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Aufbruch Innenstadt 
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Heilbronner Kompetenzzentrum soll Innenstadt-Entwicklung schneller voranbringen

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Die Stadt Heilbronn verweist auf erste Fortschritte beim Zukunftskonzept Innenstadt. Doch zentrale Projekte wie der Gründerwettbewerb, die Innovationsfabrik und die Sperrung der Gerberstraße verzögern sich – und der Gemeinderat übt Kritik.


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Der Aufbruch Innenstadt kommt nur mühsam in Gang. Zwar hat die Verwaltung seit der Verabschiedung der Initiative im Heilbronner Gemeinderat im Mai einige Maßnahmen umgesetzt, andere sind allerdings noch in Planung oder verzögern sich. Kernstück des Beschlusses, der auf Initiative von mehreren Fraktionen zustande kam, ist ein 30-Punkte-Sofortprogramm, in dessen Mittelpunkt die Einrichtung eines Quartierzentrums in der Innenstadt, die Schaffung einer Innovationsfabrik für den Handel und die Verzahnung des Bildungscampus Süd mit der Innenstadt stehen. Eine Million Euro sind für die Maßnahmen eingeplant.            

Aufbruch Innenstadt: Ernüchterung in Heilbronn

Bei vielen Akteuren ist allerdings zwischenzeitlich Ernüchterung eingekehrt. Denn vom Aufbruch Innenstadt ist im Vorweihnachtsgeschäft noch nicht viel zu sehen. „Der Aufbruch Innenstadt ist nicht gescheitert – er hat noch nicht richtig begonnen“, kritisiert Christoph Troßbach, der mit seiner umstrittenen Forderung nach einer Obergrenze für Dönerläden und Barbershops die Diskussion um eine Aufwertung der Heilbronner Innenstadt angefacht hatte. Der CDU-Stadtrat fordert nun „einen spürbaren Beweis“, dass sich etwas tut. Auch unsereStimme-Autorin Tanja Ochs meint: Die Ergebnisse der Innenstadtinitiative müssen erlebbar sein

Die Heilbronner Innenstadt steht im Fokus zahlreicher Maßnahmen zur Belebung und Aufwertung.
Die Heilbronner Innenstadt steht im Fokus zahlreicher Maßnahmen zur Belebung und Aufwertung.  Foto: Archiv/Seidel

Konkret wünscht sich Troßbach, dass „die Stadt verstärkt Schlüsselobjekte in der Innenstadt kauft und entwickelt.“ Ratskollegin Tanja Sagasser-Beil kritisiert die mangelnde Bürgerbeteiligung. „Diese wurde uns auch mehrmals von der Verwaltung zugesagt, bisher jedoch nicht umgesetzt“, klagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Lob gab es dagegen für soziale Projekte, wie die Einrichtung des Jugendtreffs im Wollhaus, der seit Juli 2025 eröffnet ist. „Wir erwarten jetzt zeitnah die Eröffnung eines Quartiersbüros als Treffpunkt für Gruppen und Vereine“, betont Sagasser-Beil. 

Stadtinitiative Heilbronn: Neue Aktionen statt Sparkmünze

Nachdem auch die Stadtinitiative Heilbronn mehr Tempo für die Innenstadt fordert, hat die Verwaltung nun reagiert und bringt am 27. November einen Sachstandsbericht „Zukunft Innenstadt“ in die nächste Gemeinderatssitzung ein. Gleichzeitig stellt sie den Antrag, die Aktion „Sparkmünze“ auf Wunsch der Stadtinitiative einzustellen und die frei werdenden Mittel im kommenden Jahr für andere Aktionen einzusetzen, die sich positiv auf Handel und Gastronomie in der Innenstadt auswirken.

Zusätzlich soll der Rat die Verwaltung beauftragen, zunächst ein dezentrales Konzept zur Quartiersarbeit Innenstadt zu entwickeln. Die Einrichtung des beschlossenen Quartierszentrums werde aber weiterverfolgt.

Eine Überarbeitung der Gestaltungssatzung soll die Qualität der Angebote in der Heilbronner Innenstadt verbessern. „Es braucht eine Gesamtidee, um die Feinsteuerung hinzukriegen“, betont Christoph Rundel. Der Architekt und Stadtplaner setzt auf den Bebauungsplan als Regulativ für eine attraktive Weiterentwicklung der Stadt. Dazu soll ein externes Planungsbüro zunächst eine Analyse erstellen. „Teil des Auftrags ist, für bestimmte Bereiche Nutzungen zuzuordnen, mit dem Ziel, eine vitale, lebendige Stadt zu schaffen“, erläutert Rundel. Eine Obergrenze für bestimmte Nutzungen könne man aber nicht festsetzen. Im Jahr 2027 soll für das weitere Vorgehen ein Rahmenplan stehen. 

Mehr Licht und Einführung der Müllpolizei in Heilbronn

Für die Weiterentwicklung des Gesamtkonzepts ist künftig Nadine Izquierdo zuständig, die aus der Pressestelle der Stadt kommt und die Leitung des Kompetenzzentrums Innenstadt übernommen hat. Die vom Gemeinderat im Mai geforderte Stelle eines Kümmerers soll zeitnah ausgeschrieben und zusätzlich besetzt werden. Auch die Bürgerbeteiligung soll gestärkt werden.

Beim Blick auf die bisher umgesetzten Sofortmaßnahmen nennt Izquierdo die Einführung des Handyparkens, die Aktion „Lass doch mal das Licht an“, mit der Geschäfte in der Innenstadt ihre Schaufenster bis 23 Uhr beleuchten, die Einrichtung des Jugendtreffs Am Wollhaus 17 und die Steigerung der Aufenthaltsqualität durch neue Grünelemente. Auch die Einrichtung der Müllpolizei „Waste Watcher“ seit November, die Verbesserung der Beleuchtung auf dem Marktplatz und eine Videoserie in Sozialen Medien nennt die Leiterin des Kompetenzzentrums Innenstadt. „Zeitnah wollen wir auch eine Schaufenstergestaltung für Leerstände umsetzen“, betont Nadine Izquierdo. Außerdem sei für den 10. Oktober 2026 eine lange Nacht der Kultur geplant. Viele große und kleine Maßnahmen sind aus ihrer Sicht Teil des Konzepts.                   

Verzögerungen beim Heilbronner Gründerwettbewerb und der Sperrung der Gerberstraße 

Verzögerungen gibt es aufgrund von Leitungsarbeiten beim geplanten mediterranen Gässle am Wollhaus. Auch der Gründerwettbewerb „Innenstadt 2.0“ und die zu schaffende Innovationsfabrik Handel kommen später als gedacht, weil die Verwaltung zunächst auf eine Förderzusage für den Wettbewerb warten muss. Allerdings überprüfe man verfügbare Objekte für die Innovationsfabrik. Der geplante Verkehrsversuch mit der Sperrung der Gerberstraße muss wegen Fernwärmearbeiten auf 2027 verschoben werden. „An dem ganzen Bündel an Maßnahmen, über das wir reden, sieht man, wie viele Akteure man für den Erfolg braucht“, unterstreicht Harry Mergel. Der Erfolg der Innenstadt hänge nicht an einer großen Maßnahme, man müsse täglich sein Bestes geben.




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