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Nachfolger für Jäkbar

Leerstände in Heilbronner Bahnhofsvorstadt: Hat das Viertel noch immer Kiez-Potenzial? 

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Der Heilbronner Bahnhofsvorstadt wird seit einigen Jahren Kiez-Potenzial zugeschrieben – auch deshalb eröffnen die "Erstmal Kaffee"-Gastronomen dort ihr zweites Lokal. Gerade gibt es im Viertel aber ein Problem: mehrere Leerstände. 


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Die Bahnhofsvorstadt in Heilbronn hat Kiez-Potenzial. Das zumindest attestieren die Autoren der Schwarmstadt-Studien dem Viertel. Aktuell hat die Gegend aber einige Leerstände in der Gastronomie zu verzeichnen.

Das Traditionslokal Eckstein hat geschlossen, vorübergehend, wie auf Zetteln an den Fensterscheiben zu lesen ist. Das Lokal Nosh't mit innovativer Minimalismus-Küche hat infolge eines Todesfalls nicht mehr geöffnet. Für die Räume der Jäkbar gibt es zumindest einen Nachfolger – die Macher vom Erstmal Kaffee öffnen dort mit der Bar Stretta ihr zweites Lokal. Trotzdem: Kann weiterhin von Kiez-Potenzial die Rede sein angesichts der Leerstände, die auch Geschäfte von Händlern und Dienstleitern betreffen? 

Heilbronner Bahnhofsvorstadt mit Kiez-Charakter? Maschinenfabrik als wichtiger Faktor

"Man darf vielleicht nicht die Erwartung haben, dass es ein Kiez wird wie der Schmelztigel Kreuzberg in Berlin", sagt Robert Mucha, neben DHBW-Professorin Yvonne Zajontz einer der Autoren der Schwarmstadt-Studien, die ermitteln wollen, was Heilbronn für junge Menschen attraktiv macht. Für den Journalist und in eigenen Worten kulturellen Stadtentwickler ist das Viertel durchaus "kieziger als in den zurückliegenden Jahren".

Die Entwicklung sieht er längt nicht abgeschlossen, etwa wegen der Maschinenfabrik, aus der ein soziokulturelles Zentrum wurde. "Wenn die Lärmschutzwand vollendet ist, können dort auch größere Konzerte stattfinden. Dann bekommt die Maschinenfabrik nochmal eine ganz andere Strahlkraft als bisher schon." 

Maschinenfabrik in der Bahnhofsvorstadt: Große Veranstaltungshalle wartet auf Umsetzung

"Die Einrichtung der Maschinenfabrik hat sich längst bewährt", teilt auch die Stadt Heilbronn auf Anfrage der Heilbronner Stimme mit. Sie biete ein "spartenübergreifendes soziokulturelles Angebot für unterschiedliche Altersgruppen und Interessen an". Und sei "schon jetzt nicht mehr wegzudenken und ein wichtiger Treffpunkt und Bestandteil der Bahnhofsvorstadt". Ursprünglich eine Fabrik für Lokomotiven, ist sie jetzt ein Zentrum der freien Kulturszene – die zuvor dort angesiedelten Angebote in der Familien- und Jugendarbeit wurden umgesiedelt. 

Die Maschinenfabrik ist jetzt soziokulturelles Zentrum.
Die Maschinenfabrik ist jetzt soziokulturelles Zentrum.  Foto: Archiv/Veigel

"Die Heilbronner Kulturszene wartet noch auf die Umsetzung des 'Herzstücks' – der großen Veranstaltungshalle", heißt es seitens der Stadt Heilbronn. Der Umbau, inklusive weiterer Lärmschutzmaßnahmen, stehe noch aus. Dabei geht es auch um Maßnahmen zur Modernisierung, Dachsanierung und ums Thema Brandschutz. 

Kiez-Potenzial in Heilbronn? Was für die Bahnhofsvorstadt spricht

Und abseits der Maschinenfabrik? Dass die Macher vom Erstmal Kaffee einen zweiten Standort eröffnen, und das gerade in der Bahnhofsvorstadt, begründeten sie gegenüber der Heilbronner Stimme damit, dass es sich bei dem Viertel um den nächsten Place-to-be in Heilbronn handele. "Gastronomien hören auf, anschließend poppen neue auf", sagt Mucha. "Die Mieten sind hier ein bisschen niedriger als in 1A-Lagen, so dass man sich als Gastronom risikoärmer ausprobieren kann." 

In die Räume der ehemaligen Jäkbar und Mojäk-Galerie kommt das Café Strella.
In die Räume der ehemaligen Jäkbar und Mojäk-Galerie kommt das Café Strella.  Foto: Wieland, Tobias

Gerade der Bereich um den Kaiser-Friedrich-Platz mit der Bar Hartman's als Institution, dem Altenheim und dem belebten Spielplatz, Schulen und der Kaufland-Zentrale in der Nähe, habe Charme. "Der Mix ist wahnsinnig attraktiv." In seinen Gedanken spielt auch der neue Stadtteil Neckarbogen eine Rolle, zu dem es über die neue Blitz-Brücke am Hauptbahnhof "nicht weit entfernt ist zur Bahnhofsvorstadt". 

Im gesamten Viertel erkennt Mucha historische Gebäude neben moderner- und Nachkriegsarchitektur. "Das ist schon toll." Beim Blick auf aktuelle Leerstände sagt er: "Zwei, drei kleine Lädchen würden dem Kiez gut tun, vielleicht Boutiquen oder ein Studio von einem guten Tätowierer."

Und in puncto Gastronomie: "Lücken, die entstehen, bieten Chancen, dass sie anders gefüllt werden – so wie jetzt mit der Jäkbar. Vielleicht hat man das Glück, dass auch andere leerstehende Locations mit Qualität gefüllt werden." Beim ehemaligen Nosh't sei das etwas schwieriger aufgrund der Größe des Lokals. "Auch hier sind Dinge vorstellbar, etwa ein Pop-up mit verschiedenen Köchen oder eine andere Nutzung als die gastronomische."

Bahnhofsvorstadt in Heilbronn: Ideen zur Stadtentwicklung ausprobieren

"Die Bahnhofsvorstadt ist prädestiniert dafür, Ideen auszuprobieren." Mucha selbst hat einige davon. Pop-Up-Gastronomien auf der nahen Neckarwiese oder ein Picknick-Sonntag dort – wohl wissend, dass es sich um die schattige Uferseite handelt. Temporär mal ein, zwei Sträßchen als autofrei auszuprobieren – auch das wäre eine Option in Muchas Augen. Wichtige Verbindungen hat die Stadt bereits als Fahrradstraßen ausgewiesen, was laut Pressestelle der Stadt Heilbronn "zur Attraktivierung des Radverkehrs beitrage". 

"In Heilbronn fehlt noch so ein Ort, wo sich alle automatisch treffen, gerade auch Studenten. Wo man erfährt, wo WG-Partys stattfinden oder ein Job frei wird", sagt Mucha. Möglicherweise etabliert sich so ein Ort gerade in der Bahnhofsvorstadt. "Ich glaube, dass die Leerstände dort nicht auf ewig sind. Heilbronns Entwicklung geht weiter, und das wird abstrahlen auf die Bahnhofsvorstadt." Muchas Dreiklang für den Erfolg: "Man braucht ein bisschen Mut, ein bisschen Glück und ein bisschen Unterstützung." 




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