Studenten der DHBW Mosbach bauen Tunnelbohrmaschine für Tesla-Gründer Elon Musk

Mulfingen/Mosbach  Tesla-Gründer Elon Musk sucht die schnellsten Tunnelbauer der Welt. Studenten der DHBW Mosbach treten mit ihrer selbst entwickelten Maschine an und gehören damit bereits zu den besten zwölf Teams weltweit. Jetzt ist nur die Frage, ob die USA sie hineinlassen.

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Die Tunnelbohrmaschine wird enthüllt. Mit dabei sind auch Minister Peter Hauk (im weißen Hemd links) und der ehemalige Mosbacher OB und Förderer der DHBW in Mosbach, Gerhard Lauth (Dritter von rechts).

Foto: Christian Gleichauf

Wenn sich am 12. September der rote Bohrkopf in Bewegung setzt, dann wird das elfköpfige Team der DHBW Mosbach seinem "Dirt Torpedo" alle Daumen drücken. Das "Erdgeschoss" soll bei einem weltweit ausgelobten Wettbewerb bei Las Vegas schneller als alle anderen die 30 Meter durch den Wüstenboden zurücklegen.

Der Milliardär und Technik-Pionier Elon Musk ist auf der Suche nach einer Innovation, die den Tunnelbau revolutioniert. Bleibt nur noch die Frage, ob die Corona-Einreisebestimmungen der USA dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen.

Anderthalb Tonnen werden auf die Reise geschickt

Das rund vier Meter lange und anderthalb Tonnen schwere Gerät soll sich jedenfalls umgehend auf die Reise in Richtung USA, in die Mojave-Wüste machen. Enthüllt und damit erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde es kurz zuvor noch in einer Versandhalle bei EBM-Papst in Mulfingen-Hollenbach.

Mehr als 100 Gäste sind gekommen, darunter Landes- und Bundespolitiker und zahlreiche Vertreter der Partnerunternehmen und Sponsoren sowie der Dualen Hochschule in Mosbach.

Übrig bleibt eine fertig betonierte Röhre

Denn das, was die elf jungen Männer innerhalb von nur zwölf Monaten auf die Reihe bekommen haben, ist unglaublich. Sie haben eine Maschine entwickelt, die sich "Schneller als eine Schnecke" durch den Boden fräsen soll - das ist die Vorgabe - und eine komplett fertig geschalte Betonröhre produziert.

"Vorn schaben die Hartmetall-Zähne das Gestein ab, das wird dahinter wie in einer Pfeffermühle zerkleinert, und was dann durch die Löcher fällt, wird über einen Schlauch abgesaugt", erzählt der Entwicklungsingenieur im Team, Alexander Gröber. Also scheinbar ganz einfach. Im zweiten Teil kommen die zwei Vortriebseinheiten. Hinten wird ausbetoniert. "Das gibt es bisher noch nicht, da betreten wir Neuland", sagt Gröber.

Keine Zeit für Tests

Noch hat die Maschine das Erdreich nur aus der Entfernung gesehen. "Wir konnten sie noch nicht testen", sagt Teamleiter Adrian Fleck. Doch die Studenten sind guter Dinge, dass ihr Torpedo die 5,4 Meter pro Stunde schafft, die sie berechnet haben.

Damit sind sie "auf Augenhöhe" mit den Entwicklungen von so namhaften Universitäten wie der ETH Zürich, der TU München oder dem MIT in den USA, wie EBM-Papst-Chef Thomas Wagner betont. Nur zwölf Teams setzten sich unter den 400 Bewerbungen durch. "Das zeigt, dass auch das Duale Studium Renommee erzeugen kann", freute sich der für den ländlichen Raum zuständige Minister Peter Hauk, der auch Glückwünsche des Ministerpräsidenten überbrachte.

Das Land unterstützt das Projekt schließlich mit 40.000 Euro. Weitere Hauptsponsoren mit hohen fünfstelligen Summen sind EBM-Papst, der Anlagenbauer FFT aus Fulda und der Ventilspezialist Bürkert aus Ingelfingen. Dafür getrommelt hat unter anderem der Geschäftsführer der Stiftung Pro DHBW Mosbach, der ehemalige Mosbacher OB Gerhard Lauth.

Die größte Herausforderung ist jetzt die Corona-Krise

Der kümmert sich derzeit gemeinsam mit den Studenten auch noch um ein anderes Problem. Denn die USA haben ihre strikten Einreisebedingungen für den Schengen-Raum verlängert. Damit ist unklar, ob das Team in die USA fliegen darf. Die Studenten haben deshalb einen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben, Lauth ist bereits mit dem Kanzleramt in Kontakt. Doch noch gibt es keine Zusage.

Wie es auch ausgeht, gelernt haben die Studenten bereits viel. "Ich habe vor einem Jahr gesagt, der Weg ist nicht das Ziel, das Ziel ist das Ziel", erzählt Teamleiter Adrian Fleck. Jetzt müsse er sich entschuldigen. "Wenn ich zurückblicke, dann weiß ich, dass wir einen guten, einen wichtigen Weg hinter uns haben, und dass es darauf ankommt."

Nicht langweilig

Not-a-boring Competition hat Musk seinen Wettbewerb genannt. In der Doppeldeutigkeit bedeutet das, es soll nicht langweilig werden. Für den Wettbewerb ist aber kein Preisgeld ausgelobt worden. Was mit den Erfindungen passiert, ist nicht klar. Auch Patente oder Musterschutz habe man nicht anmelden können. "Es ist wie im Rennsport", sagt Professor Gangolf Kohnen von der DHBW Mosbach, der das Projekt betreut. Es geht um den Sieg.

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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