Stimme+
Vertretung
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Neuwahl für Audi-Betriebsrat: In Neckarsulm steht ein Generationenwechsel bevor

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Am 12. März wählen die knapp 15.000 Beschäftigten des Audi-Werks Neckarsulm einen neuen Betriebsrat. Traditionell stellt die IG Metall die größte Liste. Das neue Gremium wird aus 39 Mitgliedern bestehen.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Eine Wahl jagt die andere. Am Sonntag (8. März) wählen die Baden-Württemberger einen neuen Landtag, am kommenden Donnerstag (12. März) wird dann bei Audi ein neuer Betriebsrat gewählt. Da die Zahl der Beschäftigten am Standort Neckarsulm zuletzt gesunken ist, besteht das Gremium in Zukunft aus 39 statt 41 Mitgliedern. Insgesamt stellen sich 210 Frauen und Männer von sieben Gruppierungen zur Wahl. Mit 148 Kandidatinnen und Kandidaten ist die IG Metall traditionell am stärksten vertreten. 

An der Spitze der Arbeitnehmervertretung wird es auf jeden Fall eine Veränderung geben: Der amtierende Vorsitzende Rainer Schirmer (59) hatte im Oktober vergangenen Jahres bekannt gegeben, dass er 2026 nicht noch einmal antritt. Spitzenkandidaten sind sein Stellvertreter Alexander Reinhart (40) und Robin Lörcher (40).

Audi-Betriebsrat steht vor Neuwahl – bisheriger Chef Rainer Schirmer tritt nicht mehr an

„Wir läuten damit den Generationswechsel an der Betriebsratsspitze ein“, sagte Schirmer im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Mit Blick auf die vergangenen vier Jahre zog er ein positives Fazit. „Prägend waren natürlich die Verhandlungen über die neue Zukunftsvereinbarung, die im März 2025 unterzeichnet wurde“, so Schirmer. „Am Ende muss man Kompromisse finden und kann natürlich nicht alles durchsetzen, aber wir haben gemeinsam als Team einiges erreicht – vor allem die Verlängerung der Beschäftigungssicherung bis Ende 2033.“ Zudem habe man unter anderem erreicht, dass das Tarifentgelt erhalten bleibe und auch keine Bereiche outgesourct werden.

Rainer Schirmer (rechts) kandidiert nicht mehr für den Audi-Betriebsrat. Spitzenkandidaten sind bei der Wahl am 12. März Robin Lörcher (links) und Alexander Reinhart (Mitte).
Rainer Schirmer (rechts) kandidiert nicht mehr für den Audi-Betriebsrat. Spitzenkandidaten sind bei der Wahl am 12. März Robin Lörcher (links) und Alexander Reinhart (Mitte).  Foto: Audi

Alexander Reinhart und Robin Lörcher verweisen zudem auf den noch namenslosen Elektro-Sportwagen (Projekt C-Sport), der ab 2027 am Standort gebaut wird. „Das erste Modell mit dem neuen, zukunftsweisenden Design kommt zu uns“, sagen die beiden Spitzenkandidaten. „Wir sind voller Vorfreude auf das elektrische Sportmodell, das neue Maßstäbe setzen wird – gebaut direkt hier bei uns in den Böllinger Höfen in Heilbronn.” Ein großer Erfolg sei auch der Ausbau der Technischen Entwicklung mit dem Zukunftsfeld Batterietechnikum gewesen.

Spitzenkandidaten des Audi-Betriebsrats blicken in die Zukunft

„Die Herausforderungen werden natürlich nicht weniger und kleiner“, so Reinhart. „Uns beschäftigt intensiv die künftige Werkbelegung, damit wir die Beschäftigung am Standort nachhaltig sichern können.“ Zudem gehe es darum, Alleinstellungsmerkmale wie die Künstliche Intelligenz konzernweit zu etablieren. „Im Bereich KI haben wir die Führungsrolle im Konzern und die ersten Projekte sind erfolgversprechend, aber das muss jetzt noch mehr werden“, so Reinhart.

Ein weiterer Schwerpunkt der künftigen Betriebsratsarbeit sei auch die Verbesserung der Arbeitswelt für die Beschäftigten. „Dazu gehört unter anderem die Aufwertung von Pausen- und Sozialräumen“, so Lörcher, aber auch die Neugestaltung der Arbeitszeitkonten oder attraktive Angebote im Mitarbeiter-Leasing von Fahrzeugen. So solle es auch nach dem Auslaufen der Einstiegsmodelle A1 und Q2 in diesem Jahr „attraktive Einstiegsangebote“ für die Beschäftigten geben. Bei allem zähle der Grundsatz, dass nicht der kurzfristige, sondern der langfristige Erfolg.

Audi-Betriebsrat will „Erfolge und Ziele klar kommunizieren“

Wer aktuell im Werk Neckarsulm und am Standort Böllinger Höfe in Heilbronn unterwegs ist, sieht an vielen Orten die Plakate der verschiedenen Gruppierungen hängen. „Uns ist wichtig, Themen zu setzen und direkt  vor Ort in den verschiedenen Bereichen des Standorts Präsenz zu zeigen“, sagt Alexander Reinhart. Bei der Betriebsratswoche beispielsweise, die vier Mal im Jahr stattfindet, komme man direkt mit den Kolleginnen und Kollegen im Gespräch. „Da erhalten wir aus erster Hand einen Überblick, was gut läuft oder eben halt auch nicht“, erzählt Robin Lörcher.

Man habe im Vorfeld der Wahl Zielgruppen analysiert, um eine gezielte Ansprache tätigen zu können. „Für uns steht im Mittelpunkt, Erfolge und Ziele klar zu kommunizieren“, so Reinhart. „Uns ist auch wichtig, keine Vergleiche zu den anderen Wahllisten zu ziehen.“ Wichtig ist dem 40-Jährigen die enge Zusammenarbeit mit der IG Metall außerhalb des Werks, sie sei das „Bindeglied zur Politik“. Nur so könne man Positionen und Forderungen auch auf anderer Ebene mehr Gehör verleihen.

Wunsch nach höherer Wahlbeteiligung bei Audi-Betriebsratswahl

Ungeachtet der Ergebnisse für die Bewerberinnen und Bewerber der IG Metall wünschen sich Rainer Schirmer, Alexander Reinhart und Robin Lörcher eine höhere Wahlbeteiligung als 2022. Die lag damals in der Corona-Pandemie bei um die 50 Prozent. „Das darf gerne mehr werden“, so Reinhart. Mit einem Rechtsruck, der in dem einen oder anderen Unternehmen erwartet wird, rechnet der 40-Jährige nicht.

„Audi ist ein global agierendes Unternehmen, in dem Menschen verschiedener Nationen mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen und religiösen Hintergründen zusammenarbeiten. Diese Vielfalt macht uns aus und sie wird uns weiterhin prägen“, sagt Rainer Schirmer. Parteipolitische Auswirkungen würden bei Audi keinerlei Rolle spielen, „dies ist für uns ein zentraler Grundsatz“. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben