Sport-Union Neckarsulm trotzt Lizenz-Wirrwarr in der Handball-Bundesliga
Der Neckarsulmer Bundesligist hat als Folge der Insolvenz der HB Ludwigsburg in diesem Jahr detailliertere Lizenz-Unterlagen bei der HBF einreichen müssen. Kuriosa gibt es unterdessen bei den Lizenzanträgen in Liga zwei und drei.

Dass Hannes Diller seine Arbeit gemacht hat, attestierte ihm die Handball Bundesliga Frauen (HBF) am vergangenen Dienstag schriftlich, als sie via Pressemitteilung verlauten ließ, dass alle Erstligisten, darunter auch die Sport-Union Neckarsulm, ihre Lizenzanträge für die Saison 2026/2027 fristgerecht eingereicht haben. Als Geschäftsführer des Gesamtvereins lag das für die Sport-Union in Dillers Verantwortung.
Ob er und die Mitarbeiter der Vereinsgeschäftsstelle ihre Arbeit auch zur Zufriedenheit der HBF erledigt haben, entscheidet sich bis Mitte Mai. „Mich würde es aber wundern, wenn es Probleme geben würde“, sagt Diller. Man habe seine Hausaufgaben erledigt, auch wenn diese mit deutlich mehr Aufwand verbunden gewesen seien als in den Vorjahren.
Diller zweifelt: Mehr Bürokratie, aber auch höhere Sicherheit?
Die Insolvenz der HB Ludwigsburg, die nach ihrem bereits feststehenden Zwangsabstieg auch keinen Lizenzantrag für die 2. Bundesliga gestellt hat, hat die HBF dazu bewogen, bei den Lizenzunterlagen genauer hinzuschauen. „Jeder Verein hat jetzt 40 Bürokratie-Stunden mehr, aber ob das einen Fall Ludwigsburg verhindert, weiß ich nicht“, sagt Diller skeptisch.

So sei etwa in diesem Jahr eine detaillierte Einzelaufstellung aller Sponsoren und der Höhe der mit ihnen mündlich wie schriftlich getroffenen Engagements sowie eine Darlegung der Einlagen einzelner Gönner oder Funktionäre erforderlich gewesen. Zudem behalte sich die HBF vor, im Zweifel Einblicke in die genauen Absprachen zu nehmen.
Sport-Union erhält Kompensationszahlung nach HBL-Insolvenz
„Man will den Vereinen einfach etwas tiefer in die Karten schauen“, sagt Diller verständnisvoll. Das sei zwar tiefgründiger als in der Vergangenheit, aber befreie die Vereine und letztlich auch die Liga trotzdem nicht von der Gefahr einer finanziellen Schieflage, sofern ein oder mehrere Großsponsoren selbst in wirtschaftliche Probleme geraten und dadurch ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten.
Als Entschädigung für das Aus der HB Ludwigsburg winkt der Sport-Union im Übrigen immerhin eine Kompensationszahlung in Höhe von 2500 Euro, wie Diller bestätigt. Diese wird an alle Bundesliga-Clubs aus der geleisteten Bankbürgschaft der HBL gezahlt.
Es fehlen 20.000 Euro: HC Rödertal bringt sich selbst um Erstliga-Handball
Eine solche Bankbürgschaft ist nun dem HC Rödertal zum Verhängnis geworden. Die Mannschaft von Trainerin und Ex-Neckarsulmerin Maike Daniels mischt in der 2. Bundesliga als Tabellendritter vorne mit und Präsidium wie Gesellschafter der Spielbetriebs-GmbH hatten einem Lizenzantrag für die erste Liga eigentlich zugestimmt.
Doch den Sachsen unterlief bei ihrem Lizenzantrag ein Formfehler und statt der für die deutsche Beletage erforderlichen Bankbürgschaft in Höhe von 50.000 Euro hinterlegte der HCR nur die für Liga zwei geforderten 30.000 Euro, so dass der Traum von Erstliga-Handball vorerst geplatzt ist. Als direkter Aufsteiger sowie als Relegationsteilnehmer kommen somit nur noch der HC Leipzig, die Füchse Berlin und die TG Nürtingen in Frage.
Nur drei Anwärter für den Aufstieg in die 2. Bundesliga
Ähnlich verworren sieht es in der 3. Liga aus. Aus den drei Drittliga-Staffeln haben nämlich nur der bisher verlustpunktfreie SV Todesfelde (Nord) sowie die TSG Leihgestern und die HSG Bad Wildungen (beide Mitte) einen Antrag zur Aufnahme in die 2. Bundesliga gestellt. Weil bei nur drei Antragstellern keine Aufstiegsrunde nötig ist und die Schleswig-Holsteinerinnen aus der Nord-Staffel nicht mehr von Rang eins zu verdrängen sind, stehen sie bereits als Aufsteiger fest – sofern die HBF ihnen die Lizenz erteilen sollte.
Da die Liga-Statuten vorsehen, dass potenzielle Aufsteiger in ihrer Staffel am Saisonende auf einem der ersten beiden Plätze stehen müssen und die TSG Leihgestern und die HSG Bad Wildungen davon derzeit noch vier beziehungsweise fünf Punkte entfernt sind, könnte es darauf hinauslaufen, dass es beim SV Todesfelde als einzigem Zweitliga-Aufsteiger bleibt. Dieser würde dann den Startplatz der auf eine Teilnahme an der zweiten Liga verzichtenden HB Ludwigsburg einnehmen. Einen sportlichen Absteiger aus der 2. Bundesliga gäbe es am Ende der laufenden Spielzeit in diesem Falle nicht.
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