In Fürfeld entsteht ein neues Ärztehaus
Der Kirchhausener Internist Dr. Mark Glasauer zieht Ende 2024 mit seiner Praxis um, und zwar in den Bad Rappenauer Ortsteil nach Fürfeld. Dort entsteht ein neues Ärztehaus, die Stadt treibt das Projekt voran.

Es kommt Bewegung in die hausärztliche Versorgung auf dem Gebiet der Stadt Bad Rappenau. Im Ortsteil Fürfeld soll bis Ende 2024 ein neues Ärztehaus stehen. Der Kirchhausener Internist Dr. Mark Glasauer zieht mit seiner Praxis dorthin um.
Jahrelang habe er sich um eine Lösung in Heilbronn bemüht, sagt er. Vergebens. Das Sinsheimer Planungsbüro Urbane Projekte hat am Mittwoch den Bauantrag für ein Ärztehaus mit sieben zweistöckige Wohnungen im Obergeschoss eingereicht.

Der Bad Rappenauer Oberbürgermeister Sebastian Frei rechnet Mitte des Jahres mit dem Baustart. Das Gebäude wird an der Ortsdurchfahrt errichtet. Und dort wird es gut zu erreichen sein. In einer Tiefgarage und im hinteren Teil werden knapp 30 Parkplätze sowie ein Rettungsmittelhalteplatz untergebracht. Für Mark Glasauer ist die bessere Erreichbarkeit mit ein Grund, den Standort zu wechseln.
Zeitlan fürs Ärztehaus ist sportlich
"Sportlich" nennen Sebastian Frei und Mark Glasauer den Zeitplan, auch wenn es dem Internisten nicht schnell genug gehen kann. Er und seine Kolleginnen Ildico Fülöp und Kathrin Kullmann arbeiten in Kirchhausen unter recht beengten Bedingungen.
"Wir sind sehr froh", sagen Glasauer und Frei über die gemeinsame Vorgehensweise: "Die hausärztliche Versorgung auf dem Land ist geprägt von Nachwuchs- und Nachfolgeproblemen", so der OB. Mit dem Sinsheimer Büro Urbane Projekte habe man einen Partner gefunden, der bereit sei, das Projekt umzusetzen. Der OB macht den Hintergrund transparent: Die Stadt Bad Rappenau verkauft das Grundstück für 225 Euro pro Quadratmeter an die Bauherren aus Sinsheim und kauft nach Fertigstellung die Wohnung im Erdgeschoss zu einem Preis von zwei Millionen Euro zurück.
Diese wird an Mark Glasauer vermietet. Der praktiziert in Kirchhausen in einer zu kleinen Wohnung mit drei Parkplätzen vor dem Haus. "An manchen Tagen haben wir 280 Patientenkontakte." Für eine Landarztpraxis sei das viel. In Fürfeld werden ihm und seinen Kolleginnen 400 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die digitale Anbindung wird auf dem neuesten Stand sein. Der Landarzt geht davon aus, dass allein das das Arbeiten erleichtern wird.
Fürfeld und Kirchhausen sind Nachbarn
Auch wenn er sich auf den Neuanfang im fünf Kilometer entfernten Fürfeld freut: Leicht fällt es ihm nicht, aus Kirchhausen wegzugehen. Mit Unterstützung der Stadt Heilbronn wollte er am Ort bauen. "Das ist letztlich am finanziellen Rahmen gescheitert." Denn auch, wenn Mark Glasauer viel arbeitet: Einen Neubau, wie er nun in Fürfeld entsteht, könne er sich als Hausarzt nicht leisten, sagt er. Seinen bisherigen Patienten signalisiert er aber: "Sie können mitgehen. Auch wenn wir an einem anderen Ort praktizieren: Wir sind erreichbar."
Groß sei der Hausärztemangel in Bad Rappenau, sagt Oberbürgermeister Sebastian Frei, vor allem, seit mit Dr. Thomas jüngst ein weiterer Arzt altershalber aufgehört hat. Für kranke Menschen heißt das: "Die niedergelassenen Ärzte haben lange Wartezeiten."
Man sehe es daher als "Auftrag von der Bevölkerung an", als Stadt tätig zu werden. Ein Hinweis des langjährigen Bonfelder Stadtrats Bernd Hofmann hätten ihn und den gebürtigen Crailsheimer Glasauer zusammengebracht, so Frei. Der ist sich im Klaren darüber ist, dass dies nicht die letzte Suche sein wird: "Jeder sucht." Und die Kommunen müssten sich darauf einstellen, dass sie immer häufiger die Hand reichen müssen, sagt er.
Frei erhofft sich von der neuen Praxis in Fürfeld allerdings eine Entlastung für das gesamte Stadtgebiet. "Ich nehme niemandem Patienten weg", betont Mark Glasauer. Die Lage in Fürfeld nennt er "super".



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