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Für die Sport-Union Neckarsulm ist der sechste Platz besser als der fünfte

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Vor ihrem letzten Hauptrunden-Spiel schielt die Sport-Union Neckarsulm bereits in Richtung Playoffs, doch die vermeintlich beste Ausgangslage für die zweite Saisonphase liegt möglicherweise gar nicht in ihrer Hand. Der modifizierte Bundesliga-Modus und der Spielplan machen es möglich.

Trainer Thomas Zeitz und die Sport-Union Neckarsulm werden am letzten Spieltag zum Zuschauen gezwungen sein, behalten allerdings genau im Blick, was sich im Hauptrunden-Endspurt tut. Besonderes Interesse gilt dem VfL Oldenburg.
Trainer Thomas Zeitz und die Sport-Union Neckarsulm werden am letzten Spieltag zum Zuschauen gezwungen sein, behalten allerdings genau im Blick, was sich im Hauptrunden-Endspurt tut. Besonderes Interesse gilt dem VfL Oldenburg.  Foto: Christiana Kunz

Von Entspannung vor dem Hauptrunden-Abschluss oder gar Vorfreude auf die sich daran anschließende Playoff-Runde ist bei der Sport-Union Neckarsulm trotz des jüngsten sportlichen 38:28-Highlights gegen die TuS Metzingen derzeit nichts zu spüren. Die neuerliche Verletzungsmisere mit gleich fünf (langfristig) ausfallenden Spielerinnen trübt die Stimmung beim Handball-Bundesligisten. Dabei ist die sportliche Ausgangslage als Tabellensechster derzeit vielversprechend.

Wie sich inzwischen zunehmend herauskristallisiert, könnte sie sogar kaum besser sein, denn die vermeintlich zweitbeste Ausgangslage für die Playoff-Runde dürfte – zumindest auf dem Papier – in Wahrheit sogar die Pole Position sein.

Insolvenz der HB Ludwigsburg hatte Anpassung des Spielmodus zur Folge

Die Ursprünge dessen liegen in der im August, zwei Tage vor Saisonbeginn, von Clubs und Handball Bundesliga Frauen (HBF) aufgrund des erzwungenen Rückzugs der HB Ludwigsburg mit heißer Nadel gestrickten und knapper Mehrheit angenommenen einmaligen Anpassung des Spielmodus. Mit dieser sollte einer aufgrund des Ludwigsburger Aus spannungsarmen Abstiegsrunde entgegengewirkt werden.

Statt, wie ursprünglich geplant, die Liga nach der Hauptrunde zu dritteln, wird sie nun geteilt: die besten vier Mannschaften spielen in einer Meisterrunde um den Titel. In der Spielrunde des Fünft- bis Elftplatzierten (Playoffs) geht es um eine Direktqualifikation für das Viertelfinale des DHB-Pokals 2026/2027 – inklusive Heimrecht – sowie die Ermittlung des Teilnehmers an der Abstiegsrelegation.


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Tabellensechstem winkt Heimvorteil zum Saisonabschluss

Um gute Ergebnisse aus der Hauptrunde zu belohnen, nehmen die Mannschaften in absteigender Reihenfolge Punkte aus der ersten Saisonphase in den Playoffs mit. Der Hauptrunden-Fünfte, derzeit der VfL Oldenburg, startet mit sieben Pluspunkten, die Sport-Union würde – Stand heute – mit sechs Zählern ins Rennen gehen, der Elfte nur mit einem. Nun ergibt sich angesichts der sportlichen Ausgangslage sowie des Hauptrunden- und Playoff-Spielplans für die Sport-Union jedoch die Situation, dass es unter Umständen gar nicht allzu vorteilhaft wäre, als Punktbester in die entscheidende Saisonphase zu gehen.

Denn als Tabellensechster würde die Sport-Union in den in einer Einfachrunde ausgetragenen Playoffs vom 18. April an in aufsteigender Reihenfolge und im Wochenrhythmus gegen den Hauptrunden-Elften, -Zehnten, -Neunten usw. antreten. Spielfrei hätte sie dann am vorletzten Saisonwochenende (23./24. Mai) und damit eine Erholungspause, ehe zum Saisonabschluss am 30. Mai der Tabellenfünfte in der Ballei antreten müsste. Es winkt als Sechster also ein zuschauerträchtiges Saisonabschluss-Heimspiel, in dem mit einem Sieg der Tabellenfünfte überholt werden könnte – vorausgesetzt beide Kontrahenten gewinnen alle ihre Playoff-Partien.


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VfL Oldenburg könnte über Hauptrunden-Platzierung der Sport-Union entscheiden

Hinzu kommt aus Neckarsulmer Sicht, dass die Mannschaft von Trainer Thomas Zeitz ihre Playoff-Auswärtsspiele als Hauptrunden-Sechster nach derzeitigem Stand wohl in Halle, Göppingen und Metzingen austragen würde. Als Fünfter drohten hingegen lange Auswärtsfahrten nach Zwickau, Buxtehude und Oldenburg. Hauptrunden-Platz fünf wäre darüber hinaus mit einem spielfreien Wochenende gleich am ersten Playoff-Spieltag verbunden, was für die Sport-Union eine vierwöchige Pause bedeuten würde. Denn das ursprünglich für den 4. April terminierte Heimspiel gegen die HB Ludwigsburg entfällt bekanntlich, bevor eine Nationalmannschaftspause ansteht und dann der Playoff-Auftakt ohne die Neckarsulmerinnen stattfinden würde.

All dessen ist man sich in Neckarsulm durchaus bewusst und schaut deswegen ganz genau hin, was in Oldenburg passiert. Denn sollte die Sport-Union ihr Auswärtsspiel am Sonntag (16 Uhr) bei Sachsen Zwickau gewinnen und dadurch nach Pluspunkten mit den Oldenburgerinnen auf Augenhöhe sein, hielte der VfL alle Trümpfe in der eigenen Hand: Weil die spielfreie Sport-Union am letzten Spieltag nicht mehr reagieren kann, wissen die Niedersachsen, die personell stark dezimiert nur drei Punkte aus ihren vergangenen vier Partien gesammelt haben, bereits vor ihren letzten beiden Hauptrunden-Spielen bei Spitzenreiter Borussia Dortmund (Mittwoch, 1. April) und drei Tage später gegen die TuS Metzingen, welche Ergebnisse sie für welche Endplatzierung benötigen.


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Sport-Union Neckarsulm verschenkt Sieg gegen VfL Oldenburg


Thomas Zeitz sieht keine Anzeichen für einen schwächelnden VfL Oldenburg

Bleibt es im Bundesliga-Endspurt also bei viel Theorie oder wird bereits am Wochenende tatsächlich taktiert? „Ich glaube, darüber wird von außen mehr spekuliert als von innen“, sagt Thomas Zeitz. Zwar sei eine hohe VfL-Niederlage beim BVB am nächsten Mittwoch durchaus denkbar, „aber am Mittwochabend wollten sie in einem wirklich schlechten Spiel gegen Zwickau gewinnen (25:25, Anm. d. Red.). Das zeigt mir, dass die bis zum Schluss alles geben werden.“

Eine ähnlich kuriose Ausgangslage deutet sich darüber hinaus auch zwischen dem Tabellenschlusslicht auf Rang elf (derzeit der SV Union Halle-Neustadt) und dem Vorletzten (BSV Sachsen Zwickau) auf Platz zehn an. Am vierten Playoff-Spieltag kommt es zum direkten Duell der beiden schlechtesten Hauptrunden-Mannschaften, wobei das Schlusslicht Heimrecht genießen wird. Auch hier könnte daher auf dem Papier der Fall eintreten, dass unter Umständen die schlechtere Hauptrunden-Platzierung einen kleinen Vorteil für die Playoffs mit sich bringt.

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