Über 5000 Euro pro Quadratmeter in Bad Rappenau: Ist das noch bezahlbarer Wohnraum?
In Bad Rappenau entstehen in einem Projekt neue Wohnungen – der Quadratmeter kostet 5300 Euro aufwärts. Das Ingenieurbüro wollte bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wie passt das zusammen?
Früher hätte man von Münchner oder Freiburger Preisen gesprochen. Heute sind offenbar auch in Bad Rappenau Quadratmeter-Preise von 5300 Euro aufwärts das neue Normal. Die Summe nennt Bauingenieur Andreas Klee, der gerade auf dem Grundstück des ehemaligen Curata-Pflegeheims in Bad Rappenau drei mehrgeschossige Wohnhäuser plant. Vor einem Jahr hatte er noch gesagt, man wolle „wirklich bezahlbaren Wohnraum“ schaffen.
Es ist wohl eine Frage der Perspektive: Was ist bezahlbar? Was gilt als bezahlbar? Für Klee ist das „immer eine schwierige Diskussion“. Die Kosten für das Bauen seien entsprechend höher, und sie bauten mit hohem Standard.
5000 Euro pro Neubau-Quadratmeter: In Heilbronn nicht ungewöhnlich
Professor Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln stimmt Klee insofern zu, als dass die Baukosten immens hoch seien. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sei es oftmals schwieriger, günstiger zu bauen. 4000 und 5000 Euro pro Neubau-Quadratmeter halte er in Regionen wie Heilbronn für gar nicht ungewöhnlich.
„Bezahlbarkeit ist ja eine schillernde Begrifflichkeit“, sagt Voigtländer weiter. „Das kann für jeden etwas anderes bedeuten.“ Klar sei: Neubau-Wohnungen seien „für den Normalverdiener kaum leistbar“. Anders sei das mit Bestandsobjekten, da könnten Familie Glück haben und 1000 Euro oder mehr pro Quadratmeter einsparen.
Bezahlbarer Wohnraum für Käufer? Fehlendes Eigenkapital als Problem
Heutzutage gehen viele davon aus, dass es frühere Generationen leichter hatten, Wohneigentum zu bilden. Dem widerspricht Voigtländer aber. Die Erschwinglichkeit sei heute immer noch besser als in der 1980er und 1990er Jahren – auch wenn sich das für die Menschen anders anfühle. Höhere Zinsen hätten damals zu höheren monatlichen Raten geführt. Allerdings habe man den Ausblick auf schneller steigende Löhne gehabt.

Das Hauptthema für Wohneigentum-Interessenten sei heute das Eigenkapital. „Das ist ein Riesenproblem.“ Die Grundsteuer muss bezahlt werden, der Makler will etwas, der Notar, die Banken auch. 20 Prozent des Kaufpreises müsse man da schon mitbringen. Bei einer 500.000-Euro-Wohnung seien das gleich mal 100.000 Euro. „Das überfordert viele“, so Voigtländer. Wenn man dann keine Eltern habe, die ihre eigene Immobilie beleihen, werde es schwierig.
Bezahlbares Wohnen in Bad Rappenau: Oberbürgermeister äußert sich
Bad Rappenaus Oberbürgermeister Sebastian Frei sagt, bezahlbares Wohnen verbinde man ja in aller Regel mit Mietwohnungen. In Zeiten steigender Immobilienpreise hätten es „einkommensschwache Menschen und Familie immer schwer, Wohneigentum zu finden“. Sie als Stadtverwaltung seien im betreffenden Grundstück und bei dem Projekt nicht investiert, von daher falle es ihm schwer, sich zur Preisgestaltung zu äußern.
Nur soviel: „Ich sehe jetzt nicht, dass das Preise wären, die nicht realisierbar sind.“ Das Preisniveau sei derzeit so. Das sei auch in den Gemeinden in der Umgebung zu beobachten. Der Quadratmeter-Preis „fällt da nicht aus dem Raster“, sei gar nicht so ungewöhnlich und aus seiner Sicht „marktgerecht“.
Bedarf an Wohnraum in Bad Rappenau: Oberbürgermeister Frei äußert sich zu Neubau-Projekt
Es werde ja auch keiner gezwungen, dort eine Wohnung zu kaufen, sagt OB Frei. Und es gebe ja offenbar Nachfrage. Natürlich hätten sie auch in Bad Rappenau die Situation, dass zum Beispiel die Wohnungsmieten in der Kernstadt höher seien als in Teilorten.
Wenn die Stadt an Projekten beteiligt sei oder an der Grundstücksvergabe, könne man regulieren und achte darauf, dass am Ende auch bezahlbare Mieten verlangt würden. „Der Wohnraumbedarf ist da“, wiederholt Frei seine Aussage in Bezug auf das große Neubau-Projekt in der Waldstraße. Wenn neue Wohnungen entstehen, helfe das auch an anderer Stelle dadurch, dass wieder Kapazitäten freiwerden.
Bürgerinitiative blickt auf Bauvorhaben in Bad Rappenau – „das ist kein bezahlbarer Wohnraum“
Auch bei einer vor einigen Jahren gegründeten Bürgerinitiative, die sich für eine andere Bebauung des Kurgebiets stark machte, gibt es aktuell keine Einwände gegen das Projekt in der Waldstraße. Das teilt Michael Thomas mit, der diese Initiative damals mitbegründet hatte. Das Curata-Pflegeheim befinde sich streng genommen nicht im Kurgebiet, sondern grenze nur daran, sagt er. Und das Pflegeheim „vergammeln zu lassen“, sei ja auch keine Option gewesen.
Zu den Kaufpreisen für den Quadratmeter sagt er, dass das derzeit die Preisentwicklung sei, die er auch aus anderen Städten mitbekomme. Dass neue Wohnungen in größeren Objekten im Bad Rappenauer Kurgebiet für bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter verkauft werden, mahnte er vor Jahren aber an. „Das ist kein bezahlbarer Wohnraum und auch nicht für die Allgemeinheit“, wird er in einem Zeitungsartikel aus dem Juli 2020 zitiert.
Er habe damals eine besorgniserregende Entwicklung wahrgenommen: „Es war aufgefallen, dass sich junge Familien für leerstehende Häuser in unserem Wohngebiet interessiert hatten“, schildert Thomas. „Dann kamen die ganzen Bauträger, die man kennt, und haben Eigentümern angeboten, 100.000 Euro mehr zu zahlen.“
Kritik an Großprojekt in Bad Rappenau: „Junge Familien bleiben auf der Straße“
Bei Großprojekten sei eine solche Extra-Summe beim Kauf am Ende des Tages „ein Klacks“ für die Bauträger. „Die jungen Familien blieben dann auf der Straße, und zwar jedes Mal.“ Das sei sehr, sehr ungerecht gewesen – aber aus seiner Sicht ein Kapitel, das in Bezug auf das Kurgebiet der Vergangenheit angehöre.
Die Unterstützer der damaligen Bürgerinitiative hatten sich damals vor allem an Gebäudehöhen gestört. Anwohner sprachen von der Sorge, dass das Gebiet nach und nach seinen Charakter verliere. Man wollte sich wehren gegen eine in ihren Augen „planlose und unkontrollierte Überbauung“. Auch heute noch, sagt Michael Thomas, beobachte man „scharf“, was aus brachliegenden Flächen werde.
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