Das hält der Jagdpächter im Stöckacher Wald vom möglichen Windpark bei Kirchhausen
Bei Kirchhausen könnten bald Windräder stehen. So schätzt der Jagdpächter die Auswirkungen für Umwelt, Tiere und die Jagd ein.

Es ist kein schöner Anblick: Dutzende nasse Papiertücher, große Wasserflaschen mit unappetitlichem Inhalt und sogar eine Tüte mit gekochten Eiern – all das liegt am Straßenrand neben der Haltebucht an der B39 zwischen Kirchhausen und Fürfeld auf Höhe des Waldparkplatzes im Stöckacher Wald.
Nun ist das Waldgebiet Stöckach in jüngster Zeit nicht wegen seiner Vermüllung, sondern vielmehr als potentieller Standort für Windkraftanlagen ins Gespräch gekommen. Gerade aus Kirchhausen waren kritische Stimmen laut geworden. Für die Stadt Heilbronn ist es die einzige Fläche, die überhaupt dafür in Frage kommt. Im Stimme-Interview 2023 hatte sich Oberbürgermeister Harry Mergel zu Windrädern im Stadtgebiet bekannt.
Windräder bei Kirchhausen: So schätzt der Pächter die Auswirkungen für den Naturschutz ein
"Aktuell läuft das einjährige Umweltverträglichkeitsgutachten, da habe ich hier mehrmals pro Woche Leute im Revier für das Monitoring", erzählt Jagdpächter Dirk Boss, der zur ersten Putzete in den Wald gerufen hat. Dass das ordentlich gemacht wird, findet er gut. "Wir haben hier die Wildkatze, Fledermäuse, in Fürfeld sogar einen Uhu, aber der ist schon zu weit weg", listet der Neckargartacher auf.
Jagdlich würden die Bauphase und die zwei Jahre danach sicher kritisch. Außerdem sei die Verdichtung der Wege das eine, aber dort, wo potentiell mal große Lkw mit noch größeren Einzelteilen hinmüssen, gebe es bisher nur Rückegassen. "Da werden schon einige Bäume fallen."
Naturschutz und Windpark in Kirchhausen: Wie passt das zusammen?
Ob das dann so mit dem Naturschutz einhergeht, da ist sich Jägerkollege Florian Fischer nicht so ganz sicher. Auch er tippt: "In der ersten Zeit und während des Transports wird es sicher etwas schwierig mit der Jagd." Obwohl die Zeag im Februar 2024 bereits konkretere Pläne für den Windpark vorstellte, ist das alles noch Zukunftsmusik. Jetzt geht es erst mal wieder an den Müll.
"Wenn man vorbeifährt, sieht man das gar nicht so. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel ist", stellt Harald Rauch fest, während er mit seiner Greifzange Abfall aufklaubt. Er ist einer der 19 Helfer, die dem Aufruf von Jagdpächter Dirk Boss zur ersten Waldputzete gefolgt sind.
Müll im Stöckacher Wald – Jagdpächter will mit Putzete gegen Reifen, Papiertücher und Wasserflaschen in der Natur vorgehen
"Es ist immer schlimmer geworden", berichtet Boss. Er habe schon ein komplettes Bad, Rollläden, Reifen und vieles andere gefunden. "Seit die Parkbucht größer ist, parken hier fast Tag und Nacht Lkw. Seitdem sieht es noch schlimmer aus." Morgens würden ihm die Fahrer aus dem Gebüsch entgegenhüpfen, wo sie ihre Notdurft verrichten.
Der Großteil der Helfer kommt von der Jugendfeuerwehr aus Kirchhausen. "Wir haben auch einen Erziehungsauftrag, der soziale Aspekt gehört bei uns dazu", begründet Betreuerin Liliane Rauch, warum sie dem Aufruf gefolgt sind. Aufgeteilt in Gruppen machen sich die Mitstreiter entlang der Bundesstraße Richtung Kirchhausen und entlang des Waldwegs vom Parkplatz aus auf die Socken. In Windeseile füllen sich die Müllsäcke, die die Straßenmeisterei Bonfeld später abholen wird. Die hat auch extra Warnschilder aufgestellt.
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