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Rückblick 2025: So wehrten sich Bürger gegen Großprojekte im Hohenlohekreis

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In Hohenlohe gab es im Jahr 2025 Widerstand gegen ein Asphaltwerk, einen Solarpark, eine Kläranlage und den Autobahnausbau. Eine Analyse zeigt, wo Bürgerinitiativen erfolgreich waren – und wo ihre Proteste ins Leere liefen.


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Proteste, Plakataktionen, Bürgerinitiativen: Hohenloher Bürger wehren sich immer wieder gegen geplante Großprojekte, die sie als Bedrohung für Umwelt und Lebensqualität sehen. Ein Blick zurück und nach vorn auf drei Beispiele aus jüngerer Zeit und einen Dauerbrenner.

Erfolg für Gegner der Asphalt-Anlage in Kupferzell-Rüblingen

Einen Sieg verzeichneten die Gegner von „Novorock“ in diesem Jahr: Der Straßenbaukonzern Strabag plante mit Steinbruchbetreiber Kleinknecht in Kupferzell-Rüblingen eine Anlage zur Verwertung von altem Asphalt. Material abgerissener Straßen sollte hier erhitzt werden, so dass die teerhaltigen Bestandteile verdampfen und die Steine übrig bleiben. Die Steine sollten wiederverwertet und das entstandene Gas verbrannt werden, um Strom und Wärme zu gewinnen.

Die Bürgerinitiative gegen die Asphaltverwertungsanlage in Rüblingen hat öffentlich ordentlich Druck gemacht. Der Widerstand hat sich gelohnt.
Die Bürgerinitiative gegen die Asphaltverwertungsanlage in Rüblingen hat öffentlich ordentlich Druck gemacht. Der Widerstand hat sich gelohnt.  Foto: Götz Greiner

Während die Kupferzeller vor allem viel Verkehr durch den Hauptort befürchteten, machten sich die Anwohner in Rüblingen und Döttingen sorgen um Lärm und Abgase. Auch die Ratsgremien beider Orte zeigten sich skeptisch. Kleinknecht erklärte das Projekt im März für beendet, nachdem ein Stimmungswechsel nicht abzusehen war.

Teilerfolg: So erreichten Kritiker der Freiflächen-PV bei Schöntal eine Flächenreduktion 

Seit diesem Sommer erst regt sich gegen eine Freiflächen-Photovoltaikanlage in Schöntal-Rossach Widerstand. Die Gegner senden Ende August eine Liste mit 36 Unterschriften gegen die Anlage an die Gemeinde – und zahlreiche Stellungnahmen von der Rossachern. Zu nah sei der Solarpark am Dorf, zu nah am historischen Friedhof, Immobilienwertminderung wird befürchtet, Verschlechterung von Ausblick, Erholungsmöglichkeiten und Besinnlichkeit von Pilgerwegen. Auch Gesundheitseinschränkung durch elektromagnetische Strahlung und Lärmbelästigung werden vorgebracht. Einer der Wortführer hat eine Anwaltskanzlei beauftragt. Allerdings: Das Verfahren im Gemeinderat ist weit fortgeschritten.

Im Januar 2024 war der Solarpark erstmals Thema in einer Sitzung. Im Juni 2025 beschließen die Räte die Satzung für den Bebauungsplan – nur noch der Flächennutzungsplan (FNP) muss geändert werden. Die Bürger beklagen, nicht informiert worden zu sein. Gemeinde und Projekt-Planer sprechen von Informationsveranstaltungen, persönlichen Gesprächen und vor allem einem regulären Verwaltungsprozess mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Eine Teilerfolg können die Kritiker aber verbuchen: Der Gemeinderat fasste im November zwar den Beschluss zur Änderung des FNP – die EnBW als Planerin gestand den Gegnern aber zu, einen Teil der Fläche nicht zu bebauen. Ob damit die Proteste enden, bleibt abzuwarten.

Misserfolg: So lief der Widerstand gegen die Großkläranlage ins Leere

Die Stimmung in Teilen von Künzelsau und Ingelfingen ist 2025 denkbar schlecht. Eine Bürgerinitiative (BI) hatte sich zum Ziel gesetzt, den geplanten Standort für eine gemeinsame Kläranlage von Künzelsau, Ingelfingen, Kupferzell und Waldenburg in der Kocheraue bei Nagelsberg zu verhindern. Dabei lag der Fokus vor allem darauf, die Entscheidungsträger dazu zu bewegen, andere mögliche Standorte zu prüfen – außerhalb des Hochwassergebiets am Kocher. Das ist nach Ansicht der BI nicht hinreichend geschehen.

Allem Widerstand zum Trotz, entschieden sich die Ratsgremien für den Standort in der Kocheraue, der laut den beauftragten Planungsbüros der wirtschaftlichste ist. Ob die BI damit ihre Arbeit einstellt? Zuletzt klang es von Seiten der Mitwirkenden eher danach, dass man das Projekt weiter kritisch begleite und versuche, auf die Ausgestaltung der Einfluss zu nehmen.

Erfolglos? Warum die Chancen sehr gering sind, dass die A6 nur saniert und nicht ausgebaut wird

Am A6-Ausbau durch Hohenlohe führt kein Weg vorbei: Das ist die Position der Autobahn GmbH, die ihn plant und ausführt. Der A6-Ausbau durch Hohenlohe muss gestoppt werden: Das fordert ein Aktionsbündnis, das seit Frühjahr für eine reine Sanierung der 65-Kilometer-Strecke kämpft, deren Ausbau seit 23 Jahren geplant wird. Die Gegner haben nachgeforscht und präsentieren ihre Fakten, der Bund kontert und widerlegt deren Argumente.

Die Chancen sind sehr gering, dass die Kritiker siegen: Der erste Abschnitt zwischen Bretzfeld und Neuenstein soll in einem Jahr genehmigt sein.  

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