Paukenschlag bei Lidl: Melanie Köhler verlässt Unternehmen

Neckarsulm  Die 30-Jährige war zuletzt Vorstandsvorsitzende der Schwarz Dienstleistungen und galt als Kandidatin für die Führung der Unternehmensgruppe um Lidl und Kaufland. Ihre Aufgaben übernimmt ihr Förderer Klaus Gehrig.

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Melanie Köhler. Foto: Lidl

Wie die „Lebensmittel Zeitung“ (LZ) berichtet, gehen die Schwarz-Gruppe und Melanie Köhler in Zukunft getrennte Wege. Die 30-Jährige war Vorstandsvorsitzende der Schwarz Dienstleistungen, in der ein Großteil der zentralen Funktionen der Unternehmensgruppe gebündelt sind.

Köhler war darüber hinaus auch eines der wenigen Mitglieder der Gesellschafterversammlung der Schwarz Unternehmenstreuhand. Sie war damit Teil des innersten Machtzirkels und galt seit einigen Jahren als aussichtsreiche Kandidatin für die Führung der Unternehmensgruppe. Die hat Klaus Gehrig inne, der die 30-Jährige entdeckt und gefördert hat. Er übernimmt nun kommissarisch ihre Aufgaben.

Im Unternehmen ist die Überraschung groß

Klaus Gehrig war es auch, der laut „Lebensmittel Zeitung“ die Trennung „ordentlich über die Bühne bringen musste“. Im Unternehmen, so ist zu hören, war die Überraschung riesig, als gestern am frühen Abend intern ein Schreiben von Klaus Gehrig verschickt wurde, in dem er mitgeteilt hat, dass Köhler das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt.

Hinter der kurzen internen Mitteilung, in der die Verbundenheit zwischen Köhler und Gehrig deutlich wird, verbirgt sich der Fachzeitung zufolge offenbar ein Machtkampf. Dem Vernehmen nach war das Verhältnis von Köhler und Klaus Gehrigs designiertem Nachfolger Gerd Chrzanowski (49) zunehmend angespannt. Intern war immer häufiger gemutmaßt worden, dass Köhler Chrzanowski doch noch überholen könne.

Zum Knall kam es wohl in den Tagen vor Klaus Gehrigs 73. Geburtstag am vergangenen Sonntag. Gerd Chrzanowski soll nach LZ-Informationen noch zwei Jahre Lidl-Vorstandschef bleiben, um dann zunächst gemeinsam mit Gehrig die Leitung des Unternehmens zu übernehmen, das seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr dem Vernehmen nach auf knapp 125 Milliarden Euro gesteigert hat.

Traumhafter Aufstieg von Köhler

Melanie Köhler hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Als Schülerin hat die Managerin in Bad Friedrichshall Anzeigenblätter ausgetragen, sich zur Tanzlehrerin ausbilden lassen und bei Takko gejobbt. Nach ihrem Studium hatte sie bei Lidl ihre erste Stelle als Verkaufsleiterin inne. Kurze Zeit später wurde Klaus Gehrig auf sie aufmerksam, hatte sie in die Zentrale geholt und zu seiner rechten Hand aufgebaut.

Klaus Gehrig
Klaus Gehrig. Foto: Lidl

Sie galt als Aushängeschild für Gehrigs Philosophie, Frauen zu fördern. Zunächst war Köhler von vielen Managern kritisch beäugt worden, hatte sich aber zunehmend Respekt verschafft. Ihr Bereich umfasste zuletzt Finanzen, Controlling, Produktion und das für die gesamte Gruppe immens wichtige Immobilienressort.

Im März 2020 hatte die Unternehmensgruppe bekannt gegeben, dass Gerd Chrzanowski Nachfolger von Klaus Gehrig werden soll. Immer wieder waren intern aber Zweifel aufgekommen, ob Gehrig, der bei Personalien nicht lange fackelt und nicht gerade zimperlich vorgeht, nicht doch noch seine Vertraute Köhler auf seinen eigenen Chefsessel befördert.

Gerd Chrzanowsky
Gerd Chrzanowsky. Foto: Lidl

Offiziell hatte Gehrig 2020 verkündet, dass er mit 75 ausscheiden wird, also in zwei Jahren. Viele Jahre war offen, wie es nach der Ära von Klaus Gehrig weitergeht. Nun sind die Würfel wohl gefallen, wer die Zukunft des Unternehmens von Dieter Schwarz (81) entscheidend gestaltet.

Wie man in Unternehmenskreisen hört, war Köhler mit die einzige Person, auf die Klaus Gehrig gehört hat. Eine, die dem Patriarchen auch mal widersprechen konnte. Bei anderen Lidl-Managern bedeutete das mitunter das Karriereende. Ein Insider beschreibt Köhler als sehr zielstrebig. Sie habe wie keine andere Führungskraft Digitalisierungsthemen vorangetrieben und viele Impulse gesetzt, um das Unternehmen in vielen Bereichen moderner und menschlicher zu machen.


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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