Was sich hinter dem neuen BW-Tarif verbirgt

Heilbronn  Der BW-Tarif soll von Dezember an Fahrten mit Bus und Bahn über Verbundgrenzen deutlich einfacher und günstiger machen. Stimme.de liegen erstmals konkrete Preise für einige Verbindungen vor. Es zeigt sich: Die Ansage von bis zu 35 Prozent Ersparnis stimmt in vielen Fällen.

Von Alexander Hettich
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Welches Ziel verfolgt das Land mit dem BW-Tarif?

„Ein Land, eine Fahrt, ein Ticket“: Dieses Versprechen will das Land einlösen. Die Ausgangslage ist einigermaßen verworren. Bei der Zahl der Verkehrsverbünde ist Baden-Württemberg top, 22 gibt es. Das ist kein Problem für den, der sich innerhalb der Verbundgrenzen bewegt also etwa im Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr (HNV) bleibt. Wer darüber hinaus fährt – Richtung Karlsruhe, Heidelberg oder Stuttgart – für den wird es kompliziert schnell teuer. Hier setzt der BW-Tarif an.

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Was genau steckt hinter dem BW-Tarif?

Kernelement ist die sogenannte Anschlussmobilität, die Fahrgäste von der City-Option der Deutschen Bahn kennen. In der Zone des Zielbahnhofs ist das Anschlussticket für Bus oder Straßenbahn inklusive. Das gilt auch für die Fahrt vom Startort zum Bahnhof, wenn diese ebenfalls in derselben Zone liegen. Günstiger wird es vor allem dadurch, dass das Land gegenüber den ursprünglichen Plänen rund 13 Millionen Euro jährlich drauflegt, um die Tarife zu drücken. Das Angebot gilt zunächst für Einzel- und Tagestickets, Zeitkarten wie Pendler-Abos sollen später integriert werden.

 

Wie ist die konkrete Ersparnis auf der Strecke Heilbronn-Stuttgart?

Wer derzeit am Heilbronner Hauptbahnhof zum Fahrkartenautomaten marschiert und ein Ticket in die Landeshauptstadt löst, zahlt dafür 12,90 Euro. Künftig werden es 9,90 Euro sein, mehr als 23 Prozent weniger. Ein Bonbon: Die Bus- oder Bahnfahrt zum Ziel in Stuttgart ist innerhalb der Kernzone inklusive. Man kann also ohne weitere Fahrkarte innerhalb der Stuttgarter Zone 10 etwa mit der U-Bahn weiter zum Fernsehturm fahren. Im Moment wäre dafür ein zusätzliches VVS-Ticket für 2,50 Euro nötig.

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Mit Handytickets und Tarifkenntnis ist es heute schon möglich, nah an die neuen BW-Tarife heranzukommen.

Wie sieht es von Heilbronn nach Karlsruhe aus?

Von Heilbronn zum Karlsruher Marktplatz sind im DB-Tarif am Automaten oder auf bahn.de 16,40 Euro und dann noch einmal 2,50 Euro im Stadtgebiet zu bezahlen. Nur: So fährt nur, wer sich nicht auskennt. Das Tagesticket Regio X des Karlsruher Verbands gibt es online, es kostet 18,60 Euro und gilt für die Hin- und Rückfahrt Karlsruhe-Marktplatz nach Heilbronn. Regio X wird aber nach stimme.de-Informationen Richtung Heilbronn nicht mehr gelten. Der neue BW-Tarif beträgt hin und zurück auf dieser Strecke 23,80 Euro.

 

Welche Rolle spielen Handytarife?

Findige Tarif-Füchse kommen auch jetzt nah an den BW-Tarif, wenn sie etwa Verbundtarife aneinander stückeln. Das geht so: In Heilbronn ein HNV-Ticket bis zur Verbundgrenze nach Kirchheim kaufen. Dann per VVS-App auf dem Handy die zudem noch vergünstigte Karte von Kirchheim bis zum Hauptbahnhof buchen. Macht unter dem Strich: 11,80 Euro- immer noch teurer als der BW-Tarif von 9,90 Euro. Treibt man dasselbe Spiel für Hin- und Rückfahrt mit Verbund-Tagestickets wird der BW-Tarif-Vorteil marginal, ist aber immer noch da. Fazit: Es kommt auf den Einzelfall an und auf die Bereitschaft, sich mit Tariftücken und Online-Vertriebswegen auseinanderzusetzen. Der Gelegenheitsfahrer wird im BW-Tarif vor allem eine Erleichterung sehen.

 

Ausflugsziel: Im Ticket Heilbronn-Stuttgart für 9,90 Euro wird die Anschlussfahrt vom Stuttgarter Hauptbahnhof etwa zum Fernsehturm inklusive sein.

Ist der BW-Tarif also eine Mogelpackung?

Das sicher nicht. Viele Gelegenheitsfahrer werden tatsächlich deutlich günstiger unterwegs sein, wenn sie bisher den sogenannten C-Tarif der Bahn gewählt haben – jener, der etwa auf bahn.de angezeigt wird. Durch Handytickets und bestehende regionale Angebote, die zum Teil nur für gut informierte Nutzer im Internet verfügbar sind, schmilzt der Vorteil aber dahin.

 

Sind Bahncards gültig?

Das Land sagt: ja. Die BW-Tarife reduzieren sich für Bahncardinhaber also nochmal um 25 oder 50 Prozent.

 


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