Warum sich am Krautheimer Bahnhof noch nichts verändert hat
Das Krautheimer Bahnhofsareal liegt brach - seit dem Ende der Jagsttalbahn im Jahr 1988. Vor 17 Jahren hat die Stadt Pläne zur Neugestaltung des Areals eingeleitet. Bis heute ist kaum etwas passiert. Woran liegt das?

Seit dem Ende der Jagsttalbahn 1988 liegt das Krautheimer Bahnhofsareal im Tal weitgehend brach, dient als ungeordnete Parkfläche sowie als Busbahnhof. Im Jahr 2002 leitet die Stadt Pläne in die Wege, um das Gelände neu zu gestalten. 17 Jahre später hat sich wenig bis nichts getan. Dabei betont Bürgermeister Andreas Köhler: "Wir benötigen diese Fläche für eine gute städtebauliche Entwicklung."
2017 hat Krautheim mehr als zwei Millionen Euro für die Maßnahme im Haushalt eingestellt. Rund 116 Parkplätze, ein Toilettenhäuschen und die Verlegung des Busbahnhofs an die Götzstraße sind vorgesehen - und Zuschüsse bewilligt. Und wieder tut sich: nichts. Der Grund: "Wir haben keine Planungshoheit auf dem Gelände", erklärt Köhler.
Das liegt daran, dass die Trasse der Jagsttalbahn nach wie vor eisenbahnrechtlich gewidmet ist. Rechtlich gesehen existiert hier also die Jagsttalbahn noch. Damit ist nicht die Stadt zuständig, auf deren Grund das Areal liegt, sondern eine sogenannte Eisenbahninfrastrukturgesellschaft. In diesem Fall ist das die Jagsttalbahn AG, zu deren Eignern die Gemeinde Dörzbach sowie der Verein Jagsttalbahnfreunde zählen. "Wir brauchen die Zustimmung der Jagsttalbahn AG, damit wir unsere Pläne umsetzen können", sagt Köhler. Doch die AG, die die stillgelegte Strecke gerne reaktivieren möchte, habe das, trotz mehrfacher Gespräche und Verhandlungen, bisher verweigert.
Worüber eigentlich gestritten wird

Bei der Jagsttalbahn AG zeigt man sich auf Nachfrage erstaunt. Habe man doch erst Anfang Februar ein Schreiben an die Stadt Krautheim geschickt, in dem es heißt: "Wir wissen um die Wichtigkeit der Projekte Stadtsanierung Tal sowie der Neugestaltung des Busknotenpunkts für die Stadt Krautheim und haben deshalb immer wieder betont und zugesagt, dass wir diesem Vorhaben nicht im Wege stehen werden." Bleibt die Frage nach dem eigentlichen Streitpunkt.
Beide Seiten beteuern, dass die Trasse auf jeden Fall erhalten bleiben müsse. Doch wolle die Jagsttalbahn AG - anders als die Stadt - eine vier Meter breite Trasse, auf der die Bahn durch das Bahnhofsgelände geführt werden könne. Das sei auch so von Denkmalamt und Verkehrsministerium gefordert. Auf alle anderen Gleise auf dem Gelände werde die AG verzichten. "Wir sehen auch kein Problem darin, wenn temporär diese freizuhaltende Trasse anderweitig genutzt werden soll", heißt es im Schreiben der Jagsttalbahn AG weiter.
An der Widmung scheiden sich die Geister
"Wir sind uns im Grunde einig", ist Willi Schmitt, Sprecher der Jagsttalbahn-AG, überzeugt. Der Knackpunkt sei seiner Meinung nach die Widmung. Denn die wolle die Jagsttalbahn AG auf keinen Fall aufgeben. Für die Stadt Krautheim wäre hingegen genau das die bequemste Lösung - zumindest aber eine teilweise Entwidmung. So würde sie die Planungshoheit gewinnen und könnte das Gelände nach Belieben gestalten. "Doch die Widmung ist der Schutz der Trasse", erklärt Willi Schmitt. Die Trasse nach einer Entwidmung erneut zu widmen, sei problematisch und rücke eine Reaktivierung der Strecke in diesem Bereich in weite Ferne.
Dass dies in naher Zukunft eintritt, hält Andreas Köhler ohnehin für unwahrscheinlich: "Die Betriebs- und Herstellungskosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen." So koste allein der laufende Kilometer Trasse, ohne Bahnübergänge zu berücksichtigen, rund 500.000 Euro - einer der Gründe, warum die Stadt Krautheim 2006 gegen eine Wiederbelebung der Bahn gestimmt hat. Das heiße aber nicht, dass man die Jagsttalbahn für alle Zeiten begraben wolle, betont Köhler.
Aber wie geht es dann weiter? "Wir müssen im Gemeinderat noch mal diskutieren", sagt Köhler. Dabei schließt die Stadt auch Rechtsschritte nicht aus und hat dafür vorsorglich 30.000 Euro im Haushalt 2019 eingeplant.
Schmalspurbahn
Die Schmalspurbahn führte von Widdern über Jagsthausen, Schöntal, Krautheim bis Dörzbach. Die Jagsttalbahn AG plant deren Reaktivierung in kleinen Schritten. Die Jagsttalbahnfreunde sanieren derzeit die Gleisanlage im Bahnhof Dörzbach. Danach strebt der Verein die Vorbereitung der Strecke bis Klepsau an. Erst dann geht es weiter Richtung Krautheim. Zugute kommen könnte ihnen der Vorstoß von Verkehrsminister Hermann, der laut über die Wiederbelebung stillgelegter Strecken nachdenkt.
Es muss ein Miteinander werden
Ein Kommentar von Tamara Ludwig
Spricht man mit Vertretern der Stadt Krautheim und der Jagsttalbahn AG, beschleicht einen das Gefühl, dass hier kräftig aneinander vorbei geredet wird. Oder man hört sich schlicht nicht zu.
Von außen ist jedenfalls kaum nachvollziehbar, warum beim Thema Bahnhofsareal nicht längst eine Lösung gefunden wurde, wo sich doch im Grunde alle einig zu sein scheinen: Die Jagsttalbahntrasse soll erhalten bleiben. Kollektives Kopfnicken. Die Stadt soll ihr Bahnhofsareal entwickeln können. Kollektives Kopfnicken. Gut, es müssen denkmalschutz-, verkehrs- und planungsrechtliche Dinge berücksichtigt werden. Darauf haben beide Parteien aber nur wenig Einfluss.
Eisenbahnrecht lässt wenig Spiel
Dass die Jagsttalbahn AG eine Entwidmung der Strecke ablehnt, ist verständlich. Sie würde damit ihre Daseinsberechtigung in Frage stellen. Schließlich ist ihr Kernanliegen der Erhalt der Trasse und die mögliche Wiederbelebung der einstigen Schmalspurbahn. Dass das Eisenbahnrecht keine halben Sachen zulässt - etwa eine Art Entwidmung light, damit das Areal den Plänen nach bebaut werden kann und danach ist dennoch alles gewidmet - dafür kann auch die AG nichts.
Es ist an der Zeit, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, Gespräche miteinander, mit den Planern und den Behörden zu führen. Denn eines ist klar: Auf dem Bahnhofsareal, der zentralen städtischen Fläche im Tal, muss sich etwas tun. Kollektives Kopfnicken.
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