Nervös, souverän, offen: So präsentierten sich die Öhringer OB-Kandidaten beim Wahlforum
Beim Wahlforum in der Öhringer Kultura zeigen die drei Oberbürgermeister-Kandidaten, aus welchem Holze sie geschnitzt sind. Wie schnitten Patrick Wegener, Peter Lohnert und Thilo Michler ab?
Die Blue Man Group tritt auf! Zumindest könnte man das meinen, nach einem kurzen Blick auf die Bühne der Öhringer Kultura am Mittwoch: Drei Männer in blauen Anzügen auf einer blau ausgeleuchteten Bühne vor einem großen Publikum, das gerne applaudiert, sich über einiges auf der Bühne wundert und manchmal sogar jubelt.
HZ-Redaktionsleiter Ralf Reichert und seine Stellvertreterin Yvonne Tscherwitschke lassen sich nicht nur Antworten auf harte Fakten geben. Sie offenbaren damit dem Publikum auch, wie die drei Oberbürgermeister-Kandidaten als Menschen sind.
OB-Kandidaten beim Öhringer Wahlforum: So präsentierte sich Amtsinhaber Michler
So trifft eine eingesandte Leser-Frage den amtierenden OB Thilo Michler offenbar unerwartet: Er hat einmal gesagt, dass Bürgermeister-Sein in Kommunen der Größe wie im Hohenlohekreis ein Halbtagsjob sei. „Sehen Sie das immer noch so? Oder mussten Sie sich zwischenzeitlich bei Ihren Kollegen entschuldigen?“, fragt Tscherwitschke.
Michler antwortet gut zwei Minuten lang zu der Aussage „von vor 16 Jahren“. Er beginnt mehrere Stränge. Von „damals bin ich visionär gewesen“, über er habe nach seiner ersten Stelle „neue Herausforderungen“ gesucht, hin zu „die Kommunen können die „geforderten Aufgaben“ nicht stemmen, bis zum letztlich Visionären: „Von vier Verwaltungsebenen im Land sind nur drei nötig – wir werden Veränderungen brauchen“.
Michler redet bei einigen Themen eher unstrukturiert, bei anderen kann er schnell und schlüssig antworten. Er zeigt sich als Familienmensch – zum Beispiel habe er seine erneute Kandidatur mit dem „Familienrat“ beschlossen. Und er betont seine Kontinuität: Seine Vorstellungsrede hält er über ein Bündel Äste, das er bei seinem ersten Auftritt als Bürgermeister vor 25 Jahren bekommen habe.
OB-Kandidaten beim Öhringer Wahlforum: Wegener zeigt sich diplomatisch
OB-Kandidat Patrick Wegener leistet sich in der Öhringer Kultura kaum Fehler. Nur einmal muss Moderator Ralf Reichert ihn forsch unterbrechen: Er hatte den Kandidaten gefragt, was der größte Fehler bei der Gewerbeansiedlung in den vergangenen 16 Jahren war. „Ich glaube, es ist wichtig, dass man nach vorne schaut“, sagt Wegener diplomatisch. „Nein, das wollen wir jetzt nicht, wir wollen nach hinten schauen“, fordert Reichert das Gewünschte ein.
Wegener antwortet also doch: „Ich würde das nicht an einer Person fest machen. So eine Geschichte hat immer zwei Seiten.“ Auch auf die Frage, ob er die Parteipolitik außen vor lassen könne, antwortet der SPDler geschickt. Er arbeite in der Kommunalpolitik mit vielen Menschen anderer Parteien zusammen, das sei die Stärke des Lokalen. „Deswegen fühle ich mich in Stuttgart, Brüssel und Berlin vielleicht gar nicht so wohl“, auch wenn er in Brüssel arbeitet und für den Landtag kandidiert hat.
Zur Vorstellung bringt er einen Meterstab mit. „Der gibt Orientierung und zeigt, welche Zwischenziele man hat“. Er wolle strukturiert vorgehen – und so spricht er auch an diesem Abend.
Öhringens OB-Kandidaten im Check: Lohnert mit Fokus auf Nachhaltigkeit
Peter Lohnert ist der sichtlich nervöseste Kandidat beim Wahlforum in Öhringen. Seine Vorstellungsrede ist die einzige, die Reichert unterbrechen muss, weil sie sonst länger als die eine Minute gedauert hätte. Lohnert hat den Bambus-Trinkhalm seiner verstorbenen Mutter dabei. Der symbolisiere das Umdenken: „Früher waren Röhrle aus Plastik.“ Dieses aus Bambus verwende er heute noch.
Dass Lohnert sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt, das zeigt er, indem er bei diesen Themen schlüssig antwortet. So will er den Radfahrern in der Innenstadt Vorrang vor Autos geben. Im letzten Themenblock hat er die prägnanteste Antwort. Mit welchem Trinkspruch er 2026 das Weindorf eröffnen würde? Mit „Auf unser Öhringen!“
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare