Warum Bärbel Renner Heilbronn „auf dem Weg zur attraktivsten Stadt“ sieht
Beim Heilbronner Hasenmahl setzte Bärbel G. Renner, Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung, tiefgründige Akzente. Sie sprach über Krisen, Demokratie und die Kraft verbindender Orte.
Musik, Essen und ein Überraschungsgast, der nach dem Hauptgang im Ratskeller enthüllt wird: Das Heilbronner Hasenmahl ist ein Abend mit langer Tradition.
In diesem Jahr stand er ganz im Zeichen von Gemeinschaft, Zuversicht und der Frage, was Städte und Demokratien zusammenhält. Vor rund 140 Gästen hielt Bärbel G. Renner, Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung, die Festrede.
Hasenmahl in Heilbronn 2026: Festliches Dinner mit Musik, Festrede und Überraschungsgast
Musikalisch eröffnet von den Jagdhornbläsern aus dem Kreis Heilbronn, begrüßte Oberbürgermeister Harry Mergel die Gäste.
Nachdem der Hauptgang – Rücken vom bayerischen Feldhasen mit wahlweise Spätzle oder Knödel sowie winterlichem Gemüse – serviert wurde, lüftete er die Überraschung des Abends und Bärbel G. Renner, seit neun Jahren in Heilbronn verwurzelt, trat ans Mikrofon.
Die diesjährige Hasenmahl-Rednerin ist Bärbel G. Renner
In ihrer Rede spannte die promovierte Germanistin einen großen Bogen, von persönlichen Einblicken bis zu globalen Krisen. Geboren in Ellwangen, aufgewachsen mit zwei Geschwistern, sprach sie von ihrer Jugend als „Gardemädchen“ und von Erfahrungen, die Gemeinschaft stiften. Diese Perspektive zog sich wie ein roter Faden durch ihre Ausführungen.
Besonders hob die 65-Jährige verbindende Orte in Heilbronn hervor, etwa das Weindorf, das weit mehr sei als ein Genussort: Landschaftspflege, gelebte Tradition, Identität. Ob man sich einem Ort zugehörig fühle, entscheiden laut Renner am Ende nicht die Kulissen, sondern die Menschen. Auch ihren eigenen Zugang zu Heilbronn habe sie über Begegnungen gefunden: Beruflich zunächst als Geschäftsführerin der Experimenta, wo sie mit offenen Armen empfangen worden sei.
Heilbronner Hasenmahl: Globale Krisen und die Fragilität der Demokratie
Doch Renner blieb nicht beim Rückblick. „Krise ist das Wort der Stunde“, sagte sie und meinte damit nicht nur eine Kapitalismus-Wachstumskrise oder eine Krise des europäischen Verständnisses, sondern auch eine tiefe Verunsicherung angesichts globaler Machtverschiebungen. So sprach Renner über das Kalkül der Macht, über Putin, Trump und die Fragilität politischer Ordnungen.
Demokratie, betonte sie, sei keine Selbstverständlichkeit, nicht allein durch Verfassungen garantiert, sondern durch das tägliche Handeln der Menschen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Verleihung des Demokratiepreises „Württemberger Köpfe“ an Günther Jauch im Oktober 2025 in Heilbronn. Sie betonte: Demokratie sei auch eine Frage des Denkens und des Zuhörens. „Zuhören bedeutet Gastfreundschaft.“ Das Fremde auszuhalten sei Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Menschen halten laut Renner eine Stadt wirklich zusammen
Auch Zukunftsthemen griff Renner auf: Cyberkriminalität sei ein volkswirtschaftlicher Riese, technologische Kommunikation mache Austausch zwar einfacher, führe aber nicht automatisch zu mehr Nähe. Emotionalisierung auf digitalen Kanälen ersetze kein echtes Gespräch. Umso wichtiger seien Orte des Austauschs in Kultur, Wissenschaft und Stadtgesellschaft.
Als Germanistin sprach sie mit sichtbarer Leidenschaft über Kultur, lobte unter anderem das Literaturhaus Heilbronn und viele andere Orte und Menschen, dank denen sie sich gut eingelebt habe in Heilbronn.
„Liebeserklärung an Heilbronn“: Lob von OB Harry Mergel für die Rede
Einen optimistischen und zugleich amüsanten Akzent setzte sie mit dem Blick auf junge Menschen: In einer Studie unter 14- bis 29-Jährigen sei Intelligenz als wichtigstes Statussymbol genannt worden. Vor beruflichem Erfolg, sportlichem Körper und gutem Aussehen. „Klugheit ist also sexy“, so Renner und fügte augenzwinkernd hinzu: „Heilbronn ist auf dem besten Weg, die attraktivste Stadt Deutschlands zu werden.“
Ganz zum Schluss erlaubte sie sich noch einen Seitenhieb Richtung Landeshauptstadt: Bei Projekten wie der Seilbahn müsse Heilbronn schneller sein als Stuttgart. Zwischen Horkheimer Feldsalat, Feldhasen und Apfelküchle in Zimt und Zucker blieb Zeit für Austausch und Gespräche. Als „Liebeserklärung an Heilbronn“, würdigte Oberbürgermeister Mergel die Rede.
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