Hausarzt verlässt Heilbronn-Kirchhausen: Bürger sorgen sich um medizinische Versorgung
Ein Hausarzt verlässt Kirchhausen und zieht nach Bad-Rappenau-Fürfeld. Eine Nachfolgelösung ist noch nicht in Sicht. Die Versorgungslücke treibt die Menschen im Heilbronner Stadtteil um.
Der Heilbronner Stadtteil Kirchhausen sucht einen neuen Hausarzt. Die Praxis von Dr. Mark Glasauer zieht einen Ort weiter und nimmt Anfang Juli im Bad Rappenauer Teilort Fürfeld die Arbeit auf. Der Wegzug treibt die Menschen in Kirchhausen um.
Patienten aus dem Stadtteil seien „künftig gezwungen, nach Fürfeld zu fahren, wenn sie eine ärztliche Versorgung benötigen“, schreibt eine Kirchhausenerin in einem offenen Brief, der unter anderem an Oberbürgermeister Harry Mergel ging und stimme.de vorliegt. „Die alten und kranken Bürger“ müssten sehen, wie sie dorthin kämen. Mit Bussen sei das nur schwer möglich. „Also ist ein Arztbesuch ohne Auto kaum zu bewältigen“, schreibt sie.
Kein Hausarzt: Kirchhausener wollen wissen, wie es weitergeht
Die Haltung der Kirchhausenerin ist klar: „Die medizinische Versorgung und Pflege gehören zu den Kernbereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge.“ Sie befürchtet, schwerer an Termine in Fürfeld zu bekommen – weil ja auch Patienten aus dem Bad Rappenauer Teilort hinzukämen.
Die Stadtverwaltung Heilbronn hat das Thema auf dem Schirm, äußert sich auf Anfrage allerdings nicht zum konkreten Fortschritt. Die Stadt Heilbronn bedauere den Wegzug der Praxis aus Kirchhausen und sei „sehr daran interessiert“, dass eine Nachfolge für den Praxisstandort gefunden wird, so Rathaussprecherin Claudia Küpper. „Leider zeichnet sich dafür keine einfache Lösung ab. Derzeit sind verschiedene Ideen in der Prüfung.“

Nächster Hausarzt für Kirchhausen: Stadtverwaltung Heilbronn prüft Ideen
Zu den Ideen geht die Stadtverwaltung nicht näher ein. Erst würde geprüft, Details würden nicht bekanntgegeben, so Claudia Küpper.
Theo Rappold, Sprecher des Bezirksbeirats von Kirchhausen, hat einerseits Verständnis, dass die Stadtverwaltung nicht alles kommuniziert. Weil sich die Menschen im Ort aber um die Zukunft der medizinischen Versorgung sorgten, wünscht sich Theo Rappold mehr Öffentlichkeitsarbeit seitens der Stadtverwaltung.
Der Bezirksbeirat hat selbst geschaut, einen neuen Mediziner zu finden. Potenzielle Kandidaten hätten signalisiert, dass sich mittlerweile das Bild des Arztes gewandelt habe. Nicht mehr allein würden sie kommen wollen, um alles selbst stemmen zu müssen. Zudem wünschen sie sich Zuverlässigkeit – auch bei Arbeitszeiten und Urlauben. Außerdem seien hohe Investitionen notwendig, eine Praxis zu übernehmen.
Genossenschaft übernimmt Praxis: Für Kirchhausener Bezirksbeirat eine Option
Theo Rappold überlegt deshalb, weg vom klassischen Hausarzt zu kommen – also jenem Modell, bei dem Mediziner auf sich allein gestellt sind. Denkbar sei für den Sprecher des Bezirksbeirats, dass sich mehrere Ärzte in einer Genossenschaft zusammentun und so nach Kirchhausen kommen. Da gebe es verschiedene Modelle.
In wenigen Wochen ist die Praxis in Kirchhausen Geschichte. „Die Zeit drängt“, sagt Theo Rappold. Eine Lösung zu finden sei „dringend und wichtig“. Dass sich bis Juli etwas tut, daran glaubt er eher nicht. „Das wäre wie sechs Richtige im Lotto.“
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