So hat der Heilbronner Pinocchio-Kommentator den Medienrummel erlebt
„Pinocchio kommt nach HN“. Dieser Facebook-Kommentar von Andy Hüttner zog weite Kreise. Nun spricht der Rentner aus Heilbronn-Böckingen darüber, was sich nach der Diskussion über seine Äußerung ändern soll.
Bis zum späten Sonntagabend denkt Andy Hüttner, er hätte mit seinen 66 Jahren alles erlebt. Doch dann berichten – im Anschluss an die Heilbronner Stimme – die ersten bundesweiten und internationalen Medien über die Ermittlungen zu jenen vier Worten, die er unbedacht unter einen Facebook-Post der Heilbronner Polizei geschrieben hat.
Und ab da kommt kaum noch jemand an der Frage vorbei, ob es nun eine Beleidigung ist oder nicht, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als Pinocchio zu bezeichnen.
Ermittlungen gegen Heilbronner Rentner nach Facebook-Kommentar über Friedrich Merz eingestellt
„Ich hätte nie gedacht, dass die Bemerkung ’Pinocchio kommt nach HN’ in Bezug auf den Friedrich-Merz-Besuch im Oktober so weite Kreise zieht“, sagt der Rentner aus Heilbronn-Böckingen.
Plötzlich steht sogar ein Mitarbeiter der „Bild“-Zeitung bei ihm vor der Haustür, obwohl sich Hüttner bis dahin nur anonym zum Thema geäußert hat. Nun entscheidet er sich aber, auch namentlich in Erscheinung zu treten. Schließlich ist das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen mutmaßlicher Beleidigung in seinem Facebook-Post seit Dienstagnachmittag eingestellt.

Rentner aus Heilbronn-Böckingen: „Pinocchio-Verfahren hat mich belastet“
„Bis dahin hat mich das Thema schon sehr belastet. Ich habe ja nicht gewusst, wie das Verfahren ausgeht und was möglicherweise noch auf mich zukommt.“ Bis der Ermittlungsbescheid Ende Januar bei ihm eintrifft, hat er gar nicht mehr an seinen kurzen Kommentar gedacht. „Ich habe das spontan geschrieben. Und dann flattert drei Monate später plötzlich der Schrieb der Polizei ins Haus. Das hat mich völlig vom Hocker gehauen.“
Den Vergleich von Friedrich Merz mit der Kinderbuch-Figur Pinocchio, die für ihre lange Lügen-Nase bekannt ist, findet Hüttner naheliegend: „Ich bin von Merz’ Politik enttäuscht. Er hat vor der Bundestagswahl Dinge versprochen, die er nicht gehalten hat. Den Vergleich habe ja auch nicht ich erfunden. Ich habe das aufgegriffen, was auch schon anderweitig über Merz gesagt wurde.“ Zuvor haben beispielsweise Grünen-Chefin Franziska Brantner und der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner den Bundeskanzler mit der Holzfigur in Verbindung gebracht.
Heilbronner Rentner besitzt Pinocchio-Figur aus der Toskana
Andy Hüttner erklärt: „Mit meiner Äußerung wollte ich niemanden beleidigen. Ich mag Satire – und für mich ist meine Facebook-Bemerkung einfach ein satirischer Kommentar zur Politik des Kanzlers. Daran finde ich nichts Schlimmes. Zum Glück wurde das Verfahren nun eingestellt.“ Pinocchio gefällt Hüttner schon immer. Er besitzt auch eine kleine Holzvariante der Kinderfigur. „Die habe ich während eines Toskana-Urlaubs gekauft.“
Hüttner hofft nun, dass die Aufmerksamkeit um seinen Kommentar selbst und seine Person bald wieder abebbt. Allerdings wünscht er sich, dass sich im Anschluss an die Diskussion um seinen Pinocchio-Kommentar auch am öffentlichen Umgang miteinander etwas ändert. „Ich fände es gut, wenn es juristisch klarere Grenzen zwischen Hass-Kommentaren und humoristisch gedachten Meinungsäußerungen gäbe. Hetze geht natürlich gar nicht. Aber satirische Kritik darf nicht verfolgt werden.“
Heilbronner Pinocchio-Kommentator gegen Paragraf 188
Auch das Abschaffen des Paragrafen 188 im Strafgesetzbuch, der vorsieht, Politiker-Beleidigungen härter zu bestrafen als Herabwürdigungen von Normalbürgern, fände Andy Hüttner gut. „Das sind doch Menschen wie du und ich. Was soll dann die Sonderbehandlung?“, fragt der Böckinger.
Geärgert hat sich Andy Hüttner darüber, dass die Polizei Heilbronn, die seine Bemerkung der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorgelegt hat, in den Online-Kommentaren rund um die Berichterstattung schlecht weggekommen ist. „Die häufigen Beschimpfungen waren nicht in Ordnung. Die Leute bei der Polizei machen ja auch nur ihre Arbeit – und das meines Erachtens sehr gut.“
Geld-Sammlungen für Heilbronner Rentner? Kommentator hätte Pinocchio-Figuren gekauft
Ihm gegenüber war die Online-Diskussion zur vielfachen Berichterstattung über die Pinocchio-Äußerung aber wohlgesonnen. Hüttner: „Die Menschen fanden die Ermittlungen gegen mich ebenfalls absurd.“ Dass einige bereits Geld-Sammel-Aktionen ins Leben rufen wollten, damit sich der Böckinger notfalls einen Anwalt leisten oder eine drohende Strafe bezahlen kann, hat ihn ebenfalls bewegt.
„Wenn es aber tatsächlich dazu gekommen wäre, hätte ich mit dem Geld Pinocchio-Figuren gekauft und diese an Kinderheime gespendet“, sagt Hüttner.
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