Das Konzept Aufbruch Innenstadt hatten die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen, Freien Wählern, FDP und den Unabhängigen für Heilbronn bereits im Laufe des Jahres 2024 entwickelt. Es wurde im November 2024 mit großer Mehrheit im Gemeinderat verabschiedet. Als Sofortmaßnahmen für die Innenstadt wurden die Fortsetzung des Gründerwettbewerbs, bargeldloses Handyparken, die Steigerung der Aufenthaltsqualität durch mobile Grünelemente, die Sanierung der Turmstraße und die Einführung einer Müllpolizei genannt. Zahlreiche dieser Projekte waren schon seit Jahren geplant. Die Umsetzung der Maßnahmen, für die die Stadt eine Million Euro in Aussicht gestellt hat, sollte bis Ende 2026 erfolgen. Formal hat der Gemeinderat das Konzept am 8. Mai auf den Weg gebracht werden.
Stadtentwicklung in Heilbronn soll endlich Fahrt aufnehmen
Mit insgesamt 30 Maßnahmen soll das Heilbronner Stadtzentrum belebt werden. Nach monatelangem Stillstand machen Gemeinderäte Druck – nun sollen neue Personalien Tempo bringen.
Der Aufbruch Innenstadt steht offenbar vor seinem dritten Frühling. Allerdings waren die ersten beiden Anläufe des ehrgeizigen Zukunftsprojekts zur Stärkung des Heilbronner Handels und der Innenstadtbelebung allenfalls laue Lüftchen. Viele Stadträte jedenfalls beklagen derzeit einen anhaltenden Stillstand, nachdem am 8. Mai 2025 im Heilbronner Gemeinderat ein 30-Punkte-Sofortprogramm auf den Weg gebracht wurde, das bis Ende 2026 umgesetzt werden sollte.
Kernpunkte dieses 30-Punkte Planes, das die Räte parteiübergreifend monatelang in Eigenregie vorbereitet hatten, sehen einen Gründerwettbewerb, die Einrichtung eines Quartierzentrums, die Sperrung der Gerberstraße für den Verkehr, die Gründung einer Innovationsfabrik für den Handel und die Schaffung eines Kompetenzzentrums Innenstadt und eines zusätzlichen Kümmerers vor.
30-Punkte-Plan für Heilbronner Innenstadt bleibt hinter Erwartungen zurück: Ernüchterung im Rat
Doch inzwischen ist nicht nur bei den Stadträten Ernüchterung eingekehrt. „Nach wie vor erkennen wir nicht, dass sich jemand an der Verwaltungsspitze mit Leidenschaft um die Innenstadt kümmert“, kritisiert Tanja Sagasser-Beil. „Gute Ideen und konkrete Beschlüsse liegen vor. Entscheidend ist jetzt ihre zügige Umsetzung“, fordert die Co-Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion.
Gemeinsam mit den Grünen hatte die SPD in einer Anfrage vom Anfang Februar 2026 an das Rathaus das Personalchaos an den entscheidenden Stellen kritisiert. Es sei derzeit nicht mehr nachvollziehbar, welche der Rollen, die den Aufbruch Innenstadt umsetzen sollen, noch wahrgenommen werden, heißt es in der Anfrage. „Wir brauchen das Tempo vom Stadionprojekt - und sichtbare Erfolge“, schlägt CDU-Stadtrat Christoph Troßbach in dieselbe Kerbe.
Kompetenzgerangel im Rathaus bremst Projekt Aufbruch Innenstadt aus
Besonders groß war die Enttäuschung bei allen Beteiligten, als Ende Januar bekannt wurde, dass die erst Ende November aufs Schild gehobene Nadine Izquierdo, als Leiterin des Kompetenzzentrums Innenstadt, die Stelle bereits wieder verlässt und die Leitung der Pressestelle im Rathaus übernimmt. Die Gründe für den Schritt lagen eher im Dunkeln. Nach Stimme-Informationen blieb die 38-Jährige aber im Kompetenzgerangel zwischen Baubürgermeisteramt, Wirtschaftsförderung und der Heilbronn Marketing GmbH (HMG) auf der Strecke.
Die Kümmererstelle war bisher gar nicht erst besetzt worden. Nun zeichnen sich aber konkrete Lösungen aber. „Ab Mitte April übernimmt Amos Heuss die Leitung des Kompetenzzentrums Innenstadt“, teilt die Rathaus-Pressestelle auf Anfrage mit. Derzeit bekleidet der gebürtige Stuttgarter, der zuletzt im Kulturamt der Landeshauptstadt den Planungsstab des neuen Kulturzentrums „Villa Berg“ leitete, übergangsweise schon die Stelle des Kümmerers in der Heilbronner Innenstadt.
Neue Personalentscheidungen sollen frischen Schwung in Innenstadtentwicklung bringen
Die Besetzung der Stelle des Kümmerers soll nach dessen Dienstantritt im Juni bekanntgeben werden. Nach Informationen der Heilbronner Stimme soll es sich um Hans-Joachim Kurz handeln, der derzeit noch stellvertretender Bereichsleiter Tourismus bei der HMG ist. Mit den Personalien verbinden sich große Hoffnungen und Forderungen.
„Endlich kommt Schwung in die Sache. Diese Neubesetzung bringt hoffentlich die notwendige Umsetzungsgeschwindigkeit“, sagt Christoph Troßbach. „Zentral ist jetzt, dass der künftige Kümmerer als erstes den Kontakt zu den Innenstadtakteuren sucht, Vertrauen aufbaut und verbindliche Strukturen schafft“, ergänzt Tanja Sagasser-Beil. Das seien auch die dringenden Forderungen, die aus dem Einzelhandel und dem Verein Stadtinitiative immer wieder genannt werden.
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