Unterland-Hohenlohe-Rallye wird zur Macht-Demonstration
Mit totaler Dominanz auf allen vier Wertungsprüfungen gewinnen John Macht/Tobias Glatzel vor zahlreichen Zuschauern die 36. Unterland-Hohenlohe-Wertungsfahrt.

Zu vorgerückter Stunde ließ sich am Samstagabend gar nicht so genau sagen, was in den Stunden zuvor eigentlich beeindruckender gewesen war: Das Feuerwerk, das die Gesamtsieger John Macht und Beifahrer Tobias Glatzel in ihrem Mitsubishi Evolution VI auf den vier Wertungsprüfungen abgebrannt hatten oder die Kulisse, für die die gut und gerne 1000 Zuschauer in und um die Weinberge zwischen Kirchensall und Untersteinbach gesorgt hatten.
Die 36. Unterland-Hohenlohe-Wertungsfahrt (UHW) war jedenfalls ein Spektakel. Darüber waren sich Fans, Teilnehmer und Organisatoren einig. „Wir hatten ja schon mit vielen Zuschauern gerechnet“, sagte Toni Geist als Organisationsleiter und Vorsitzender des Co-Ausrichters HWRT Wohlmuthausen, „aber es ist heute wirklich schon sehr gut besucht, was zeigt, dass der Motorsport noch nicht ganz im Abseits steht. Wir sind super zufrieden.“
9,4 Kilometer langer Rundkurs sorgt für Rallye-Action im Sekundentakt
An den Zuschauerpunkten in den Weinbergen standen die Rallye-Fans in mehreren Reihen dichtgedrängt, parkende Autos schlängelten sich durch die engen Wirtschaftswege zwischen den Reben hindurch und bei blauem Himmel, Partyschlager-Musik und Bierpreisen von 2,50 Euro herrschte zeitweise regelrechte Volksfeststimmung.
Zur guten Atmosphäre trug freilich auch bei, was die Fahrer den Fans boten. Vor allem auf dem 9,4 Kilometer langen Rundkurs „Oberhöfen“, auf dem sich die WP 2 und 4 durch die Weinberge schlängelten und der in dieser Form erstmals gefahren wurde, gab es Motorsport-Action im Sekundentakt.
Erst Vollgas, dann Zeit-Management: Macht/Glatzel dominieren UHW
„Die Prüfungen hier durch die Weinberge sind ganz besonders, das gibt es sonst in Deutschland nur ein- oder zweimal“, sagte John Macht später im Ziel, als er zwar noch keinen Pokal, wohl aber die Gewissheit hatte, an diesem Tag nicht zu schlagen gewesen zu sein. „Wir haben auf der ersten WP gleich voll gepusht und anschließend versucht, mit unserem Vorsprung sicher durchzukommen“, beschrieb der 33-Jährige seinen Weg zum Gesamtsieg, der angesichts von über 20 Sekunden Vorsprung vor den Zweitplatzierten Daniel Hammel/Matthias Klotz vom zweiten Veranstalter HMC Öhringen und allen vier gewonnenen Wertungsprüfungen kaum deutlicher hätte ausfallen können.

„Es ist auch ein bisschen Genugtuung dabei, nachdem ich hier in den vergangenen Jahren eigentlich immer technische Probleme hatte und nur zweimal ins Ziel gekommen bin“, gestand Macht lachend. Ein dritter Platz 2023 und ein Klassensieg in Jahr darauf waren bisher die besten Resultate des Duos vom UMC Ulm gewesen. Seine Angst vor erneuten Antriebswellenproblemen blieb letztlich unbegründet, weil bereits auf der ersten, acht Kilometer langen WP „Löschenhirschbach“ mit ihrem hohen Vollgasanteil, die nach 2023 erneut den Weg ins Programm gefunden hatte, alle Zeichen auf Sieg standen.
Gesundheitliche Gründe: Vorjahressieger verzichten auf Start
Bei einigen (Mit-)Favoriten sah das etwas anders aus. Die Vorjahressieger Lars Stütz/Jannik Wagner sagten ihren Start kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen ab, Tom Hettenbach und Robin Zaiß verloren nach einem technischen Defekt früh viel Zeit und Patrick Scherer, der mit Heike Damm auf WP 1 als Zweiter noch einigermaßen mit Clubkamerad Macht hatte Schritt halten können, musste nach einem Kontakt mit einem Randstein aufgrund von Problemen am Antriebsstrang seines BMW M3 E46 auf der zweiten WP aufgeben.
„Dabei hätte es gerne so weitergehen können wie am Anfang“, sagte Scherer später grinsend. Auch Deutschlands 2WD-Champion von 2024, Tom Kässer, stand mit seinem Peugeot 208 Rally4 und seiner neuen Beifahrerin Sarah Pfaff bald tatenlos am Straßenrand.

René Noller fährt bei seinem UHW-Debüt aufs Gesamtpodium
Während Macht und Glatzel bereits einen Start bei der Jännerrallye in Österreich und ein Winter-Training in Finnland hinter sich hatten, war die UHW für die meisten Teilnehmer der Auftakt ins Rallye-Jahr 2026. So auch für René Noller, der erstmals bei der Traditionsveranstaltung am Start und mit dem dritten Gesamtrang an der Seite von Co-Pilot Tim Rauber zufrieden war.
„Wir haben gesehen, dass das Auto nach der Arbeit im Winter gut läuft. Mit frischen Reifen hätten wir vielleicht sogar um den Klassensieg mitfahren können, aber für uns ging es heute vor allem darum, uns auf die Saison in der European Rally Trophy vorzubereiten“, sagte der 23-Jährige. Der Abstatter hatte seine Reifen bis auf das Äußerste strapaziert, war in den engen Weinbergen der Rundkurs-WP mit seinem wendigen Peugeot 208 Rally4 aber voll in seinem Element gewesen.
Ergebnisse 36. Unterland-Hohenlohe-Wertungsfahrt
Gesamtwertung Rallye35 (45 Starter)
1. John Macht/Tobias Glatzel (UMC Ulm); Mitsubishi Evolution VI; 23:04,6 Minuten.
2. Daniel Hammel/Matthias Klotz (HMC Öhringen); Opel Corsa Rally4; +20,7 Sekunden.
3. René Noller/Tim Rauber (Abstatt/Riedstadt); Peugeot 208 Rally4; +31,8 Sekunden.
4. Fritz Köhler/Petra Hägele (Pommertsweiler); BMW E36 M3; +32,9 Sekunden.
5. Jochen Kurz/Daniela Weinert (RT Mögglingen); BMW E36 M3; +49,6 Sekunden.
Klassensieger
Klasse NC1 (8 Starter): John Macht/Tobias Glatzel (UMC Ulm); Mitsubishi Evolution VI; 23:04,6 Minuten.
Klasse NC2 (2 Starter): Jochen Kurz/Daniela Weinert (RT Mögglingen); BMW E36 M3; 23:54,2 Minuten.
Klasse NC3 (17 Starter): Kai Otterbach/Albert Hertfelder (Obersontheim/Frankenhardt); BMW E30 320is; 24:04,3 Minuten.
Klasse NC4 (9 Starter): Fabian Sinn/Florian Jakob (HWRT Wohlmuthausen); BMW E30; 24:45,4 Minuten.
Klasse NC6 (1 Starter): Maximilian Mathias/Udo Mathias (Wahlheim/Wolfstein); Mitsubishi Evolution X; 25:01,3 Minuten.
Klasse NC8 (5 Starter): Nils Kreß/Eileen Völker (HWRT Wohlmuthausen); BMW E36 Compact 318ti; 26:25,7 Minuten.
Klasse RC4 (3 Starter): Daniel Hammel/Matthias Klotz (HMC Öhringen); Opel Corsa Rally4; 23:25,3 Minuten.
Gesamtwertung Retro (22 Starter)
1. Andreas Zuhnemer/Max Buchert (MSC Rodenstein); Renault R5 Alpine Gr. 2; +0,23 Sekunden.
2. Wolfgang Michalsky/Fabian Michalsky (ADAC Südbaden); Alfa Romeo Giulia; +0,43 Sekunden.
3. Sebastian Dietz/Denise Dietz (ADAC Nordbaden); BMW 323ti; +0,43 Sekunden.
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