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Schwarz-Gruppe ist nur ein Beispiel
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Immer mehr Homeoffice wie bei Lidl: Hat Büroarbeit überhaupt Zukunft?

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Das Arbeitsleben vieler Menschen hat sich mit der Corona-Pandemie verändert. Mobiles Arbeiten ist zum zentralen Verhandlungsgegenstand bei Bewerbungsgesprächen geworden. Das hat natürlich Auswirkungen - zum Beispiel auf Bürogebäude wie bei Lidl.

Die neue Zentrale von Lidl-Deutschland in Bad Wimpfen. Auch aufgrund der modernen Homeoffice-Regelung steht dort eines der Gebäude leer.
Die neue Zentrale von Lidl-Deutschland in Bad Wimpfen. Auch aufgrund der modernen Homeoffice-Regelung steht dort eines der Gebäude leer.  Foto: oatawa/stock.adobe.com (links), Lidl (rechts)

Das Homeoffice ist für viele Beschäftigte in Deutschland zum festen Bestandteil ihres Berufslebens geworden. Auch nach dem Ende der Corona-Pandemie arbeiteten im vergangenen Jahr 24,2 Prozent aller Erwerbstätigen zumindest gelegentlich von zu Hause, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das waren fast genau so viele wie im Jahr 2021 mit seinen einschneidenden Schutzmaßnahmen (24,9 Prozent) und doppelt so viele wie vor der Krise (2019: 12,8 Prozent).



Homeoffice sei gekommen, um zu bleiben, sind sich Experten weitgehend einig. Die Arbeitswelt verändert sich, wenn dauerhaft ein gutes Viertel aller Beschäftigten ganz oder tageweise zu Hause arbeitet. Allerdings sind die damit verbundenen Hoffnungen möglicherweise überzogen, wenn das Homeoffice gleichzeitig die Probleme des Wohnungsmarkts, des Verkehrs und der Umwelt in Ballungsräumen wie auch bei der Betreuung von kleinen Kindern lösen oder den Fachkräftemangel beseitigen soll.

Leerstände als Resultat von ausgedehnten Homeoffice-Regelungen

Zudem gibt es unvorhergesehene Verwerfungen. Wie unsere Redaktion bereits berichtete, kämpfen Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe mit Leerständen in ihren Bürogebäuden - etwa bei Lidl Deutschland in Bad Wimpfen. Es ist das Resultat eines sehr flexiblen Angebots des Arbeitgebers, in Absprache mit Vorgesetzten bis zu 100 Prozent von zu Hause oder mobil zu arbeiten.

Arbeitnehmer sehen das als Pluspunkt. Mobiles Arbeiten ist längst auch ein zentraler Verhandlungsgegenstand bei Bewerbungsgesprächen. Aus Sicht der Unternehmen erhöhen sich die Chancen auf gutes Personal, stellt der Arbeitgeberverband BDA fest: Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz müssen nicht mehr zwingend nah beieinander liegen.

Das Büro der Zukunft ist eine Begegnungsstätte für kreatives Miteinander

Das Institut der Deutschen Wirtschaft sieht einen deutlichen Trend, klassische Büros in Räume für Kommunikation und Zusammenarbeit zu verwandeln. Das Büro soll künftig als Begegnungsstätte dienen, in der das kreative Miteinander im Vordergrund steht, während das Homeoffice eher der konzentrierten Arbeit vorbehalten bleibe.

Für die Zukunft sieht Nicole Graf, Rektorin der DHBW Heilbronn, zwei große Themen: Das, was sie "Workation" nennt und die Frage, wie Deutschland seinen Bedarf an Arbeitskräften womöglich durch einen deutlich höheren mobilen Arbeitsanteil aus dem Ausland decken kann. Bei der "Workation", einem zusammengesetzten Wort aus den englischen Begriffen für Arbeit und Urlaub, verschwimmen beruflicher und privater Bereich immer mehr - Mitarbeiter arbeiten zum Beispiel in einem Urlaubsland mobil oder der Arbeitsplatz ist so attraktiv gestaltet, dass Menschen dort auch gerne ihre Freizeit verbringen - etwa, um mit den Kollegen nach Feierabend zu grillen. Für solche Arbeitsmodelle sei in Deutschland noch viel Potenzial, sagt Graf: "Wir sind da eher konservativ."

Der Heilbronner Ipai wird ein "Reallabor", sagt Nicole Graf

Den entstehenden Heilbronner KI-Park Ipai bezeichnet Graf als "Reallabor", um neue Formate auszuprobieren: "Da entsteht ein ausgesprochen attraktiver Arbeitsort, der Idealtypus eines modernen Arbeitsplatzes." Es sei sehr spannend zu sehen, wie das angenommen werde. 

 

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