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Heilbronner Hausärztin findet neue Räume in Bonfeld – „Nerven lagen blank“

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Die 71-jährige Allgemeinmedizinerin Anna Friederike Hund aus Heilbronn-Biberach stand vor dem Aus. Nach monatelanger Ungewissheit gibt es nun eine Lösung. Zum zweiten Mal wandert nun ein Mediziner aus Heilbronn ab nach Bad Rappenau.


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Die Kündigung ihrer Praxisräume traf Anna Friederike Hund völlig unerwartet: Seit Monaten schwammen die Allgemeinmedizinerin und ihr Team aus Heilbronn-Biberach im Ungewissen. Unzählige schlaflose Nächte, Besichtigungstermine und viele Telefonate liegen hinter der 71-Jährigen. „Die Nerven lagen blank“.

Niemand in ihrem Praxisteam wusste, ob man sich schon nach einem neuen Job umsehen oder sich womöglich sogar arbeitslos melden müsse, schildert sie. All das musste neben dem laufenden Praxisbetrieb geklärt werden – und gleichzeitig eine neue Bleibe für die Praxis gefunden werden. Die gute Nachricht: Es geht weiter.

Umzug in den Landkreis: Biberacher Ärztin findet neue Räumlichkeiten

Eine Stadträtin aus Bad Rappenau sei auf die schwierige Situation aufmerksam geworden und habe den Kontakt zur Stadt vermittelt. Die wiederum half der Ärztin, neue Praxisräume zu finden. „Das war der erste große Lichtblick“, zeigt sich Hund erleichtert.

Anna Friederike Hund , Ärztin für Allgemeindemedizin in Heilbronn-Biberach, zieht um.
Anna Friederike Hund , Ärztin für Allgemeindemedizin in Heilbronn-Biberach, zieht um.  Foto: Könnecke, Lisa

Heißt konkret: Übergangsweise wird die Praxis nach Fürfeld umziehen – voraussichtlich ab Herbst kann sie dann im ehemaligen Bankgebäude der Raiffeisenbank in Bonfeld neu starten. Das Gebäude wird von der Stadt Bad Rappenau angemietet und anschließend an die Allgemeinmedizinerin untervermietet. „Die Etage, in die wir einziehen werden, muss komplett saniert werden“, erklärt Hund.

Stadt Bad Rappenau half mit: „Haben uns in der Verantwortung gesehen“

Für Bad Rappenaus Bürgermeister Sebastian Frei ist die Lösung eine Win-win-Situation: „Hätte die Biberacher Praxis schließen müssen, wären auch viele Bonfelder ohne hausärztliche Versorgung dagestanden“, sagt er. 

Viele Bonfelder seien bereits Patientinnen und Patienten von Dr. Hund. Die hausärztliche Versorgung sei ein zentrales Thema für die Stadt. „Wir wollten gemeinsam nach einer Lösung suchen und haben uns auch ein Stück weit in der Verantwortung gesehen. So hat sich am Ende alles gefügt.“

Darum wurde die Ärztin in Heilbronn-Biberach nicht fündig

Für Hund heißt das: von der Stadt in den Landkreis zu ziehen. Eine Bleibe in Biberach oder im übrigen Stadtkreis Heilbronn zu finden, sei nicht möglich gewesen – alles, was hätte infrage kommen können, sei an den baulichen Vorschriften gescheitert. „Das bedaure ich sehr.“

Selbst für eine Einrichtung der kritischen Infrastruktur mache die Gesundheitsbehörde keine Ausnahmen. „Die Vorschriften sind zahlreich und eng gefasst.“

„Finanzielle Einbußen stehen bevor“: Umzug nach Bonfeld wird nochmal ein Kraftakt 

Dass es weitergeht, erfüllt Hund dennoch mit Dankbarkeit. Auch der neue Standort sei passend – viele ihrer Patienten kommen aus Bonfeld, zum Teil auch aus Fürfeld. „Zum Glück haben wir durchgehalten“, sagt sie rückblickend auf die monatelange Ungewissheit. Zugleich weiß sie: Ganz überstanden ist die Odyssee noch nicht. Während des Umzugs wird die Praxis vorübergehend schließen müssen. „Finanzielle Einbußen stehen bevor.“

Eigentlich hätte die 71-Jährige gern ihren Ruhestand angetreten, wie sie sagt. Doch: „Mein soziales Gewissen hat es mir nicht erlaubt, aufzuhören.“ Es gebe immer mehr Patienten, aber gleichzeitig immer weniger Ärzte. „Ich fühle mich verantwortlich, weiterzumachen.“

Heilbronner Mediziner geht nach Bad Rappenau: Auch Kirchhausen ist sauer auf Stadt Heilbronn

Damit geht zum zweiten Mal in kurzer Zeit ein Arzt aus dem Heilbronner Stadtkreis ins benachbarte Bad Rappenau. Der Kirchhausener Mediziner Mark Glasauer wechselt mit seiner Praxis nach Bad Rappenau-Fürfeld, dem Heilbronner Stadtteil droht die Versorgungslücke. Das war kürzlich auch Thema im Bezirksbeirat, eine weitere Beratung dazu soll zeitnah kommen. Was das Gremium vor allem umtrieb: Die Stadt Bad Rappenau nimmt zwei Millionen Euro in die Hand, um den Wechsel zu ermöglichen.

Der Heilbronner Gemeinderat hat zwar kürzlich einen Fünf-Punkte-Plan verabschiedet, um dem Ärztemangel entgegenzutreten. Für Kirchhausen ist das zu wenig. Unter anderem sollen Neugründungen oder Übernahmen von Arztpraxen mit bis zu 30.000 Euro unterstützt werden, für die Suche nach geeigneten Praxisräumen stehen 60.000 Euro zur Verfügung.

Theo Rappold, Sprecher des Bezirksbeirats, setzte diese Finanzspritze für die Mediziner in Relation zu einem anderen Projekt. Er blickte auf die geplante Seilbahn zwischen dem Bahnhof in der Kernstadt und dem Innovationspark für Künstliche Intelligenz (Ipai), für die die Stadt Heilbronn mehrere Millionen Euro ausgeben will. „Das steht in keinem Verhältnis“, kritisierte er.

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