Behandlungserfolg bei Krebs: Vernetzung entscheidend, sagt Heilbronner SLK-Arzt
Unter dem Dach des Tumorzentrums Heilbronn-Franken arbeiten verschiedene Fachdisziplinen eng zusammen. Die klinische Forschung ist eine Besonderheit in Heilbronn.
In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung enthüllte Moderatoren-Legende Thomas Gottschalk (75) vor rund einer Woche, dass er an Krebs erkrankt ist. Die Diagnose lautet demnach epitheloides Angiosarkom, eine extrem seltene Krebsart.
Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten leben ungefähr 1,6 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Krebserkrankung, die innerhalb der letzten fünf Jahre diagnostiziert wurde. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt inzwischen bei über 500.000. Gleichzeitig hat die Vielfalt und Qualität der Behandlungsoptionen sprunghaft zugenommen.
Heilbronner SLK-Onkologe Uwe Martens: „Krebstherapien sind komplex“
Krebstherapien sind komplex, verschiedene Fachdisziplinen arbeiten für den Behandlungserfolg eng zusammen. Diese Vernetzung sei in der Krebsmedizin entscheidend, sagt Professor Uwe Martens, SLK-Onkologe und Vorsitzender des Baden-Württembergischen Krebsverbands. Die übergeordnete Struktur für die Versorgung von Menschen mit Krebserkrankungen in der Region ist das Tumorzentrum Heilbronn-Franken mit Hauptsitz am SLK-Klinikum am Gesundbrunnen. Unter dem Dach dieses Zentrums sind zwölf Organkrebszentren organisiert. Das sind spezialisierte Einrichtungen, die sich auf die Behandlung einer bestimmten Krebsart oder einer klar abgegrenzten Gruppe von Tumoren eines Organs konzentrieren, wie Brust-, Haut-, oder Darmkrebs.
Krebsbehandlungen bestehen häufig aus unterschiedlichen Elementen – Expertise in Heilbronn
Die Behandlung einer Krebserkrankung besteht häufig aus unterschiedlichen Elementen, also zum Beispiel einem chirurgischen Eingriff zur Entfernung von Tumorgewebe, Bestrahlung und/oder einer Chemotherapie. Immer öfter kommen auch moderne zielgerichtete Medikamente wie Antikörper zum Einsatz.

Martens sagt, in allen chirurgischen Disziplinen gebe es bei SLK langjährige Expertise. Wo immer sinnvoll, werde roboterassistiert operiert, das sei in der Regel das schonendere und präzisere Verfahren. Auch bei der hochpräzisen Strahlentherapie habe man in den vergangenen Jahren extreme Fortschritte gemacht. „Die ist viel genauer geworden und kann viel schneller das richtige Bestrahlungsfeld berechnen.“
Der Förderverein für medizinische Innovation (fmi) hat bei der Anschaffung eines topmodernen, KI-gestützten Linearbeschleunigers für die Klinik in Heilbronn geholfen. Die interventionelle Radiologie bei SLK sei ebenfalls sehr fortschrittlich, zählt Martens auf. In diesem Fachgebiet werden zum Beispiel Chemotherapien zielgerichtet in Metastasen gespült, Mikrowellen zerstören CT-assistiert Tumoren. Wichtig für den Behandlungserfolg seien zudem unterstützende Disziplinen wie Psychoonkologie, Ernährungsmedizin und Physiotherapie.
SLK pflegt enge Kooperationen mit anderen Kliniken
Manche Behandlungen finden in Kooperation mit anderen Einrichtungen statt. So werden in Zusammenarbeit mit den RKH-Kliniken in Ludwigsburg und der Uniklinik Tübingen Hirntumorpatienten behandelt. Bei zellulären Therapien, also zum Beispiel Knochenmark-Transplantationen, arbeite man eng mit der Uniklinik in Heidelberg zusammen.
Von besonderer Bedeutung sei die klinische Forschung am Tumorzentrum, erklärt Martens. Diese sei für ein kommunales Krankenhaus außergewöhnlich. So gebe es eine Vielzahl von Studien, die hochmoderne Behandlungen für Patienten ermöglichten. Um an solchen Studien teilzunehmen, kämen sogar vereinzelt Patienten aus dem Ausland nach Heilbronn. Trotz aller Behandlungserfolge wird Krebs in Umfragen regelmäßig als die Erkrankung genannt, vor der sich die meisten Menschen fürchten, das Stigma ist nach wie vor groß.
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