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Bahnchaos zwischen Stuttgart und Heilbronn: Fahrgäste schildern „aggressive Szenen“

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Noch bis 3. April ist der Bahnverkehr zwischen Stuttgart und Heilbronn stark eingeschränkt. Klagen über überfüllte Züge reißen nicht ab, Fahrgäste berichten sogar von Rangeleien an den Zugtüren.


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Der Zug, der am frühen Abend Heilbronn Richtung Stuttgart verlässt, ist viel zu kurz. Auf dem Bahnsteig drängen sich Menschen, versuchen einen Platz zu ergattern. Schnell ist die Bahn hoffnungslos überfüllt. Der Lokführer sagt über den Lautsprecher, er könne nicht weiterfahren. Fahrgäste mögen doch bitte auf den nächsten Zug ausweichen. Der fährt in einer Stunde. Schließlich setzt sich die Bahn doch noch in Bewegung. 

Diese Szene hat sich vorvergangene Woche abgespielt. Fahrgast Thomas Proksch hat ähnliches auf derselben Linie in Bietigheim und Ludwigsburg erlebt. Er berichtet von „unschönen aggressiven Szenen“ am Bahnsteig: Fahrgäste drängten sich in den Zug, „andere kamen nicht raus“.

Strecke Stuttgart -Heilbronn: Chaos wegen Baustelle in Walheim

Seit der Zugverkehr auf der sogenannten Frankenbahn wegen einer Baustelle in Walheim stark eingeschränkt ist, reißen die Klagen wegen überfüllter Züge nicht ab. Statt in der Regel drei Verbindungen pro Stunde und Richtung  gibt es derzeit nur eine. Der stündliche Regionalexpress, betrieben von Arverio, fährt zwischen Stuttgart und Heilbronn durch und hält ausnahmsweise auch in Lauffen. 

Fahrgäste drängen am Bahnhof Heilbronn in einen Zug nach Stuttgart. Szenen wie hier Ende Februar wiederholen sich auf der Strecke.
Fahrgäste drängen am Bahnhof Heilbronn in einen Zug nach Stuttgart. Szenen wie hier Ende Februar wiederholen sich auf der Strecke.  Foto: Alexander Hettich

Die Metropolexpress-Linien sind hingegen gekappt, zwischen Bietigheim und Lauffen verkehren Ersatzbusse. Weil Arverio gleichzeitig Züge in der Werkstatt hat, die auf das Signalsystem ETCS umgerüstet werden, ist Material knapp. Gegenüber dem Start der Baustellenphase hat sich die Situation laut Landesverkehrsministerium schon verbessert. So würden überwiegend lange Züge eingesetzt. „Um dies zu ermöglichen, wurden auch Fahrzeuge aus anderen Linien getauscht“, teilt ein Sprecher mit. 

Trotzdem kommt es immer noch dazu, dass viel zu kurze Züge unterwegs sind, wie die geschilderten Fälle zeigen. Manche fordern, dass Arverio wieder die museumsreifen Silberlinge des Verleihers TRI einsetzt, die schon auf der Strecke unterwegs waren. Das Ministerium winkt ab: „Die Anzahl der Anbieter für solche Leistungen ist sehr überschaubar. Es gab kein Angebot auf dem Markt, dem man den Zuschlag hätte geben können.“

Umrüstung auf neues Signalsystem: Züge sind knapp 

Können nicht zwei Regionalexpresszüge pro Stunde fahren statt nur einem? Das gebe „die Kapazität in der Baustellenzeit nicht her“, heißt es seitens des Ministeriums. Auch noch längere Züge einzusetzen, sei nicht möglich – nördlich von Heilbronn gibt es Bahnhöfe, an denen die Bahnsteige dafür zu kurz sind.  


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Die Umrüstung der Züge auf ETCS erfolgt im Zusammenhang mit dem Projekt Stuttgart 21, dessen Fertigstellung sich abermals verschiebt. Dadurch entspannt sich der Zeitplan der Umrüstung offenbar aber nicht. Ein solcher Effekt sei „bedauerlicherweise nicht spürbar“, teilt das Ministerium mit, Züge seien nach wie vor knapp. 

Eine einzige gute Nachricht gibt es für Pendler: Im Moment deute nichts daraufhin, dass die Baustelle in Walheim länger dauert als bis zum 3. April. Schon im Sommer kommt es laut Baustellenfahrplan von Arverio, der unserer Redaktion vorliegt, wieder zu Einschränkungen auf der Strecke. Details sind noch nicht bekannt. Für Bauarbeiten ist nicht Arverio zuständig, sondern die DB-Infrastrukturtochter DB Infrago. 




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