Sauna-Brände wie in Öhringen verhindern? "Mitarbeiter auf Auffälligkeiten aufmerksam machen"
Bei dem Feuer am Dienstag im Öhringer Rendelbad entstand Polizeiangaben zufolge rund 1,5 Millionen Euro Schaden. Warum kommt es immer wieder zu Sauna-Bränden?

Eine hölzerne Kopfstütze soll das Feuer ausgelöst haben: So viel steht seit Mittwoch zur Brandursache im Öhringer Hallenbad fest. Dort war am Dienstagmittag der Saunabereich fast vollständig ausgebrannt. Drei Saunen und der Ruhebereich sind laut Bürgermeister Thilo Michler zerstört.
Die Kopfstütze soll bei der Reinigung auf den Ofen der Panorama-Sauna gelegt und dort vergessen worden sein. Als die Sauna angeheizt wurde, soll das Holzteil in Brand geraten sein. Allerdings sei das nur die erste Vermutung, teilt die Polizei mit. Die Ermittlungen seien noch im Gange.
Auch zur Schadenshöhe gibt es nun eine erste offizielle Schätzung: Die Polizei geht auf Nachfrage am Mittwoch von einem Schaden von 1,5 Millionen Euro aus. Die Stadt bestätigte diese Summe auf Nachfrage nicht.
Brand in Rendelbad-Sauna in Öhringen: Dutzende Einsatzkräfte vor Ort
Für die Feuerwehr war der Brand, der gegen 11 Uhr am späten Dienstagvormittag im Rendelbad ausgebrochen war, ein Großeinsatz: Rund 100 Gäste befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Bad. Alle schafften es unverletzt und aus eigener Kraft aus dem Gebäude. Ein Mitarbeiter wurde durch das Einatmen von Rauchgas leicht verletzt.
80 Feuerwehrleute, ein Dutzend Polizisten, zwei Notärzte und 20 Mann des Sanitätsdienstes waren im Einsatz. Neben der Öhringer Feuerwehr rückten auch die Brandbekämpfer aus Künzelsau und Bretzfeld mit insgesamt 15 Fahrzeugen an.
Risiko Sauna: Auch im Freizeitbad Miramar kam es zu einem Brand
Immer wieder kommt es bei Betrieb und Nutzung von Saunen in öffentlichen Einrichtungen oder Privathäusern zu Bränden. Am selben Abend noch geriet im Keller eines Einfamilienhauses in Malsch im Rhein-Neckar-Kreis aus bislang unbekannten Gründen eine Sauna in Brand. Auch im Weinheimer Freizeitbad Miramar kam es 2019 zu einem Sauna-Brand. Dabei wurde eine Person verletzt und es entstand Schaden von 50.000 Euro. Zunächst wurde ein Defekt des Ofens als Grund angenommen. Tatsächlich war die Ursache jedoch ein Handtuch, das in Nähe des Ofens abgelegt war und Feuer gefangen hatte.

"In solchen Fällen kann man Vorsorge treffen, wie man will. Wenn jemand ein Handtuch auf dem Ofen ablegt, es Feuer fängt und das zu spät bemerkt wird, ist man machtlos", erklärt der Pressesprecher des Freizeitbads, Hardy Prothmann.
Um die Sicherheit zu gewährleisten, tue die Betriebsleitung des Miramar alles in ihrer Macht Stehende. "Unsere neun Saunen werden regelmäßig durch externe Fachfirmen technisch überprüft", erklärt Prothmann. Außerdem werde stets nach der Holzverkleidung der Öfen geschaut und diese – falls notwendig – ausgetauscht. "Das Holz wird beobachtet, denn es verändert mit der Zeit seinen Zustand und damit auch seinen Flammpunkt: Es ist also schneller entzündlich", so der Pressesprecher. Mit Wärmebildkameras schauten Techniker regelmäßig nach auffälligen Hitzeecken – also Bereichen, die möglicherweise zu heiß werden könnten.
Techniker checken regelmäßig die Saunen in öffentlichen Bädern
Zusätzlich stelle man den Saunabetrieb durch die Einhaltung der gesetzlichen Brandschutzverordnung sowie über regelmäßige Kontrollen durch fachkundiges Personal sicher. "Trotzdem: Auch die Gäste stehen im Sinne ihrer eigenen Sicherheit in der Pflicht, unsere Mitarbeiter auf Auffälligkeiten aufmerksam zu machen." Infotafeln wiesen darauf hin, so der Sprecher.
Bevor am Morgen die sieben Saunen angeschaltet werden, prüft das Frühschicht-Personal vom Bad Rappenauer Schwimmbad Rappsodie die Öfen – und checkt, ob beispielsweise etwas auf den Steinen liegt oder Reste vom letzten Aufguss übrig sind. "Die Kontrollen durch die Mitarbeiter sind das A und O – vor, während und nach der Nutzung", so Betriebsleiter Timo Künzel. "Die Mitarbeiter machen regelmäßig Rundgänge, bei denen sie in die Saunen schauen, ob möglicherweise ein Handtuch am Ofen abgelegt wurde, um es zu trocknen."
Solch gefährliches Verhalten komme durchaus vor. 2008 sei das auch Ursache für den Ausbruch eines Brandes in einer der freistehenden Saunen gewesen. Glücklicherweise habe man das Feuer damals rechtzeitig bemerkt und schnell löschen können.
Neben den Rundgängen, so Künzel, überprüften im Rappsodie auch mehrere Techniker die Bereiche: "Sie arbeiten täglich eine Checkliste ab." In zweiwöchigem Turnus wechsele man die Brennstäbe und lege neue Steine auf die Öfen.
Stimme.de
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