Was Heilbronn zur attraktiven Stadt für junge Menschen machen soll
In einem neuen Sammelband beleuchtet der Heilbronner Verein für Zukunftsvisionen Aspekte, die die Stadt für junge Menschen attraktiver machen könnten. Die Mitglieder wollen die Innenstadt lebendiger machen und die Bahnhofsvorstadt in eine Art Kiez verwandeln.

Ein Schwarm, vor allem junger Menschen, der in die Stadt kommt und bleibt - das ist der große Traum des Heilbronner Vereins für Zukunftsvisionen. "Heilbronn auf dem Weg zur Schwarmstadt?" heißt so auch ein neuer Sammelband, den die Vorstände des Vereins, DHBW-Professorin Yvonne Zajontz und Robert Mucha, herausgebracht haben.
Nicht nur sie kommen darin zu Wort, auch andere Akteure wie der Chef der Heilbronn Marketing GmbH, Steffen Schoch, oder die Leiterin der Stabsstelle Partizipation und Integration, Roswitha Keicher, schildern in den 21 Kapiteln ihre Sicht auf die Stadt.
Bei allem Lob für die Entwicklung Heilbronns in den letzten Jahren geht es in dem Buch aber auch um Punkte, in denen die Stadt noch "Luft nach oben" hat, wie Robert Mucha es ausdrückt.
Heilbronn gehört zu den sichersten Städten, fühlt sich aber nicht sicher an
Schon 2017 hatten die beiden Herausgeber eine repräsentative Studie durchgeführt, um herauszufinden, welche Aspekte die Heilbronner besonders positiv oder negativ bewerten. 2020 folgte eine weitere Studie, um auf die Entwicklung in den drei Jahren zu schauen.
Die Umfragen zeigen: Besonders in den Bereichen öffentliche Verkehrsmittel, Kultur- und Nachtleben sowie Sicherheitsgefühl gibt es Verbesserungswünsche. Dass die Studienteilnehmer beim Thema Sicherheit nur die Durchschnitts-Schulnote 3,1 (2017: 2,9) vergeben haben, sei ein überraschendes Ergebnis: "Alle Statistiken zeigen, dass Heilbronn zu den sichersten Städten überhaupt gehört", sagt Yvonne Zajontz. Doch das subjektive Gefühl ist offenbar ein anderes.
Wichtige Strukturveränderungen im Bereich Kultur angestoßen
Außerdem würden vielen Heilbronnern ein pulsierendes Stadtleben und vielseitige Kulturangebote fehlen, berichtet Robert Mucha. Gerade diese seien aber entscheidend auf dem Weg zur Schwarmstadt. Das Nachtangebot des ÖPNV sei ebenfalls ein Teil davon, der noch ausgebaut werden müsste. Dennoch sagt Mucha: "Es sind schon wichtige Strukturveränderungen geschehen."

In den kommenden Jahren rechnet er mit mehr Kultur- und Freizeitangeboten, großen und kleinen, gerade für eine jüngere Zielgruppe, wie Poetry Slams oder Festivals. Dass Heilbronn nun auch ein soziokulturelles Zentrum bekommt, hält er für einen wichtigen Schritt.
Insgesamt, betonen Zajontz und Mucha, habe sich die Wahrnehmung der Stadt seit 2017 verbessert. "Am eindrücklichsten", so Mucha, sehe man das an der Statistik, wie viele Heilbronner Freunden einen touristischen Besuch in der Stadt empfehlen würden. "Das sind im Vergleich zu 2017 fast zehn Prozent mehr", berichtet er. Die Buga, die Experimenta und die Entwicklung des Bildungscampus hätten zu dieser Verbesserung beigetragen.
Bahnhofsvorstadt als "aufstrebendes Viertel mit Kiez-Potenzial"
Im Dynamikranking 2020 der Wirtschaftswoche ist Heilbronn zudem auf Platz drei gelandet. "Es ist also schon Tempo drin", sagt Mucha. Deutlich, meint er, werde das auch durch die Entwicklung der Bahnhofsvorstadt. "Sie wird öffentlich als aufstrebendes Viertel mit Kiez-Potenzial wahrgenommen." Dort gebe es alle Zutaten, die man für ein atmosphärisches, vielseitiges Viertel brauche. Die Heilbronner Innenstadt hingegen müsse noch mehr "zum Erlebnis" werden, mit weniger Leerständen und einer besseren Mischung aus Gastronomie, Shopping und sogenannten "Wissensinseln", in denen sich zum Beispiel Bildungsinstitutionen den Bürgern mit kreativen Angeboten präsentieren könnten.
Generell wünschen sich Yvonne Zajontz und Robert Mucha, dass viele der Ideen aus ihrem neuen Sammelband umgesetzt werden können. Das funktioniere aber nur, wenn es viele "Multiplikatoren und Influencer" gebe, die das Konzept "Schwarmstadt Heilbronn" weiterentwickeln und nach außen tragen.



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