Heilbronner Hafen: Fünf Gründe, warum die Neckarschleusen wichtig sind
Die Debatte darum, die Neckarschleusen für die Binnenschifffahrt auszubauen, reißt nicht ab. Doch warum sind die Anlagen überhaupt von Bedeutung? Ein Überblick mit Fokus auf den Heilbronner Hafen.
Zwischen Plochingen und Mannheim gibt es 27 Schleusen am Neckar, die das Gefälle ausgleichen und den Fluss schiffbar machen. Die Anlagen sind zum Teil über 80 Jahre alt und marode. Zudem sind sie auf Schiffe von 105 Metern Länge ausgelegt, eine Besonderheit der Neckarschifffahrt.
Die Transportbranche und die Wirtschaft in der Region wünschen sich seit langem einen Ausbau für 130-Meter-Schiffe, wie sie etwa auf dem Rhein fahren. Obwohl es eine entsprechende Vereinbarung zwischen Land und Bund gab, hat Berlin das Vorhaben gekippt. Jetzt geht es um einen möglichen Ausbau für 110-Meter-Frachter und vor allem die fällige Sanierung. Doch warum sind die Schleusen überhaupt wichtig?
Der Neckar mit seinen Schleusen ist zentrale Transportachse für den Güterverkehr
In Häfen sowie an Lösch- und Ladeplätzen in Baden-Württemberg wurden 2024 insgesamt 24,4 Millionen Tonnen Güter im Binnenschiffsverkehr umgeschlagen, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Damit ging die Tendenz erstmals seit 2019 am Neckar wieder nach oben. Insgesamt ist der Anteil der Binnenschifffahrt am Güterumschlag in Deutschland aber rückläufig und insgesamt überschaubar, er lag 2024 bei 6,5 Prozent.

Die meisten Güter in Deutschland werden mit 70,6 Prozent per Lkw auf der Straße transportiert, rund 20 Prozent mit dem Güterzug. Voraussetzung dafür, dass auf dem Neckar zwischen Plochingen und der Rheinmündung bei Mannheim überhaupt Güterschiffe fahren können, sind die Schleusen, die das Gefälle des Flusses ausgleichen.
Im Heilbronner Hafen wurden 2024 etwas mehr als 1,5 Millionen Tonnen umgeschlagen, in Stuttgart war es nur etwa ein Drittel davon. Heilbronn ist damit der bedeutendste Hafen, der nur am Neckar liegt – zur Unterscheidung vom noch deutlich wichtigeren Hafen Mannheim, wo Waren an Neckar und Rhein umgeschlagen werden.
Binnenschifffahrt gilt als vergleichsweise umweltfreundlich
Frachtschiffe im Binnenverkehr werden überwiegend mit Diesel angetrieben. Laut dem ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland VCD fällt ihre Bilanz besser aus als beim Lastwagen. So produziere ein Schiff 32 Gramm Kohlendioxid-Äquivalente je Tonnen und zurückgelegtem Kilometer, während es beim Lkw 118 Gramm sind.
Eine Schiffsladung kann im Schnitt 100 bis 150 Lastwagenladungen ersetzen. Allerdings stoßen Schiffe laut VCD auch deutlich mehr Stickoxide aus – etwa 13 Mal so viel wie die Bahn und doppelt so viel wie Lastwagen. Neue Normen setzen strenge Grenzwerte, sie gelten aber nur für Schiffe, die neu in Betrieb genommen werden. Elektroantriebe spielen für Transportschiffe kaum eine Rolle.
Das hängt mit dem großen Energiebedarf und der fehlenden Ladeinfrastruktur entlang der Wasserstraßen zusammen. Die vergleichsweise positive Ökobilanz gilt Befürwortern als zentrales Argument, den Anteil der auf dem Wasser transportierten Güter auszubauen – und dafür auch die Neckarschleusen.
Der Heilbronner Hafen setzt auf Güterverkehr mit Containern
Im Heilbronner Hafen spielt traditionell sogenanntes Schüttgut beim Transport auf dem Wasser eine große Rolle. Dazu zählen Baustoffe wie Sand und Kies, das Salz der Salzwerke, aber auch Kohle, die vor allem im Kraftwerk verfeuert wurde, das die Heilbronner Silhouette prägt. Die Anlage wird aber auf den Betrieb mit Gas, in einem zweiten Schritt mit grünem Wasserstoff, umgestellt. Kohle und Schüttgut allgemein wird also eher an Bedeutung verlieren.
Wichtiger wird in der Binnenschifffahrt der Transport von Waren mit standardisierten Containern, die vom Neckar- aufs Überseeschiff, auf Lastwagen und Züge problemlos umgeladen werden können. Darauf ist der Heilbronner Hafen mit dem trimodalen Terminal ausgelegt, als Knoten zwischen Wasser, Straße und Bahn. Derzeit ist der Hafen aber vor allem eine Drehscheibe zwischen Lastwagen und Zügen, der Containertransport spielt kaum eine Rolle.
Wären die Schiffe länger – 135 Meter statt wie auf dem Neckar 105 Meter - rentierte sich der Containerverkehr eher, argumentiert die Branche und fordert den Ausbau der zu kurzen Neckarschleusen. Allerdings gibt es weitere Probleme: Manche Brücken am Neckar sind zu niedrig, um Container wie auf anderen Flüssen üblich in drei Reihen übereinander zu stapeln.
Der Neckar und seine Schleusen sind industrielles Erbe
Der Ausbau des Neckars zum Transportweg war eine technische Meisterleistung, die seit 1921 angegangen wurde. Finanziert wurde der Ausbau zum Teil mit Einnahmen der parallel konzipierten Wasserkraftwerke. Der Bau der Schleuse Kochendorf bei Bad Friedrichshall begann 1925. Die Anlagen sind im Kern immer noch dieselben, die vor bis zu 100 Jahren errichtet wurden.
Viele Schleusen sind dringend sanierungsbedürftig. Wenn die Kammern ausfallen, kommt der Schiffsverkehr auf dem ganzen Fluss zum Erliegen. Eigentlich war zwischen Land und Bund vereinbart, die Schleusen am Neckar so umzubauen, dass auch lange Schiffe über 130 Meter Länge passieren können. Der damalige Verkehrsminister Volker Wissing stoppte das Vorhaben, das mutmaßlich ein Milliardenprojekt geworden wäre und sich über Jahrzehnte gezogen hätte. Wissings Nachfolger im Amt Patrick Schnieder (CDU) setzt auf KI-Lösungen zur Optimierung des Schiffsverkehrs. Einen Zeitplan für die dringend notwendige Sanierung gibt es nicht.
Der Neckar ist zentral für die Identität der Region
Nicht zuletzt hat der Neckar eine große Bedeutung für die Identität der Region, außerdem wird er für Freizeitaktivitäten genutzt. Ausflugsfahrten auf dem Fluss sind beliebt, in Heilbronn hat 2025 die in Heidelberg ansässige Weiße Flotte das traditionsreiche Metier übernommen und bietet Rundfahrten ab dem Marrahaus an.
Konkrete Pläne, weitere Orte wie Bad Wimpfen oder Gundelsheim anzusteuern, wie das früher der Fall war, gibt es aktuell nicht. Auf anderen Flussabschnitten bietet die Weiße Flotte längere Touren an. Dafür sind die Schleusen unerlässlich.
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