Kopflose Stadtentwicklung in Heilbronn: Chefin nach zwei Monaten wieder weg
Kaum im Amt, schon wieder fort: Der schnelle Abgang der Leiterin der Innenstadtentwicklung wirft ein Schlaglicht auf strukturelle Probleme der Stadt Heilbronn.
In der Stadtverwaltung Heilbronn sorgt derzeit eine Personalie für Gesprächsstoff. Nachdem das Zukunftsprojekt Aufbruch Innenstadt, das am 8. Mai mit 30 Sofortmaßnahmen gestartet war, nicht recht in die Gänge kam, stellte Harry Mergel nun endlich Ende November 2025 die Person vor, die das Konzept schnell umsetzen soll: Nadine Izquierdo wurde die Leitung des Kompetenzzentrums Innenstadt übertragen.
Gleichzeitig sollte die vom Heilbronner Gemeinderat geforderte Stelle eines Kümmerers für das Stadtzentrum zeitnah besetzt werden.
Wechsel an Spitze des Innenstadtprojekts Heilbronn: Rückkehr nach zwei Monaten
Doch nur zwei Monate später heißt es in der Stadtverwaltung zurück auf Los. Denn Nadine Izquierdo verlässt zum 30. April die neu eingerichtete Kompetenzstelle schon wieder und wechselt dahin, wo sie herkam. Die 38-Jährige übernimmt die Leitung der Pressestelle der Stadt und wird zudem stellvertretende Leiterin des Büros des Oberbürgermeisters. Izerquo, die bereits zuvor vier Jahre in der Pressestelle gearbeitet hat, wird damit Nachfolgerin von Suse Bucher-Pinell, die altershalber ausscheidet. Die Stadt versucht, die Personalie als normalen Vorgang zu verkaufen.

„Wir sind auf alles vorbereitet und werden in der Stabsstelle ohne Unterbrechung weiterarbeiten“, versichert Harry Mergel, der von „der besten Bewerbung und einem einstimmigen Beschluss im Verwaltungsausschuss“ spricht. „Die Maßnahmen im Bereich Aufbruch Innenstadt sind schon in der Umsetzung und werden weiterhin umgesetzt“, versichert der Heilbronner Oberbürgermeister.
Stadtspitze betont Kontinuität, doch Zweifel an nachhaltiger Umsetzung wachsen
Bei den Partnern der Stadt sorgen die jüngsten Entwicklungen dennoch für Unruhe. Die Stadtinitiative (SI), die mit dem in die Wege geleiteten Aufbruch Innenstadt hohe Erwartungen verknüpft hat, hoffte gerade in diesem Jahr auf konkrete und wirksame Ergebnisse für ihre Mitglieder im Einzelhandel und in der Gastronomie.
„Ziel muss es jetzt sein, den Gewerbetreibenden ein verlässliches Signal zu geben, dass der jahrelange Einsatz und der oft existenzielle Kampf der vergangenen Jahre nicht vergebens war“, betont Ergjan Terzici. Daher müsse die Schlüsselposition zeitnah mit einem mindestens gleichwertigen Ansprechpartner besetzt werden und ein nahtloser Übergang gewährleistet sein, stellt der Co-Vorsitzende der SI klar. Er fordert zudem „eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stabstelle Innenstadt in der Koordinierungsrunde zwischen zuständigen Bürgermeistern, Heilbronn Marketing GmbH und der Stadtinitiative“.
Kompetenzgerangel hinter den Kulissen
Wie aus gut unterrichteten Kreisen im Rathaus zu erfahren war, ist die neue Kompetenzstelle vor allem am Kompetenzgerangel anderer städtischer Institutionen gescheitert. Dabei stehen die bei Finanzbürgermeister Martin Diepgen angesiedelte Wirtschaftsförderung, die Heilbronn Marketing GmbH mit dem City-Management und die beim Oberbürgermeister angesiedelte Pressestelle der Stadt im Fokus.
Die Differenzen sollen intern offenbar so weit gegangen sein, dass die Koordinierungsrunde aller Beteiligten zweitweise handlungsunfähig wurde, weil man sich über formale Fragen nicht einig wurde.
Bereits am 11. November 2024 wurde von Stadtverwaltung und einer parteiübergreifenden Ratsmehrheit ein gemeinsamer Antrag für die Zukunft der Heilbronner Innenstadt verabschiedet, der eine Acht-Punkte-Strategie zur nachhaltig positiven Entwicklung und Stärkung der Innenstadt vorsah. Am 8. Mai 2025 wurde im Gemeinderat schließlich ein 30-Punkte-Sofortprogramm auf den Weg gebracht, dessen Kernstück die Einrichtung eines Quartierzentrums und die Schaffung einer Innovationsfabrik für den Handel vorsah. Am 19. November wurde schließlich Nadine Izquierdo als Leiterin des Kompetenzzentrums Innenstadt vorgestellt. Die vom Rat geforderte Stelle eines Kümmerers ist bis heute unbesetzt.
Sorgen im Heilbronner Gemeinderat
In Gemeinderat, der das Konzept „Aufbruch-Innenstadt“ parteiübergreifend auch teilweise gegen den Widerstand der Stadtverwaltung durchgesetzt hat, wird die Entwicklung mit großen Sorgen gesehen. „Jeder Tag, an dem es mit der Innenstadt nicht vorangeht, ist ein verlorener Tag“, kritisiert Christoph Troßbach, der das Konzept Aufbruch Innenstadt mitentwickelt hat. „Wir fordern seit 2021 klare Strukturen, klare Zuständigkeiten und keine Doppelungen in der Verwaltung, aber bis heute ist nichts passiert“, ärgert sich der CDU-Stadtrat.
„Es ist bedauerlich, dass es jetzt so gelaufen ist“, sagt Tanja Sagasser-Beil. Nadine Izquierdo könne man ihren internen Wechsel nicht vorwerfen, so die SPD-Stadträtin. Sie kritisiert aber, dass der gesamte Prozess zur Stärkung der Innenstadt insgesamt viel zu lange gedauert hat: „Die strategische Entwicklung hätte man bereits vor zehn Jahren in die Wege leiten müssen.“
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