„Busfahrer verdient 4300 Euro“: Heilbronns Bürgermeister kontert Verdi bei ÖPNV-Streik
Katharina Kaupp von Verdi verteidigt den Arbeitskampf im ÖPNV und den Warnstreik am Montag. Heilbronners Erster Bürgermeister Martin Diepgen dagegen sagt, dass die Forderungen aus „aus kommunaler Sicht nicht realisierbar“ seien.
Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Katharina Kaupp betont die Bedeutung des Warnstreiks im ÖPNV. „Streik ist immer das letzte Mittel“, sagt sie im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. „Wir haben verhandelt und keine Lösung gefunden. Heute fährt kein Bus in Heilbronn. Und auch die Leitstelle ist bestreikt, deshalb fährt auch keine Bahn.“
Auf die Frage, wie sie dem Vorwurf begegne, der Streik sei kontraproduktiv, sagt Kaupp: „Es kann ja nicht sein, dass die Beschäftigten alles ausbaden. Sie sind es, die immer höhere Lebenshaltungskosten zu bezahlen haben und als Arbeitnehmer immer mehr leisten sollen.“ Es sei nicht richtig, an denen zu sparen.
Katharina Kaupp von Verdi zu ÖPNV-Streik: „Haben versucht, eine Einigung zu erzielen. Ohne Ergebnis.“
„Welche anderen Mittel soll es denn geben?“, so Kaupp zur Frage, inwiefern es alternative Möglichkeiten geprüft wurden, um einen Streik zu vermeiden. „Wir haben versucht, eine Einigung zu erzielen. Ohne Ergebnis. Ich glaube, den Streik können auch viele Schüler und Berufspendler nachvollziehen.“ Vor allem mit Blick in die Zukunft: Der öffentliche Nahverkehr solle ausgebaut werden, und man spare an den Beschäftigten.
Martin Diepgen, Erster Bürgermeister der Stadt Heilbronn und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats des HNV, hält dagegen. „Löhne und Arbeitszeiten sind branchenüblich und vergleichbar mit anderen Berufen mit Schichtarbeit, zum Beispiel im medizinischen Bereich oder bei Polizei und Feuerwehr“, sagt er. Seit 2023 hätten sich die Löhne um durchschnittlich 20 Prozent verbessert, in den unteren Einkommensgruppen sogar noch darüber.
Diepgen: „Der Durchschnittsverdienst eines Omnibusfahrers zum Beispiel liegt mit allen Zulagen bei zirka 4300 Euro im Monat bei einer Arbeitszeit von aktuell 38 Stunden in der Woche.“ In Baden-Württemberg gehe es lediglich um die Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit, samstags und in der Zeit zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens sowie für Überstunden – „wobei die Gewerkschaften teilweise eine Verdopplung fordern, was aus kommunaler Sicht nicht realisierbar ist“.
Erster Bürgermeister der Stadt Heilbronn Martin Diepgen erwartet „einen Tarifabschluss mit Augenmaß“
Als Bestreikte bleibe den Verkehrsbetrieben der Stadt nur die Information der Betroffenen, dass wegen des ausgerufenen Warnstreiks kein Stadtbusverkehr und kein Stadtbahnverkehr auf den Straßenbahnstrecken durch Heilbronn stattfinde. Angesichts des Umfanges des Streiks seien aber keine Ersatzmaßnahmen möglich, „um Auswirkungen auf breiterer Basis abzufedern“.
Auf die Frage, was er sich von Verdi wünsche, antwortet Diepgen: „Angesichts der zunehmenden Belastungen, die auf die kommunalen Haushalte zukommen, erwarte ich einen Tarifabschluss mit Augenmaß, der die Interessen der Beschäftigten ebenso wie die Belastungen der Arbeitgeber in gleichem Maße berücksichtigt.“ Beim Ausruf von Warnstreiks oder Streiks wünschte er sich von Verdi, „dass soziale Härten vermieden werden“.
In Baden-Württemberg ist der Kommunale Arbeitgeberverband Baden-Württemberg e.V. zentraler Tarif- und Arbeitgeberverband für den öffentlichen Dienst auf kommunaler Ebene. Er vertritt auch die Stadt Heilbronn.
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Kommentare
Michael Müller am 03.02.2026 14:31 Uhr
Da sieht man mal das Sie von der ganzen Thematik ÖPNV keine Ahnung haben. In den nächsten 5 Jahren erreichen 30% der Busfahrer das Renteneintrittsalter - Nachwuchs bleibt leider aus!!! Bis 2036 gehen sogar 50% in Rente.
Tom Müller am 02.02.2026 19:00 Uhr
Ich finde die Konditionen sogar zu hoch... Dem wo sie zu niedrig sind kann sich ja einem anderen Job suchen...