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Reaktionen auf Gerichtsverhandlung

Nach gescheiterter Klage: Was die Entscheidung des Verwaltungsgerichts zur Jagsttalbahn für Schöntal und Krautheim bedeutet

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Die Entwidmung der Jagsttalbahntrasse ist in Schöntal und Teilen von Krautheim beschlossene Sache. Wie es nun weitergeht und was die Bürgermeister der beiden Kommunen zum Ausgang der Verhandlung sagen.

Jagsttalbahngleise zwischen Berlichingen und Kloster Schöntal: Pläne, diese abzubauen, gibt es derzeit laut Gemeinde nicht.
Jagsttalbahngleise zwischen Berlichingen und Kloster Schöntal: Pläne, diese abzubauen, gibt es derzeit laut Gemeinde nicht.  Foto: Ludwig, Tamara

Die Klage gegen die Entwidmung der Jagsttalbahntrasse auf Gemarkung Schöntal und Teilen von Krautheim ist gescheitert. Was bedeutet das nun für die Kommunen? Können zuletzt für unmöglich gehaltene Projekte angepackt werden? Denn schon lange wollen die Stadt Krautheim und die Gemeinde Schöntal Flächen der ehemaligen Jagsttalbahntrasse anderweitig nutzen. Das ist bislang nur eingeschränkt bis gar nicht möglich, solange die Trasse eisenbahnrechtlich gewidmet ist. Da die Flächen somit ausschließlich dem Bahnbetrieb vorbehalten sind.

Nach Kompromiss mit der Jagsttalbahn AG kam Klage eines Einzelnen

Nachdem die Stadt Krautheim über diesen Umstand viele Jahre mit der Jagsttalbahn AG gestritten hatte, erzielte man 2024 endlich eine Lösung: Die Jagsttalbahn AG (Verein Jagsttalbahnfreunde und Gemeinde Dörzbach) stimmte zähneknirschend einer Entwidmung westlich des Krautheimer Bahnhofs in Richtung Schöntal zu. Im Gegenzug sollte die restliche Trasse gewidmet bleiben, um irgendwann mit einer Museumsbahn von Dörzbach bis zum Bahnhof in Krautheim fahren zu können.

Die Kommunen stellten die Anträge, die restlichen Flächen entsprechend zu entwidmen, und das Regierungspräsidium genehmigte das im vergangenen Sommer. Dagegen hatte eine Privatperson mit Grundbesitz in Jagsthausen dann Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart (VG) eingereicht. Diese wurde vom VG nun für unzulässig erklärt (wir berichteten). 

Krautheimer Busknotenpunkt soll endlich barrierefrei werden

„Das ist sehr gut und bringt endlich Klarheit für alle Beteiligten“, freut sich der Krautheimer Bürgermeister Andreas Insam über den Ausgang des Verfahrens. Rollen dann also schon bald die Bagger, um den dringend benötigten neuen Busbahnhof an der Götzstraße umzusetzen? Ganz so schnell gehe es nicht, erklärt Insam. Durch die Klage habe zuletzt die Rechtssicherheit gefehlt, weitere Schritte zu unternehmen. Jetzt aber könne sich „der Gemeinderat wieder mit dem geplanten Busknotenpunkt beschäftigen und wird bis zur Sommerpause hierüber entscheiden“.

Krautheim ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Busverkehr im Jagsttal. Der aktuelle Busbahnhof auf dem Bahnhofsareal ist jedoch nicht barrierefrei und muss entsprechend umgebaut werden. Außerdem soll er vom östlichen Bereich des Areals nach Westen an die Durchfahrtsstraße verlegt werden. Somit geht man einerseits der Bahntrasse aus dem Weg, die dort dem Kompromiss folgend erhalten bleiben soll. Andererseits hatte sich auch der NVH für den neuen Standort ausgesprochen. Sollte das Projekt endlich umgesetzt werden können, wäre das ein entscheidender Schritt für die Kommune, die innerstädtische Entwicklung im Tal voranzutreiben.

Schöntal will Gemeindeentwicklung vorantreiben

Auch der Schöntaler Bürgermeister Joachim Scholz zeigt sich zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens, wenngleich für die Gemeinde klar gewesen sei, dass die Klage nicht zulässig ist. „Nachdem die Gemeinde Schöntal im Verlauf der Bahntrasse gemeinsam mit Investoren die Gemeindeentwicklung vorantreiben will, begrüßen wir die Entscheidung des Verwaltungsgerichts aber natürlich.“ In Bieringen wolle man nun am dortigen Bahnhof „ein Neubauprojekt einer regionalen Bank unterstützen“ wie auch in Marlach „weitere Investitionsvorhaben eines Unternehmers auf dem entwidmeten Bahnareal“.

Was passiert mit den Schienen

Und was geschieht nun mit der noch immer in Teilen vorhandenen Schieneninfrastruktur, beispielsweise bei Gommersdorf oder Kloster Schöntal? Andreas Insam erklärt, dass der Gemeinderat sich damit bislang nicht beschäftigt habe. „Der Abbau von Schienen ist nicht geplant“, sagt hingegen Joachim Scholz. „Im Einzelfall muss bei der Realisierung von Projekten mit dem Landesamt für Denkmalpflege oder mit der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt geklärt werden, ob Schienenteile entfernt werden müssen oder entfernt werden können.“

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