Audi schafft neues Vorstandsressort für Innovation und Software-Defined-Vehicle
Software und Elektronik werden in neuen Autos immer wichtiger. Audi schafft daher ein neues Vorstandsressort. Wer ist der neue Vorstand und was sind seine Aufgaben?

Seit Oliver Hoffmann im März zum Generalbevollmächtigten für das Formel-1-Projekt ernannt wurde, hat Audi-Chef Gernot Döllner auch die Verantwortung für die Technische Entwicklung übernommen. Der 54-Jährige strukturiert den Bereich nun neu. Künftig wird es Baureihenleiter geben, die ein Fahrzeug von der ersten Idee bis zum Ende der Laufzeit begleiten. Sie sollen viel Verantwortung erhalten und sind so etwas wie Unternehmen im Unternehmen.
Neuer Audi-Vorstand kommt von Zulieferer
Darüber hinaus gewinnen die Themen Software und Elektronik immer mehr an Bedeutung. Deshalb hat Audi zum 1. Juni das neue Vorstandsressort Innovation und Software-Defined-Vehicle eingerichtet. Den Posten übernimmt Geoffrey Bouquot. Der Franzose war zuletzt beim Automobilzulieferer Valeo tätig. Dort leitete er die Technische Entwicklung mit 20.000 Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie 20 Forschungs- und 40 Entwicklungszentren weltweit. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Transformation in den Bereichen Software, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit.
Das Software Defined Vehicle (SDV) – übersetzt Software-definierte Fahrzeug – ist die Weiterentwicklung vom hauptsächlich auf Mechanik beziehungsweise Hardware basierenden Auto hin zu vornehmlich elektronisch gesteuerten und dadurch in erster Linie von Software abhängigen Autos. Die Pkw-Software ermöglicht dabei zum Beispiel den Einsatz digitaler Fahrassistenzsysteme.
Darüber hinaus wandelt sich durch Software das Radio zum Infotainmentsystem, Autos vernetzen sich mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Straßeninfrastruktur, Durch sogenannte Over-The-Air-Updates (OTA) bleibt das Auto während des gesamten Lebenszyklus immer auf dem neuesten Stand. Das Vorstandsressort von Geoffrey Bouquot wird in Zukunft somit die Schnittstelle zur VW-Tochter Cariad, die im Konzern für die Softwareentwicklung verantwortlich ist.
Audi-Chef Döllner: "Wir brauchen mehr Tempo in der Entwicklung"
„Unsere Ambition lautet Vorsprung durch Technik, der Schlüssel für unsere Zukunftsfähigkeit ist Innovation. Wir brauchen eine konsequente strukturelle Neuausrichtung für mehr Tempo in der Entwicklung und einen klaren Fokus auf Software", sagt Audi-Chef Gernot Döllner. "Durch die Berufung von Geoffrey Bouquot tragen wir diesem Anspruch Rechnung."
Bouquot verfüge über eine breite Erfahrung in der Führung und Transformation großer Entwicklungs- und Softwareteams. "Ich bin mir sicher, dass er mit seiner Kombination aus Technologiekompetenz, Innovationskraft und internationaler Führungsqualität einen entscheidenden Beitrag für Audi leisten wird", so Döllner. Als Mitglied des Vorstandes für Innovation und Software-Defined-Vehicle soll der Franzose die Transformation zu einer Software-zentrierten Organisation vorantreiben.

Software-definierte Fahrzeuge als Schlüssel für Elektromobilität
Software-definierte Fahrzeuge bilden die Grundlage für den Wandel der Industrie hin zum batterieelektrischen Antrieb sowie für die Einführung automatisierter und autonomer Fahrfunktionen. Daraus ergeben sich nicht nur Veränderungen bei der Produktion und den dabei verwendeten Plattformen, sondern auch mehr Möglichkeiten im Vertrieb und sogar neue Geschäftsmodelle in der Automobilbranche.
Es handelt sich hierbei um einen Paradigmenwechsel in der Autoindustrie: Während hauptsächlich auf Hardware basierende Fahrzeuge nach dem Verkauf bis zum Ende ihres Lebenszyklus in der Regel bis auf Ersatzteile weitgehend unverändert bleiben, bieten Software-definierte Autos Möglichkeiten, die weit über das herkömmliche Geschäftsmodell der Hersteller hinaus gehen – etwa durch neue Vertrags-, Abonnement- und Abrechnungsmodelle in Vertrieb und Service.
„Audi repräsentiert für mich Präzision und Zukunft – Ingenieurskunst und Digitalisierung", sagt Geoffrey Bouquot. "Ich freue mich auf die neue Rolle. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, gemeinsam mit dem Team und dem Ökosystem bei Audi eine positive Aufwärtsentwicklung anzustoßen. Effizienzsteigerung und die Weiterentwicklung der Digitalisierung sind Wege zu diesem Ziel.“
Mit 38 Jahren ist Bouquot relativ jung. Er spricht vier Sprachen - plus ein wenig Chinesisch, wie er selbst in einem Interview mal sagte und gilt in Frankreich als einer der aufstrebenden Top-Manager in der Autobranche. Bouquot ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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