„Wie ein Tiger im Käfig“: Der schleichende Trainer-Abschied vom VfR Heilbronn
Manuel Fischer ist mit großen Zielen beim VfR Heilbronn als Trainer angetreten. Als diese nach und nach verpuffen, verändert er sich – und zieht die Reißleine.
Mit reichlich Vorschusslorbeeren tritt Manuel Fischer vor dem zwölften Spieltag der Fußball-Verbandsliga Württemberg sein Amt als Trainer beim VfR Heilbronn an. Der 36-Jährige weist nicht nur eine beeindruckende Spieler-Vita vor, sondern verdiente sich auch als Coach schon erste Sporen. Indem er die graue Landesliga-Maus TSV Weilimdorf binnen zwei Spielzeiten zum Aufsteiger formte. Nach knapp dreieinhalb Monaten hat Fischer nun überraschend die Reißleine beim VfR gezogen. Es war ein Abschied auf Raten.
Als der Ex-Profi des VfB Stuttgart den auf Platz 15 liegenden VfR Heilbronn übernimmt, zeigt er sich sehr zuversichtlich. Auf seine kurzfristigen Ziele angesprochen, sagt Manuel Fischer gegenüber der Heilbronner Stimme: „Mein Thema ist, den Jungs eine gewisse Sicherheit mitzugeben.“ Aber ihm gehe es auch darum, „im ersten Spiel in Friedrichshafen einen guten Start hinzulegen“. Der misslingt, der VfR rutscht auf Platz 16, aber der Trainer bleibt gelassen. Man könne ja nicht gleich Wunderdinge erwarten.
Trainer des VfR Heilbronn gleicht vor Holzhausen-Partie einem Tiger im Käfig
Als der VfR Heilbronn danach auch gegen den FSV Waiblingen und Calcio Leinfelden-Echterdingen verliert, Schlusslicht ist, beginnt sich Manuel Fischer zu verändern. Sein Ton wird rauer. Er spricht von „maximaler Sorglosigkeit“ bei Teilen seiner Mannschaft. Und erklärt, dass bei vielen Spieler immer noch nicht angekommen sei, „dass es für uns in dieser Saison nur ums nackte Überleben geht“. Es ist der Punkt, an dem er einige im Kader – auf dessen Zusammensetzung er keinen Einfluss hatte – verliert.

Obwohl Manuel Fischer vor dem Calcio-Spiel einen neuen Kapitän bestimmt, einen Jugendspieler in die Startelf beruft, ändert sich an den Ergebnissen des VfR Heilbronn nichts. Vor Anpfiff der Heimpartie gegen den FC Holzhausen gleicht Fischer Beobachtern zufolge „einem Tiger im Käfig“. Er läuft auf und ab, starrt auf der Terrasse des VIP-Raums in den Himmel, als sehnte er sich nach Freiheit. Oder nach Punkten. Ein 15-minütiger Blackout seines Teams verhindert das erneut. Er selbst sieht Gelb-Rot.
Abgang des Trainers beim VfR Heilbronn weist Parallelen zu dem in Weilimdorf auf
Der Trainer gibt nach der vierten Pleite in Folge ein neues Saisonziel aus: „Unsere Meisterschaft ist der Klassenerhalt.“ Und ein Fünkchen Hoffnung keimt just nach dem Last-Minute-Remis bei den Sportfreunden Schwäbisch Hall auf, das das 0:2 zum Hinrunden-Abschluss gegen den TSV Berg wieder erstickt. Manuel Fischer kündigt darob Konsequenzen an, berücksichtigt zwei Spieler fortan nicht mehr, setzt stattdessen vermehrt auf die Jugend. Und er erklärt, dass er die Rückrunde als Erster abschließen wolle.
Das letzte große verbale Aufbäumen Manuel Fischers, das durch seinen ersten Sieg mit dem VfR Heilbronn über den SSV Ehingen-Süd noch mal Wucht erhält, zerplatzt zum Jahresabschluss mit der Klatsche gegen die Young Boys Reutlingen. Die markigen Worte des Cheftrainers sind Makulatur. Er erbittet sich bis zum 7. Januar „keine Anrufe der Medien“. Beim Auftakttraining am 20. Januar wirkt er statisch, danach meldet er sich krank. Bis zu seinem VfR-Abgang, der Parallelen zu dem in Weilimdorf aufweist.
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