Über die Jagsttalbahn wird am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart verhandelt
Kläger will verhindern, dass die historische Trasse von Krautheim Richtung Schöntal entwidmet werden darf. Das sind die Hintergründe.

Das nächste Kapitel im Streit um die Jagsttalbahn beginnt wird am Mittwoch, 15. April, in Stuttgart aufgeschlagen. Eine Privatperson hat gegen die Entwidmung der Bahntrasse in Krautheim und Schöntal geklagt (wir berichteten). Um 14 Uhr findet dazu am Verwaltungsgericht eine mündliche Verhandlung statt.
Konflikt um die Jagsttalbahntrasse dauert schon lange an
Aber worum geht es eigentlich? Dazu muss man in die Vorgeschichte blicken: Die Jagsttalbahn war eine 39,1 Kilometer lange, eingleisige Schmalspurbahn zwischen Möckmühl und Dörzbach. Ihr Betrieb wurde 1988 eingestellt. Danach gab es mehrfach Bestrebungen, die Bahn wiederzubeleben – ohne Erfolg. Entstanden ist dabei die Jagsttalbahn AG. Sie ist ein sogenanntes Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen und darf somit rechtlich gesehen eine Eisenbahn betreiben. Ebenfalls entstanden ist der Verein Jagsttalbahnfreunde, der zu 49 Prozent an der AG beteiligt ist (51 Prozent hält die Gemeinde Dörzbach) und einen Museumsbahnbetrieb umsetzen will. Die Jungfernfahrt dieses Projekts auf den ersten Metern fand im November 2021 statt.
Kommunen wollen die Trasse der Jagsttalbahn anderweitig nutzen
Schon lange aber wollen die Stadt Krautheim und die Gemeinde Schöntal Flächen der ehemaligen Bahntrasse anderweitig nutzen. Das ist nur eingeschränkt bis gar nicht möglich, solange die Trasse eisenbahnrechtlich gewidmet ist. Denn das bedeutet, dass die Flächen ausschließlich dem Bahnbetrieb vorbehalten sind. Nachdem die Stadt Krautheim darüber viele Jahre mit der Jagsttalbahn AG stritt, erzielte man nach rechtlichen Schritten und einer Vermittlung durch das Verkehrsministerium 2024 endlich eine Einigung: Die Jagsttalbahn AG stimmte zähneknirschend einer Entwidmung westlich des Krautheimer Bahnhofs in Richtung Schöntal zu. Im Gegenzug solle die restliche Trasse gewidmet bleiben, um irgendwann mit einer Museumsbahn bis zum Bahnhof in Krautheim zu fahren.
Es sah alles danach aus, als könnte Krautheim sein Bahnhofsareal städtebaulich entwickeln und vor allem den dringend benötigten, barrierefreien Busbahnhof bauen. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat dann im Juli eigenen Angaben zufolge die Freistellung der Trasse für Schöntal und Krautheim genehmigt.
Nach der Einigung kamen Klage und Petition gegen die Entwidmung der Trasse
Kurze Zeit später ging jedoch eine Klage gegen diese Freistellung beim Verwaltungsgericht ein. Zusätzlich hatten drei Antragssteller beim Landtag eine Petition eingereicht, die das Entwidmungsverfahren ebenfalls stoppen sollte. Der Landtag folgte jedoch der Empfehlung des Petitionsausschusses und stimmte im Oktober gegen das Anliegen der Petition. Begründet wird das unter anderem so: Man gehe nicht davon aus, dass die Bahn aktuell oder mittelfristig für den Nahverkehr wieder gebraucht wird. „Auch langfristig ist eine Nutzung im Rahmen der Zweckbestimmung nicht mehr zu erwarten“, heißt es. Und abschließend: „Die Jagsttalbahn zählt nicht zu den insgesamt über 30 stillgelegten Strecken (-abschnitten) in Baden-Württemberg, bei denen das Ministerium für Verkehr ein Reaktivierungspotenzial sieht.“
Letztes Kapitel könnte nun vor dem Verwaltungsgericht geschrieben werden
Nun ist das Verwaltungsgericht an der Reihe. Sollte die Klage abgewiesen werden und keine höhere Instanz zum Zuge kommen, dann könnte dies – 125 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme – das letzte Kapitel der Jagsttalbahn von Krautheim flussabwärts sein.
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