Frankenbahn: Was Pendler jetzt wissen müssen

Nahverkehr  Bahnfahrer in der Region müssen sich auf einige Änderungen einstellen. Seit Sonntag haben neue Anbieter den Service auf der Frankenbahn von Stuttgart über Heilbronn nach Osterburken und Würzburg sowie beim Regionalexpress nach Mannheim übernommen.

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Regionalbahn nach Stuttgart am Heilbronner Hauptbahnhof: Die bekannten Doppelstockzüge fahren auf einem Teil der Verbindungen vorerst weiter. Foto: Archiv/Heibel

 

Was hat es mit den neuen Betreibern auf sich?

Die Deutsche Bahn (DB Regio) hat die Ausschreibungen für viele Verbindungen der sogenannten Stuttgarter Netze wegen eines Formfehlers verloren. Dort kommen jetzt Konkurrenzunternehmen zum Zug. Den Verkehr auf der Frankenbahn, wie die Strecke zwischen Stuttgart, Heilbronn und Würzburg genannt wird, teilen sich Go-Ahead, Tochter eines britischen Unternehmens, und Abellio, das zu einem niederländischen Konzern gehört.

 

Wie ändert sich der Fahrplan?

Grundsätzlich wird das Angebot besser, weil das Land mehr Züge bestellt. Go-Ahead fährt den Regionalexpress Stuttgart-Heilbronn-Würzburg (RE 8) stündlich, bisher verkehrte er meist nur alle zwei Stunden. Abellio übernimmt die Regionalbahn (RB 18) von Stuttgart über Heilbronn nach Osterburken sowie den Express von Stuttgart über Heilbronn nach Mannheim (RE 10) - beide jeweils stündlich. Dadurch ergibt sich auf dem Abschnitt zwischen der Landeshauptstadt und Heilbronn zu den meisten Tageszeiten eine Frequenz von drei Zügen pro Richtung und Stunde.

 

Warum gibt es trotzdem Kritik am Fahrplan?

Der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat den dichteren Takt begrüßt, moniert aber, dass es von Osterburken nach Stuttgart am frühen Morgen sogar ein ausgedünntes Angebot gebe. Außerdem kritisiert der VCD, dass Züge in mehreren Bahnhöfen nördlich von Heilbronn nur bei Bedarf halten sollen und dass der besonders bei Audi-Mitarbeitern nützliche Halt Neckarsulm-Nord zu kurz komme.

 

Fahren jetzt nur noch topmoderne Bahnen?

Das war angekündigt, klappt vorerst aber nur teilweise. Beide Unternehmen, Go-Ahead und Abellio, hatten zuletzt massive Probleme mit ihren Lieferanten. Go Ahead will den Regionalexpress nach mehrmaligem Hin und Her nun doch von Anfang an mit neuen Zügen des Schweizer Herstellers Stadler fahren, die über WLAN, Steckdosen und Klimaanlagen verfügen. Schlimmer hat es Abellio erwischt, hier fehlen noch zahlreiche der versprochenen Bombardier-Wagen.

 

Welche Folgen hat das konkret?

Bis voraussichtlich Juni übernimmt die eigentlich ausgebootete Deutsche Bahn für Abellio auf der Linie RE 10 den Part Stuttgart-Mannheim mit bekannten Doppelstockzügen. Passagiere müssen in Heilbronn auf Bombardier-Züge von Abellio umsteigen. Ebenfalls vorübergehend fährt Abellio mit Leihfahrzeugen die RB 18 nach Osterburken - und zwar mit Zügen der Baureihe 425/426, wie sie jetzt schon zwischen Heilbronn und Mannheim zum Einsatz kommen.

 

Ändert sich etwas in Hohenlohe?

Von Schwäbisch Hall-Hessental über Öhringen nach Heilbronn kommt unter der Woche bis etwa 20 Uhr der lang ersehnte Stundentakt. Hier gibt es weitere Information dazu. 

 

Was passiert auf der Murrbahn?

Von Stuttgart über Schwäbisch Hall-Hessental nach Nürnberg übernimmt auch Go-Ahead, vorerst aber mit einem Ersatzkonzept und älteren Zügen.

 

Brauchen Fahrgäste für die Züge der neuen Anbieter neue Tickets?

Nein. Tickets und Tarife haben mit den Bahnunternehmen nichts zu tun. Tickets gibt es über bekannte Vertriebswege, etwa über Apps oder an DB-Automaten. Die neuen Anbieter bauen aber auch ein Netz aus eigenen Verkaufsstellen auf.

 

Gilt die Bahncard?

Es gelten alle Tarife der Verbünde und des sogenannten BW-Tarifs weiter - also auch Bahncards und Abos in Verkehrsverbünden.

 

Wird es teurer?

Die Tarifverbünde gestalten ihre Preise selbst. Der Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr (HNV) hebt die Preise zum Jahreswechsel um 2,61 Prozent an. Im Stuttgarter Verbund VVS, der kürzlich die Zonen ausgemistet und viele Fahrten deutlich günstiger gemacht hat, steht die nächste reguläre Preisrunde an. Eine Erhöhung um 1,9 Prozent ab April steht im Raum. Bei Fahrten über Verbundgrenzen hinweg, etwa von Heilbronn nach Stuttgart, gilt seit 2018 der BW-Tarif. Er soll 2020 konstant bleiben.

 

 


Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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