Für Seilbahn ist Geld da, für Hausärzte nicht? Deutliche Kritik aus Heilbronn-Kirchhausen
Kirchhausens Hausarzt wechselt nach Fürfeld, auch in Biberach geht ein Mediziner: Der Bezirksbeirat von Kirchhausen wirft der Heilbronner Stadtverwaltung vor, falsche Prioritäten zu setzen – zum Beispiel bei den Seilbahn-Plänen.
Der Frust ist groß in Kirchhausen. Der Hausarzt Mark Glasauer zieht mit seiner Praxis einen Ort weiter in den Bad Rappenauer Stadtteil Fürfeld, und eine Nachfolge für Kirchhausen ist nicht in Sicht. Was den Bezirksbeirat dabei sehr stark umtreibt: Die Stadt Bad Rappenau nimmt zwei Millionen Euro in die Hand, um den Wechsel zu ermöglichen.
Der Heilbronner Gemeinderat hat zwar kürzlich einen Fünf-Punkte-Plan verabschiedet, um dem Ärztemangel entgegenzutreten. Aus Sicht der Kirchhausener ist das zu wenig. Unter anderem sollen Neugründungen oder Übernahmen von Arztpraxen mit bis zu 30.000 Euro unterstützt werden, für die Suche nach geeigneten Praxisräumen stehen 60.000 Euro zur Verfügung.
Mehrere Millionen Euro für Seilbahn in Heilbronn – zu wenig für medizinische Versorgung?
Theo Rappold, Sprecher des Bezirksbeirats, setzt die Unterstützung für die Mediziner in Relation zu einem anderen Projekt. Er blickt auf die geplante Seilbahn zwischen dem Bahnhof in der Kernstadt und dem Innovationspark für Künstliche Intelligenz (Ipai), für die die Stadt Heilbronn mehrere Millionen Euro ausgegeben will. „Das steht in keinem Verhältnis“, sagt er.
Theo Rappold hält seine Kritik nicht zurück. Es entstehe bei vielen der Eindruck, sagt er, dass Heilbronn nur noch „abgehobene Dinge“ unterstütze. „Die Basics“, also grundlegende Punkte wie Vereine oder die medizinische Versorgung gingen aus dem Blick verloren. „Es passt einfach nicht mehr zusammen.“
Hausarzt aus Kirchhausen geht nach Fürfeld: Folgen für Heilbronner Stadtteil
Für Heilbronn ist es laut Theo Rappold der zweite Mediziner, der in Richtung Bad Rappenau geht. Auch aus Biberach wechsele eine Ärztin in die Kurstadt. Viele Fürfelder würden die neue Praxis nutzen. Unklar sind seiner Ansicht nach die Folgen für die Kirchhausener: Denn schon am jetzigen Standort seien die Praxis voll, sagt er.
Im Gespräch mit stimme.de sagte der Kirchhausener Hausarzt Glasauer kürzlich, dass er die Befürchtungen seiner Patienten kenne. Teilweise müsse er diese teilen, sagte er. Es fehlten Dutzende Hausärzte in der Region, da stünde Kirchhausen nicht auf Nummer eins bei den Medizinern, die Praxisräume suchen. Da weitere Patienten aus Fürfeld kommen dürften, erwartet er eine höhere Nachfrage in seiner Praxis – zumal seine neuen Räume besser zu erreichen seien als die bisherigen. Zugleich setzt er auf eine bessere Busverbindung zwischen Kirchhausen und Fürfeld, dann könnten Patienten besser versorgt werden.
Sprecher des Bezirksbeirats Kirchhausen: Situation bei medizinischer Versorgung ist ernst
Die Situation sei ernst, sagt Theo Rappold. Die medinische Versorgung sicherzustellen sei zwar nicht Aufgabe einer Stadtverwaltung, betont er, allerdings funktioniere es mit der Kassenärztlichen Vereinigung nicht. „Bad Rappenau nimmt Geld in die Hand“, so der Sprecher des Bezirksbeirats. Die Stadt Heilbronn tue zu wenig.
Mit dem Thema will sich der Bezirksbeirat in einer der nächsten Sitzungen beschäftigen.
„Wir bedauern, dass der bisherige Hausarzt nicht weiter in Kirchhausen praktiziert, leider waren alle Bemühungen der Stadtverwaltung, ihn zu halten, erfolglos“, so Rathaussprecherin Suse Bucher-Pinell. „Patienten, die eine Fahrmöglichkeit zur neuen Praxis suchen, können beispielsweise über die Hilver-App nach einer Fahrgelegenheit durch einen Freiwilligen suchen.“
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