sagt ein Ingenieur im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Mit der Zeit habe sich die Situation weiter zugespitzt, berichten zahlreiche Beteiligte. Schließlich befasste sich unseren Informationen zufolge Anfang des Jahres dann auch der Aufsichtsrat von Audi mit der Personalie.
Im Kontrollgremium sah man dem Vernehmen nach nicht die Möglichkeit, den Vertrag des 40-Jährigen zu verlängern. Zumal er sich selbst, so erzählen es einige aus seinem Umfeld, zuletzt selbst nicht mehr wohl gefühlt habe. Der Franzose musste alle paar Woche pendeln zu seiner Familie, die in Boston (USA) lebt. Auf Dauer kein Zustand für den scheidenden Technikvorstand.
„Ich danke Geoffrey herzlich für sein Leadership und seinen wichtigen Beitrag zur technologischen Weiterentwicklung von Audi und wünsche ihm für seinen weiteren beruflichen Weg weiterhin viel Erfolg und alles Gute“, sagt Audi-Vorstandschef Gernot Döllner.
Geoffrey Bouquot nicht mehr Technikchef – 2024 wechselte er von Valeo zu Audi
Im Juni 2024 hatte Döllner einen neuen Vorstandsbereich für Software und Innovation mit Geoffrey Bouquot an der Spitze geschaffen. Zum 1. Januar 2025 ist der Bereich mit der Technischen Entwicklung verschmolzen, Bouquot wurde zum neuen Technik-Vorstand. In der Technischen Entwicklung setzten Döllner und Bouquot seitdem stärker denn je auf das Baureihenprinzip – die Leiter der Baureihen erhalten mehr Verantwortung und sind von Anfang bis Ende eines Modells verantwortlich, technisch wie finanziell. Das Prinzip gibt es bei Porsche schon seit der Jahrtausendwende, die Baureihenleiter agieren wie Unternehmer im Unternehmen.
Der 40-jährige Franzose Bouquot war vor seiner Zeit bei Audi beim Automobilzulieferer Valeo tätig. Dort leitete er die Technische Entwicklung mit 20.000 Ingenieuren sowie 20 Forschungs- und 40 Entwicklungszentren weltweit. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Transformation in den Bereichen Software, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit. „Da hat er sich gut ausgekannt“, sagt ein Fahrwerksspezialist, der den Franzosen geschätzt hat. „Aber das war zugleich sein Problem: Er hat noch nie ein gesamtes Auto entwickelt. Dazu gehört halt mehr als Software und KI.“
Wechsel im Audi-Vorstand: Das ist der neue Technikchef
Nun wird Rouven Mohr (46) neuer Technikvorstand bei Audi. Der Ingenieur ist seit 2022 Technikchef der Audi-Tochter Lamborghini. Bei Audi ist er kein Unbekannter: Mohr kam nach einem Ingenieursstudium an der Technischen Universität Kaiserslautern und seiner Promotion in Numerischer Mechanik 2008 zu der Marke mit den vier Ringen.

Zunächst arbeitete er in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung als Prüfingenieur für Fahrwerksfestigkeit und übernahm 2014 als Leiter des Projektmanagements Gesamtfahrzeug die Verantwortung für die Audi-Modelle A3, TT, Q7 und Q8. 2017 wechselte Mohr zu Lamborghini, wo er zwei Jahre lang als Leiter der Gesamtfahrzeugentwicklung die Entwicklung der Modelle Aventador, Huracán und Urus verantwortete, bevor er als Leiter der Abteilung Energie- und Gewichtsmanagement zu Audi zurückkehrte und 2020 die Abteilung Verifizierung/Validierung Gesamtfahrzeug übernahm.
Zuletzt verantwortete er als Chief Technical Officer bei Lamborghini die Hybridisierungsstrategie der Marke und begleitete den vollständigen Generationswechsel des Produktportfolios. „Mit Rouven Mohr berufen wir einen ausgewiesenen Technologieexperten, der tiefgehende technische Kompetenz mit einem klaren Fokus auf nachhaltigen Mehrwert für Audi verbindet“, sagt Manfred Döss, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Audi AG.
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