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Bahnchaos zwischen Stuttgart und Heilbronn – Lösung für volle Züge gesucht

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Noch bis 3. April fallen zwischen Stuttgart und Heilbronn wegen Bauarbeiten viele Züge aus. Die verbliebenen sind häufig überfüllt. Betreiber und Land versprechen Abhilfe. Das ist geplant.  


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Der Zug der Linie RE8 verlässt Stuttgart kurz vor 7 Uhr in Richtung Heilbronn. Spätestens ab Ludwigsburg gibt es kaum noch Plätze, ab Lauffen stehen die Fahrgäste dicht gedrängt im Gang. Das war vergangene Woche das übliche Bild im Berufsverkehr.  Und das ist die weniger frequentierte Richtung aus der Landeshauptstadt hinaus. Morgens in Richtung Stuttgart und abends retour war die Situation nach Berichten von Passagieren noch angespannter. „Die Folge war, dass die Zugreisenden weniger Platz hatten, als bei jedem Viehtransport nach EU-Richtlinien“, schreibt ein Nutzer.

Wegen einer Baustelle am Bahnhof Walheim ist der Zugverkehr zwischen Stuttgart und Heilbronn noch bis 3. April stark ausgedünnt. Die sogenannten Metropolexpress-Züge, betrieben von der Deutschen Bahn, sind zwischen Bietigheim und Lauffen unterbrochen, auf diesem Abschnitt verkehren Busse als Ersatz. 

Bahnverkehr zwischen Stuttgart und Heilbronn ausgedünnt: Ersatzbusse statt Züge auf der Frankenbahn 

Für Reisende ist das nicht sehr attraktiv, weil die Fahrzeit durch die Busse wesentlich länger wird. Viele drängen sich also in die einzig verbliebene, durchgehende Verbindung – den vom Unternehmen Arverio betriebenen RE 8, der in der Regel stündlich Stuttgart über Heilbronn mit Würzburg verbindet. Aber selbst wenn er regulär verkehrt, fehlen vorübergehend zwei Drittel der üblichen durchgehenden Verbindungen. 

Hinzu kommt: Das Fuhrpark-Management bei Arverio ist derzeit besonders heikel.  Üblicherweise fährt das Unternehmen Züge der Marke Flirt, hergestellt von Stadler aus der Schweiz. Viele dieser Arverio-Züge im gelben Landesdesign sind derzeit allerdings in der Werkstatt, sie werden auf das neue Signalsystem ETCS umgerüstet, das im Zuge von Stuttgart 21 in weiten Teilen des Landes Standard wird. 

Überfüllter Regionalexpress zwischen Stuttgart und Heilbronn am 9. Februar: Nur ein Drittel der üblichen, durchgehenden Verbindungen fährt.
Überfüllter Regionalexpress zwischen Stuttgart und Heilbronn am 9. Februar: Nur ein Drittel der üblichen, durchgehenden Verbindungen fährt.  Foto: Alexander Hettich

ETCS-Umrüstung bei Arverio: Flirt-Züge fehlen und Ersatzflotte sorgt für Ausfälle

Weil die Züge fehlen, bekommt Arverio vom Land Ersatz und kann vorübergehend andere Bahnen einsetzen:  Wagen vom Typ Talent des Herstellers Bombardier. Diese allerdings, so ist zu hören, sind unzuverlässig. Das Verkehrsministerium bestätigt auf Stimme-Nachfrage, es komme bei der Ersatzflotte „gelegentlich zu Ausfällen“. 

Wenn das passiert, muss Arverio mit seiner arg reduzierten Stammflotte jonglieren, den bekannten Flirt-Zügen. Das Land hat auf diesen Verbindungen je Zug 270 Sitzplätze bestellt. Ein Talent-Ersatzzug, so er denn eingesetzt werden kann, hat bis zu 315 Plätze. Werden aber notgedrungen kurze Züge aus der Stammflotte eingesetzt, bleibt Arverio sogar unter den vereinbarten 270 Sitzen.

Arverio will ab 21. Februar mehr eigene Züge einsetzen 

Dann sind Plätze knapp, zumal im gegenwärtigen Baustellen-Schlamassel. Zwei komplette Züge aneinander zu hängen geht laut Arverio ohnehin nicht, weil nördlich von Heilbronn die Bahnsteige zu kurz sind. In Boxberg ist das etwa der Fall. 

Für Fahrten zwischen Stuttgart und Heilbronn wäre das kein Argument, hier sind die Bahnsteige in Ludwigsburg, Bietigheim und Lauffen lang genug. Weiter nach Norden ging die Reise vergangene Woche ohnehin nicht, weil bis Freitag 13. Februar, die Bahnstrecke nördlich von Heilbronn gesperrt war. Trotzdem schickte Arverio auch vergangene Woche kurze Züge auf die Reise, es fehlt einfach an Wagenmaterial.  

„Es wird aktuell intensiv nach einer kurzfristigen Lösung zur Ausweitung der Kapazität der besonders belasteten Züge im Berufsverkehr gesucht“, teilt das Verkehrsministerium mit. Konkreter wird der Betreiber Arverio: Ab dem 21. Februar sollen wieder mehr Züge der eignen Flotte, Modell Flirt, zur Verfügung stehen und auf der Frankenbahn eingesetzt werden. Dann könnten die Flirt auch als sogenannte Sechsteiler gefahren werden, dann ergäben sich fast 330 Sitzplätze. 




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