Jetzt muss die Westfrankenbahn liefern

Region  Zugausfälle und Verspätungen nahmen zuletzt massiv überhand: auf der Hohenlohebahn, der Tauberbahn und der Madonnenlandbahn. Das Land und die Kreise verlangen nun eine rasche Besserung.

Von Ralf Reichert

Westfrankenbahn

Die Züge der Westfrankenbahn fahren auch auf der Strecke Hessental-Heilbronn. Zuletzt waren auf der Hohenlohebahn etliche Züge ausgefallen oder verspätet, Pendler saßen etwa in Öhringen fest.

Foto: privat

Das Land hat bei der Westfrankenbahn die Notbremse gezogen. Grund sind Zugausfälle und Verspätungen, die sich seit Ende vergangenen Jahres massiv gehäuft haben: auf der Hohenlohebahn, die Heilbronn mit Crailsheim verbindet, genauso wie auf der Tauberbahn zwischen Crailsheim und Wertheim und der Madonnenlandbahn von Seckach nach Miltenberg. Das Unternehmen der Deutschen Bahn (DB Regio Netz) betreibt die Strecken, die Teil des Netzes Hohenlohe-Franken-Untermain sind. Dazu zählen auch Abschnitte der Frankenbahn und der Maintalbahn.

Das Problem: Fehlende Lokführer und technische Mängel

Fehlende Lokführer und technische Mängel an den Zügen sind die Ursachen der Malaise. Bei einem Runden Tisch in Rot am See wurde am Dienstag ein Paket mit sieben Maßnahmen vereinbart, um die Probleme zu beheben. Diese hätten "in keiner Weise den berechtigen und gewohnten Erwartungen der Fahrgäste entsprochen", teilt das Verkehrsministerium mit.

Landräte üben deutliche Kritik

Bei dem Krisengespräch waren auch die Kreise Hohenlohe, Main-Tauber, Schwäbisch Hall und Neckar-Odenwald dabei. Die Landräte Dr. Matthias Neth, Gerhard Bauer und Dr. Achim Brötel kritisieren die "unzureichende" Informationspolitik: "Wir erwarten, dass die Westfrankenbahn endlich ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommt und uns nicht weiter mit wortreichen Ausreden hinhält. Wichtig ist, dass die vereinbarten Maßnahmen zum Wohle der Fahrgäste nun schnell und verlässlich greifen."

Ministerium: Erste Verbesserungen spürbar

Was hat dazu geführt, dass zuletzt viele Züge zu spät kamen oder ganz ausfielen? "Fahrzeug- und Infrastrukturstörungen", so das Ministerium, vor allem aber "personal- und witterungsbedingte Einschränkungen". Sie seien in den vergangenen Monaten "überdurchschnittlich häufig" aufgetreten.

Die Geschäftsleitung der Westfrankenbahn habe versichert, "mit aller Kraft die bereits begonnene Qualitätsoffensive umzusetzen", so das Ministerium. Seit Dezember 2018 würden modernere Fahrzeuge eingesetzt, erste Verbesserungen seien spürbar. Gleichzeitig stünde zusätzliches Personal zur Verfügung. Die Geschäftsleitung wolle die Lage bis Ostern stabilisiert haben.

Die Zugausfälle und Verspätungen sind vor allem deshalb so heikel, weil das Land der Westfrankenbahn im Januar 2017 den Zuschlag erteilt hatte, den Regionalverkehr im Netz Hohenlohe-Franken-Untermain weiter zu betreiben. Der neue Vertrag gilt von Dezember 2019 bis Dezember 2031 und enthält mehr Verbindungen, eine bessere Taktung und ausschließlich Züge, die flott beschleunigen und modern ausgestattet sind. Eine wesentliche Neuerung ist etwa der lang ersehnte Stundentakt zwischen Hessental, Öhringen und Heilbronn.

Das sagt der Bahnsprecher

Wie das Haller Tagblatt berichtet, seien auf der Hohenlohebahn zuletzt zehn Verbindungen pro Woche offiziell storniert worden: unter anderem die Regionalbahn um 17.21 Uhr ab Öhringen in Richtung Hall. Auf HZ-Nachfrage erklärt ein Bahnsprecher, seit August 2018 seien "aufgrund von Personalmangel vermehrt Zugausfälle und Verspätungen aufgetreten" - vor allem auf der Madonnenlandbahn an Wochenenden.

"Es wurde versucht, immer so zu disponieren, dass Pendler- und Schülerzüge am wenigsten betroffen sind." Technische Störungen seien etwa bei "Motoren oder Getrieben" aufgetreten und Ersatzfahrzeuge nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung gestanden. Seit Dezember 2018 seien zehn alte Züge durch moderne ersetzt und sechs Reservefahrzeuge besorgt worden. Ende 2019 werde die Flotte nur noch aus modernisierten Fahrzeugen bestehen: so wie es der neue Vertrag mit dem Land vorschreibe.

"Zwischen August und Dezember 2018 fehlten neun Triebfahrzeugführer und rund fünf Fahrdienstleiter aus gesundheitlichen Gründen", berichtet der Bahnsprecher weiter. Die forcierten Anstrengungen in der Anwerbung und Ausbildung hätten jedoch dazu geführt, "dass wir Ende 2018 bereits mehr als 20 neue Triebfahrzeugführer und sechs Fahrdienstleiter begrüßen konnten". Die nächsten Ausbildungsgruppen seien bereits voll.

Neue integrierte Leitstelle

Der Sprecher kündigt auch an, die Kommunikation mit den Kunden zu verbessern. Dazu und zur Steuerung der Verkehre sei eine "integrierte Leitstelle" aufgebaut worden. In der Hauptzverkehrszeit würde die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich verdoppelt.


Sieben Maßnahmen muss die Westfrankenbahn umsetzen 

Das Verkehrsministerium und die Westfrankenbahn haben diese Maßnahmen vereinbart, um die Lage zu verbessern:

  1. Überwachung: Zwei örtliche Ansprechpartner der Westfrankenbahn würden ab sofort in Crailsheim und Miltenberg die Qualität überwachen. "Vor allem der schnelle und direkte Kontakt zu den Schulen steht hier im Mittelpunkt", schreibt das Ministerium.
     
  2. Information: Fahrgäste sollen an den Haltestellen bei Störungen besser und zeitnaher informiert werden. Dazu werde an den Stationen ein zusätzlicher Arbeitsplatz eingerichtet.
     
  3. Instandhaltung: Fahrzeuge sollen künftig auch außerhalb der Werkstätten instandgesetzt werden können. Dazu werde es ein neues mobiles Einsatzteam geben. "So sollen die fahrzeugbedingten Ausfälle reduziert werden", erklärt das Verkehrsministerium.
     
  4. Madonnenlandbahn: Der Bahnverkehr an Wochenenden werde ab dem 12. Januar auf dieser Strecke teilweise wieder aufgenommen, "bis ab März 2019 die Verkehre dann wieder komplett auf der Schiene abgewickelt werden können", so das Ministerium. Grund dafür sei die nötige "Ausbildung neuer Fahrdienstleiter, um auf den Stellwerken an der Strecke arbeiten zu dürfen".
     
  5. Kommunikation: Mit den Kreisen wurde vereinbart, eine "Kommunikationsoffensive" zu starten, "die im ländlichen Raum mehr junge Menschen für Bahnberufe begeistern soll".
     
  6. Ausbildung: Die Westfrankenbahn bilde nun doppelt so viele Lokführer aus.
     
  7. Personal: Es gebe jetzt einen Puffer, "die Schichtzeiten für die Einsatzbereitschaft werden ausgeweitet". Bei absehbaren Ausfällen werde die Westfrankenbahn "rechtzeitig Ersatzverkehre organisieren und früher informieren".

 


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