Aleph Alpha wird von Cohere übernommen – Schwarz-Gruppe hat Anteile an KI-Unternehmen
Das Heidelberger KI-Unternehmen wird von Cohere übernommen. In Berlin wurde bekanntgegeben, was dahinter steckt - wirtschaftlich und politisch. Dabei spielt auch die Schwarz-Gruppe eine wichtige Rolle.
Erste Mutmaßungen kamen bereits vor einer Woche auf. Nun ist es amtlich: Die einstige deutsche KI-Hoffnung Aleph Alpha wird von Kanadiern übernommen. Unter dem Titel „Deutsch-kanadische Partnerschaft für souveräne KI“ hatten Aleph Alpha, der neue Mehrheitseigner Cohere und Schwarz Digits, die Digitalsparte der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe, in den Saal der Bundespressekonferenz nach Berlin eingeladen. An der Pressekonferenz nahmen Bundes-Digitalminister Karsten Wildberger, der kanadische Digitalminister Evan Solomon, Cohere-Chef Aidan Gomez, Aleph-Alpha-Mitgründer Samuel Weinbach und Rolf Schumann, Co-Vorstandsvorsitzender von Schwarz Digits, teil.
Warum die Regierungen Kanadas und Deutschlands beteiligt sind
Erste Gespräche gab es bereits beim G7-Gipfel in Montreal im Dezember, berichtete Wildberger. Nun werde mit Unterstützung der beiden Regierungen „ein globaler KI-Champion entstehen“. Weitere Länder sollen einbezogen werden. Gespräche liefen bereits. „Das Interesse unter unseren europäischen Freunden ist enorm hoch.“ Für Deutschland und Kanada sei das Projekt „eine Frage der staatlichen Handlungsfähigkeit“. Kanadas Digitalminister Solomon betonte: „Wir müssen sicherstellen, dass die Kontrolle über unsere Daten nicht in den Händen einiger weniger Player liegt.“
Cohere-Chef Gomez strebt mit der Fusion einen „Champion der Souveränität“ an, sagte er. „Wir wollen der vertrauenswürdigste Partner werden.“ Neben Kanada soll auch Deutschland einer der Firmensitze sein. Aleph Alpha betreibt Standorte in Heidelberg und Berlin. In Heilbronn werde das Unternehmen weiter mit der Außenstelle der ETH Zürich und der TUM kooperieren, kündigte Samuel Weinbach an.

Schwarz-Gruppe investiert viele Millionen in das fusionierte Unternehmen
Die Schwarz-Gruppe nimmt im Rahmen dieses Deals viel Geld in die Hand, berichtete Co-Vorstandschef Schumann: 500 Millionen Euro sollen in die Forschung und in den Betrieb gesteckt werden, teilte er in der Pressekonferenz mit. „Wir glauben fest an das Unternehmen.“ Dabei werde auch die eigene Cloud Stackit eine Rolle spielen: „Wir werden den Kunden unsere Infrastruktur anbieten.“ Für den Vorstand ist die Fusion ein Schritt, um „einen wettbewerbsfähigen globalen Player für KI zu bauen“. Das sei keine Vision – „wir haben bereits Produkte“. Diese sollen für viele Länder relevant sein und „einen Quasi-Standard für die digitale Souveränität schaffen. Es freut uns, das finanziell unterstützen zu dürfen.“
Wie die Anteile von Aleph Alpha aufgeteilt werden sollen
Medienberichten zufolge soll Cohere 90 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten. Wer die übrigen zehn Prozent übernimmt, ist bislang noch unklar. Aleph Alpha hatte zuletzt mehrere große Eigner und einige Investoren.
Erst im Januar hatte die Schwarz-Gruppe den Anteil des Bosch-Konzerns übernommen. Sie wurde damit zum zweitgrößten Anteilseigner nach Firmengründer Jonas Andrulis: Über ihre Investmentgesellschaft Omega Ventures hielt sie bislang 13,69 Prozent. Der Bosch-Anteil beläuft sich auf 6,02 Prozent. Mit zusammen 19,71 Prozent ist die Beteiligung seitdem deutlich höher als jene von zwei Investmentgesellschaften der Earlybird-Gruppe, die zusammen auf 16,25 Prozent kommen. Einen winzigen Anteil hielt bislang auch der Heilbronner Investor Wolf-Michael Nietzer.
Aleph Alpha wird von Cohere übernommen – so groß ist das kanadische Unternehmen
Cohere kam nach Medienberichten vergangenes Jahr auf einen Jahresumsatz von etwa 240 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen hat unter anderem Partnerschaften mit den Software-Riesen Oracle, Salesforce, SAP sowie dem Chiphersteller Nvidia geschlossen.
Aleph Alpha hat hingegen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, zuletzt wurden etwa 50 Stellen abgebaut. Mitgründer Jonas Andrulis hat das Unternehmen verlassen, die Schwarz-Gruppe hat einen ehemaligen Lidl-Manager zu einem der Unternehmenslenker gemacht.
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