E-Zigaretten sind nicht harmlos

Heilbronn  Verdampfen wird häufig als die "gesündere" Variante für Raucher angepriesen. Das stimmt nur bedingt, sagt der SLK-Lungenfacharzt Axel Kempa.

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E-Zigaretten sind nicht harmlos

Das Rauchen von E-Zigaretten ist nicht harmlos, darüber sind sich Ärzte einig, auch wenn die Variante im Vergleich zum Tabakrauchen besser abschneidet.

Foto: dpa

Unter der Rubrik überprüfen wir vermeintliche Gesundheitstipps und gehen der Frage nach: Ist das wirklich medizinisches Wissen oder nur ein Mythos? Heute: Ist die E-Zigarette weniger schädlich als normale Zigaretten und kann sie womöglich sogar beim Rauchstopp helfen?

Untersuchungen zu Langzeitfolgen gibt es bisher nicht

"Es gibt keine Untersuchungen zu Langzeitfolgen", sagt Axel Kempa, Lungenfacharzt an der Klinik Löwenstein. Welche möglichen Schäden die dauerhafte Nutzung von E-Zigaretten auf den Körper habe, sei also noch gar nicht klar.

Kempa gibt zu bedenken: Mit E-Zigaretten können ganz unterschiedliche Substanzen verdampft werden - auch solche, die dafür gar nicht vorgesehen sind und die beim Inhalieren in gewissen Dosierungen Lungenschäden verursachen. In den USA ist es inzwischen zu über 40 Todesfällen gekommen, die laut der US-Gesundheitsbehörden mit dem Rauchen von E-Zigaretten in Zusammenhang stehen.

E-Zigaretten sind kein harmloses Lifestyle-Produkt

E-Zigaretten sind nicht harmlos

Kempa sagt: "Das Rauchen von E-Zigaretten ist nicht so harmlos, wie uns die Werbung glauben machen will." Er kritisiert besonders den Zuschnitt auf eine junge Zielgruppe. "Die jugendaffine Werbung mit den vermeintlich tollen, abwechslungsreichen Geschmackrichtungen hat doch nur das Ziel, junge Menschen von dem Produkt abhängig zu machen."

Zur These, dass E-Zigaretten einen Stellenwert bei der Raucherentwöhnung haben könnten, sagt er: "Das ist noch weitgehend unklar." Kempa fürchtet vielmehr, dass junge Menschen durch das Lifestyle-Image der E-Zigarette erst zum Rauchen verleitet werden könnten.

Verhaltenstherapie und Nikotinpflaster zur Raucherentwöhnung

Ihre Gesundheitsfrage

Stellen Sie Ihre Gesundheitsfrage an medizin@stimme.de. Der Experte Dr. Axel Kempa (46) leitet die Klinik für Pneumologie, Beatmungsmedizin und Intensivmedizin an der SLK-Klinik Löwenstein.

Wie fällt der Vergleich mit konventionellen Tabakprodukten aus? Dazu schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrums in Heidelberg (DKFZ): "Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich deutlich weniger schädlich, dennoch sind sie keine harmlosen Life-Style-Produkte.

Nichtraucher sollten E-Zigaretten wegen der unbekannten langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit nicht verwenden." Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, für den sei die erfolgversprechendste Methode nach aktuellem Forschungsstand immer noch eine Verhaltenstherapie, ergänzt durch Nikotinersatzprodukte wie Nikotinkaugummi oder -pflaster.

 

 

Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politikressort. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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