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Heilbronn Reds beschwören die Magie der Mörike-Halle

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Heilbronner Basketballer machen gegen den TSV Wieblingen einen riesigen Schritt zum Klassenerhalt in der Regionalliga. Auf eine schwache erste Hälfte folgt erneut ein Punkte-Feuerwerk − obwohl der Trainer auf eine Kabinenansprache verzichtet.

Arnau López und die Reds mussten sich gegen den TSV Wieblingen zunächst mächtig strecken, behielten die Punkte aber in der heimischen Mörike-Sporthalle.
Arnau López und die Reds mussten sich gegen den TSV Wieblingen zunächst mächtig strecken, behielten die Punkte aber in der heimischen Mörike-Sporthalle.  Foto: Ralf Seidel

Fünf Minuten vor Schluss brach es am Sonntagabend selbst aus Arnau López heraus. Der spanische Aufbauspieler der TSG Heilbronn Reds, für gewöhnlich nicht für emotionale Kontrollverluste bekannt, jubelte nach seinem erfolgreichen Drei-Punkte-Wurf mit den 325 Zuschauern in der gut besuchten Mörike-Sporthalle in einer Mischung aus Erleichterung und Ekstase.

Zu wichtig, zu richtungsweisend waren seine Punkte zum 77:72, als dass man sie einfach so regungslos hätte hinnehmen können. Der emotionale Ausbruch stand sinnbildlich für die Leistungsexplosion der Reds, mit der sich die Heilbronner Basketballer in einer furiosen zweiten Spielhälfte einen 86:78 (30:48)-Sieg gegen den TSV Wieblingen sicherten und in der Regionalliga Baden-Württemberg zugleich einen sehr großen Schritt in Richtung Ligaverbleib machten.


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Kein Ziel, aber einen Plan: Gelingt den Heilbronn Reds der große Wurf?


„Etwas zu spannend“: Nils Maisel und Co. suchen noch nach Souveränität

Wie schon beim vorangegangenen Heimspiel gegen die Hakro Merlins Crailsheim II (78:62) zogen die Heilbronner nach einer unterirdischen ersten in einer überzeugenden zweiten Spielhälfte noch den Kopf aus der Schlinge und machten abermals einen 20-Punkte-Rückstand wett. „Es ist immer das Gleiche“, murmelte Trainer Goran Mijic nach der Partie, während er in einer Mischung aus Stolz und Unverständnis den Kopf schüttelte. „In den letzten Jahren war die Konstanz unsere Stärke, in dieser Saison sind wir aber eher eine Welle. Einen Mittelweg zu finden, würde uns guttun. Wir machen es auch für unseren Geschmack etwas zu spannend“, gab Vizekapitän Nils Maisel zu.

Mijic hatte bereits im zweiten Viertel mächtig durchgewechselt, jedoch nicht die richtige Spieler-Kombination gefunden, die der Partie ihren Stempel aufdrücken und den nach etwas mehr als einer Viertelstunde bereits auf 19 Punkte angewachsenen Rückstand hätte minimieren können. Mit Maisel, Marques Charlton und Denis Schnakenberg saßen drei potenzielle Start-Spieler zeitweise gemeinsam auf der Bank und mussten mitansehen, wie die Wieblinger Füchse munter Dreier um Dreier im Korb der Reds unterbrachten und schließlich völlig verdient mit einer 48:30-Führung in die Kabine gingen.


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Heilbronn Reds wollen ohne „Hero Ball“ durch den Saisonendspurt


Trainer Goran Mijic lässt Mannschaft sich in der Halbzeit selbst verwalten

Auf den Weg dorthin, nicht aber hinein, begab sich auch Goran Mijic: „Ich habe den Jungs gesagt: ‚Das müsst ihr jetzt selbst machen; ihr seid alt genug. Ich habe alles gesagt und alles getan.‘“ Der 39-Jährige war mächtig angefressen ob der Leistung seiner Schützlinge und hatte schon während einer Auszeit im ersten Spielabschnitt laut und gestenreich – fliegende Taktik-Tafel inklusive – seine Gemütslage kundgetan.

„Jeder hat dann in der Pause mal seinen Senf dazugegeben, denn es war ein bisschen schwierig, herauszufinden, was genau uns gefehlt hat und wo wir am besten ansetzen könnten“, verriet Maisel, der gemeinsam mit Charlton als einer der Wortführer voranging. „Dabei wussten wir von Anfang an, dass das die vielleicht aggressivste Mannschaft der gesamten Liga ist“, sagte Goran Mijic.

Überragte mal wieder die Konkurrenz: Marques Charlton (am Ball) leitete mit seinen Distanztreffern die Aufholjagd der Reds in der zweiten Spielhälfte ein.
Überragte mal wieder die Konkurrenz: Marques Charlton (am Ball) leitete mit seinen Distanztreffern die Aufholjagd der Reds in der zweiten Spielhälfte ein.  Foto: Ralf Seidel

Das selbstgesteckte Zwischenziel, den 18-Punkte-Rückstand zur Pause bis zum Ende des dritten Viertels auf zehn Punkte zu verringern, übererfüllten die Reds beim 60:67 schließlich, „weil wir in der zweiten Hälfte mehr Sprints gezogen und einfach mehr Gas gegeben haben“, wie Mijic befand. Auch eine gewisse Variabilität im Angriffsspiel beschleunigte die Aufholjagd.

Distanztreffer leiten Aufholjagd der Heilbronn Reds ein

Mehr eroberte Offensiv-Rebounds, mehr gezogene Fouls und vor allem kreativere Lösungen im Angriff machten nach Wiederbeginn vieles einfacher. Denn die Reds hatten sich in Hälfte eins immer wieder unter dem Wieblinger Korb aufgerieben, sofern Maisel, Charlton und Co. die schnelle Lücke am Ende ihrer wenigen Fastbreaks nicht fanden. Die Lösung für ihre Offensivprobleme hatten sich die Gastgeber schließlich beim TSV Wieblingen abgeschaut: Charlton, López und Dariusz Blank verkürzten den Reds-Rückstand mit insgesamt fünf Distanztreffern und brachten die Heilbronner dank 30 Punkten im dritten Viertel wieder zurück ins Spiel.


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„In der zweiten Hälfte wurde es dann unser Spiel, da haben wir angefangen uns wohlzufühlen. Wir haben das einfach alles etwas persönlicher genommen, und das haben auch die Fans erkannt“, sagte Nils Maisel. „Jeder von uns hat sich bewusst gemacht und zu Herzen genommen, dass wir hier vor unserem Publikum spielen und die Leute wegen uns gekommen sind. Das sind Menschen, die uns lieb sind, und für die wollen wir gut spielen.“

Mit vereinten Kräften gelingt der Kraftakt

Spätestens als Marques Charlton das Schlussviertel mit einem Dreier eröffnete, wurden die Zuschauer in der Mörike-Halle zum sechsten Mann. Der US-Amerikaner brachte seine Mannschaft mit zwei Freiwürfen schließlich in Führung (74:72), bevor es nach dem richtungsweisenden Treffer zum 77:72 aus Arnau López herausbrach.

Als das heiße Wieblinger Händchen aus der Distanz längst abgekühlt war, besiegelten vier Punkte von Simon Schmitz schließlich doch noch den zwölften Saisonsieg. Aber: „Einiges für diesen Kraftakt kam auch von der Tribüne, das waren wir auf keinen Fall allein. Sobald das Momentum auf unsere Seite gekippt ist, ist das, was hier von der Tribüne kommt, unglaublich. Das pusht einen richtig“, betonte ein nach dem Sieg erleichterter Nils Maisel.


TSG Heilbronn Reds: Schnakenberg (4), López (16), Schmitz (16), Charlton (29), Milicevic (6); Klein (2), Hartig, Blank (3), Maisel (10), Cibula.

Schiedsrichter: Jens Oberhauser/Lukas Passon.

Zuschauer: 325.


Saisonendspurt mit zwei Auswärtsspielen

Als Tabellenvierter mit 24 Punkten, so viele wie auch fünf weitere Mannschaften in der Regionalliga Baden-Württemberg aufweisen, gehen die Heilbronn Reds in den Saisonendspurt. Am nächsten Samstag ist das Team von Trainer Goran Mijic bei Aufsteiger Lokomotive TS Göppingen gefordert. Nach einer dreiwöchigen Oster-Pause geht es dann zum SV Tigers Tübingen (12. April, 17.30 Uhr), bevor die BG Viernheim/Weinheim am letzten Spieltag zu Gast in der Mörike-Halle sein wird. Weil alle Spiele am gleichen Tag stattfinden müssen, findet die Partie bereits am Samstag, 18. April, um 19 Uhr statt.

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