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Kündigung nach Jahrzehnten: Ärztin in Heilbronn-Biberach sucht neue Praxisräume

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Nach der Kündigung ihrer Praxisräume muss die Biberacher Hausärztin Anna Friederike Hund umziehen. Doch wohin? 


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Die Zeiten für Anna Friederike Hund und ihr Team der Allgemeinarztpraxis in Heilbronn-Biberach sind schwierig. Im Dezember vergangenen Jahres erhielt sie die Kündigung für ihre Praxisräume – bis zum 30. Juni muss sie ausziehen. Der neue Eigentümer, ein Stuckateurbetrieb aus Heilbronn, wird das Gebäude übernehmen.

„So langsam ein Notstandsgebiet“ – Ärztin will für Biberacher weitermachen

Eigentlich könnte die 71-jährige Ärztin längst den Ruhestand genießen. Aber: „Man kann nicht einfach alles stehen und liegen lassen“, sagt sie. Ihr Antrieb sei nicht, dass sie nicht loslassen könne, sondern dass schlichtweg niemand da sei, um ihre Arbeit zu übernehmen.

Zwar praktiziert im Ort noch ein weiterer Arzt, doch auch er sei bereits ausgelastet. Hinzu komme, dass es in Kirchhausen bald keinen Hausarzt mehr gebe  – er wird nach Fürfeld umziehen. „Meinen älteren Patienten kann ich nicht zumuten, für einen Arztbesuch weite Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf sich zu nehmen“, betont sie. Zumal die Verbindungen gar nicht gegeben seien. „So langsam wird das hier ein Notstandsgebiet, deswegen mache ich weiter.“

Anna Friederike Hund , Ärztin für Allgemeindemedizin in Heilbronn-Biberach, muss bis Ende Juni raus aus dem Gebäude.
Anna Friederike Hund , Ärztin für Allgemeindemedizin in Heilbronn-Biberach, muss bis Ende Juni raus aus dem Gebäude.  Foto: Könnecke, Lisa

Arztpraxis in Heilbronn-Biberach: Warum viele Gebäude ungeeignet sind

Ein Umzug aber ist mit viel Aufwand, Stress und Kosten verbunden, weiß die 71-Jährige. Die größte Herausforderung: Wohin? Auch ihre medizinischen Fachangestellten brauchen Planungssicherheit.

Zwar stehen in Biberach einige Gebäude leer, doch viele seien in reinen Wohngebieten, hätten keine Parkplätze oder müssten aufwendig zur Praxis umgebaut werden.

Ärztin nach Kündigung in Biberach: „Einen Plan B habe ich nicht“

Ein Hoffnungsschimmer könnte sich in der Brunnenstraße auftun: Dort hat ein Fahrradgeschäft geschlossen. Die 71-Jährige ist bereits mit der Eigentümerin im Gespräch. Ende März soll es ein Treffen mit Vertretern der Stadt Heilbronn, dem Gesundheitsamt und dem Baurechtsamt geben, um die Räumlichkeiten zu begutachten.

Doch die Eigentümerin sei verunsichert, weil so viele Behörden involviert sind. Die Angst vor zu hohen Auflagen und damit verbundenen Kosten könnte das Vorhaben scheitern lassen. „Ich hoffe einfach auf das Beste“, sagt die Ärztin. „Einen Plan B habe ich nicht.“

Nachfolge für Arztpraxis in Biberach: Suche gestaltet sich schwierig 

Noch drei Jahre will sie weiterarbeiten, dann wäre sie 74. Bis dahin hofft sie, eine Nachfolge gefunden zu haben – doch das gestaltet sich schwierig. „Niemand will mehr so viel arbeiten“, sagt sie.

Viele junge Ärzte bevorzugten finanziell lukrative Nachtdienste, beispielsweise in einem Medizinischen Versorgungszentrum, wo sie keine 60-Stunden-Woche hätten wie in einer Einzelpraxis. Interessenten habe es zwar gegeben, doch alle seien letztlich abgesprungen. „Hausbesuche will keiner mehr machen.“

Seit fast vier Jahrzehnten arbeitet Anna Friederike Hund als Allgemeinärztin – und sie will weitermachen, „der ärztlichen Versorgung zuliebe“. Doch ob sie in Biberach bleiben kann, entscheidet sich wohl in den kommenden Wochen.




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