Audi kürzt Händlern im kommenden Jahr die Boni
Audi kämpft mit hohem Kostendruck und sinkenden Gewinnen. Das bekommen nun auch die Händler des Autobauers zu spüren – denen will der Hersteller nun die Boni zusammenstreichen.
Audi kommt bislang nicht aus der Krise. Mit 1,3 Milliarden Euro fiel der Konzern-Gewinn für den Zeitraum Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37,5 Prozent geringer aus. Ohne die beiden Marken Bentley und Lamborghini wäre das Ergebnis noch schlechter ausgefallen.
Betrachtet man die Kernmarke Audi allein, sank die Rendite im ersten Halbjahr auf mickrige 1,8 Prozent. „Unser finanzielles Ergebnis macht deutlich, wie notwendig die eingeleitete Transformation ist“, sagt Finanzvorstand Jürgen Rittersberger. Audi baut bis Ende des Jahrzehnts an den deutschen Standorten bis zu 7500 Stellen ab. Allein das soll mittelfristig mehr als eine Milliarde Euro an Einsparungen bringen.
Audi: Leistungsbonus für Neuwagen-Auslieferungen soll um ein Prozent sinken
Aber nicht nur die Audi-Beschäftigten bekommen den Spardruck zu spüren. Nun soll auch der Handel seinen Beitrag beisteuern. Denn der Autobauer will an die Boni für die Handelsbetriebe ran. Das geht aus einem internen Schreiben von Deutschland-Vertriebschef Yves Becker-Fahr und der Leiterin der Vertriebsorganisation Christina Hagmann an die Händler hervor. Demnach soll der Leistungsbonus für Neuwagen-Auslieferungen ab 2026 um einen Prozentpunkt reduziert werden.
Bislang sind maximal 3,5 Prozent Leistungsbonus möglich gewesen, heißt es aus Händlerkreisen. Nun werden es künftig maximal 2,5 Prozent sein. „Diese Maßnahme ist notwendig, um auch in einem zunehmend angespannten Marktumfeld die langfristige Stabilität und Ausgewogenheit unseres Bonussystems zu gewährleisten“, heißt es in dem Schreiben. Die genau Ausgestaltung zum künftigen Margen-, Bonus- und Vergütungssystem will Audi seinen Partnern Ende September vorstellen.
Audi: "Sind nur gemeinsam mit dem Handel erfolgreich"
Was den Leistungsbonus angeht, liege die Mehrheit bisher im Bereich von 2,0 bis 2,5 Prozent, ist aus dem Handel zu hören. Die Kürzung nehme wichtig Anreize und auch die Möglichkeit, den Kundinnen und Kunden wettbewerbsfähige Rabatte anzubieten. Bei Audi selbst äußert man sich nur vage zu dem Thema. „Wir sind nur gemeinsam mit dem Handel erfolgreich, dies gilt in der aktuell intensiven Wettbewerbssituation mehr als je zuvor. Schon deshalb ist es unser erklärtes Ziel, die Rentabilität des Handels nachhaltig sicherzustellen", sagt eine Sprecherin auf Anfrage. "Wir blicken positiv in die Zukunft und freuen uns, dass die Elektro-Offensive weiter Fahrt aufnimmt. Dies wird mit einem Anstieg von 76 Prozent bei den E-Modellen im Heimatmarkt besonders deutlich.“
Über seine weltweiten Absatzziele schweigt sich Audi aus, aber wie aus dem Unternehmen zu hören ist, will man den Absatz aus dem vergangenen Jahr auf jeden Fall übertreffen. Audi hat 2024 rund 1,67 Millionen Fahrzeuge weltweit ausgeliefert. Nach Informationen der Heilbronner Stimme plant der Autobauer intern mit rund 1,75 Millionen Einheiten. Das wäre eine Steigerung von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Audi-Händler klagen über zu hohe Preise für die neuen Modelle
Nicht nur die sinkenden Boni machen den Audi-Händlern zu schaffen. Zwar kommen die neuen Modelle, gerade die Neckarsulmer Baureihen A5 und A6, gut bei der Kundschaft an. „Allerdings haben wir uns vor allem bei typischen Dienstwagen zu weit nach oben bewegt“, beklagt ein Verkäufer aus dem Großraum Stuttgart.
Ein A4 Avant 2,0 TDI mit 204 PS und Allradantrieb hat im vergangenen Jahr noch mit rund 51.000 Euro zu Buche geschlagen, der gleichstarke Nachfolger A5 Avant steht nun mit 58.200 Euro in der Preisliste. Dieser Sprung sei bei vielen im Budget für ihren Dienstwagen nicht drin, so der Verkäufer. Dem Vernehmen nach plant Audi daher nun fzeitnah einen günstigeren Einstiegsdiesel in den Handel zu bringen.
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