Stillgelegter Lerchenbergtunnel ist ein heikles Thema in Heilbronn

Heilbronn  Es gibt Ärger um Baumfällungen rund um den Lerchenbergtunnel in Heilbronn. Anwohner sind besorgt um Grünflächen und Gehölze - und auch der Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" hat ein Wörtchen mitzureden.

Von Julian Ruf
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Arbeiter beginnen mit der Ausdünnung der Gehölze am Lerchenbergtunnel. Anwohner sind besorgt − und auch ein Verein hat ein Wörtchen mitzureden.

Foto: Julian Ruf

Schon vor einigen Tagen wurden die Bereiche, die an die Grünflächen im Wannental und der Silcherstraße in Heilbronn, rund um den stillgelegten Lerchenbergtunnel, grenzen, vorsorglich für parkende Autos gesperrt. Nun haben Fachkräfte mit dem Ausdünnen der Vegetation auf den Grünflächen begonnen. Der Tunnel und die dazugehörigen Flächen befinden sich im Besitz der Deutschen Bahn AG.

Anwohner befürchten kompletten Kahlschlag

Anwohnerin Andrea Jahn betrachtet im Vorbeigehen die Arbeiten mit einem skeptischen Blick. "Ich habe früher im Ausland gelebt, dort geht man meiner Meinung nach oft nicht so streng mit städtischen Grünflächen um wie in Deutschland", sagt sie. "Deshalb hoffe ich, dass hier möglichst viel an Grün stehen bleibt. Wir brauchen im Stadtbild einfach die Natur."

Besorgte Anwohner haben bereits Plakate an den aufgestellten Parkverbotsschildern angebracht, auf denen sie dazu auffordern, möglichst wenige Bäume zu fällen und die Natur zu erhalten.

Ein Arbeiter vor Ort erklärt, dass lediglich "einige tote Bäume und Geäst" entfernt werden müssten, um "die nötige Verkehrssicherheit für vorbeifahrende Fahrzeuge zu gewährleisten". Es handele sich dabei nicht um einen von Anwohnern befürchteten "Kahlschlag". Eine Pressesprecherin der Deutschen Bahn bestätigt die Aussage auf Nachfrage. "Die Arbeiten sind nur auf zwingend notwendige Maßnahmen begrenzt", erklärt sie. Davon betroffen seien hauptsächlich "alte und abgestorbene Bäume", um weiterhin das passende "Lichtraumprofil" für die Flächen zu gewährleisten.

Der Lerchenbergtunnel ist schon lange ein Streitthema

Das Thema "Lerchenbergtunnel" sorgte bereits in der Vergangenheit immer wieder für hitzige Diskussionen im Gemeinderat. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer möglichen Erschließung des Gebietes als Rad- und Fußweg war oft ein strittiger Punkt in den Debatten. Die etwa drei Hektar große Fläche, einschließlich 400 Meter langem Tunnel, befindet sich noch im Besitz der Deutschen Bahn. Vor einer Erschließung müsste die Stadt Heilbronn den Tunnel erwerben, wobei es wohl um Millionenbeträge geht. Erst kürzlich hat der Heilbronner Gemeinderat einem auf 120.000 Euro veranschlagten Gutachten zugestimmt, das endgültig klären soll, ob der stillgelegte Lerchenbergtunnel tatsächlich als Fuß- und Radweg in Frage kommt.

Der Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" setzt sich für eine Erschließung des stillgelegten Bahntunnels zwischen Heilbronner Süd- und Oststadt ein. Im vergangenen Jahr sammelte der Verein 1872 Unterschriften in einer Online-Petition und brachte so das Thema in den Gemeinderat. Ziel des Vereins ist nicht nur die Schaffung eines neuen, möglichst steigungsfreien Rad- und Fußweges, vielmehr soll es sich um einen "Erlebnisweg" handeln, der die Bedeutung der alten Bahnverbindung hervorhebt.

"Anwohner haben mich bereits per Mail auf die anstehenden Arbeiten an den Grünflächen rund um den Tunnel hingewiesen", erzählt der Vorsitzende des Vereins, Wolf Theilacker. "Wir wünschen uns als Verein, dass nur das Notwendigste an Natur wegkommt. Die vorhandenen Biotope und Pflanzenwelten sollen erhalten bleiben, damit sie auch in Zukunft zugänglich sind."


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