Schafwollfestival in Gronau: Schur und Markt begeistern Besucher
Die Besucher strömen in Scharen zum 23. Schafwollfestival in Gronau. Zu sehen gibt es einiges. Besonders die Schafschur zieht Zuschauer an, aber auch das bunte Markttreiben.

Määäh! Nein, dieses Schaf hat offensichtlich nicht so richtig Lust auf das, was Andreas Mahr da mit ihm treibt. Dabei will der Mann aus Engelsbrand das Tier nur von seinem schweren Fell befreien. „Sei doch mal leise“, sagt er, und das Publikum lacht. Das Schaf weilt zumindest kurz wieder ruhig zwischen Mahrs Beinen und wartet auf die Schermaschine. Beim 23. Schafwollfestival in Gronau (Landkreis Ludwigsburg) dreht sich auch dieses Jahr wieder fast alles um die flauschigen Vierbeiner.
Schafwollfestival in Gronau: Schur Attraktion des Nachmittags
Eine Attraktion beim Schafwollfestival ist die Schafschur am Nachmittag. Dicht gedrängt stehen die Menschen um das Gatter. Was früher allerorts zum Jahresrhythmus gehörte, bekommen heutzutage eben nur noch wenige zu sehen. „Sie müssen einmal im Jahr geschoren werden, das steht sogar im Tierschutzgesetz“, erläutert Andreas Mahr, der selbst Coburger Schafe hält.
Für die Demonstration warten Merino- sowie Merino-Schwarzkopfschafmischlinge auf ihre Schur. Die Zinken am Kamm der Schermaschine sind weit auseinander, da kann schon mal die Haut dazwischen kommen. „Die Schafhaut ist sehr lommelig, deswegen muss man sie immer mit einer Hand straff halten.“ Die Wolle von Schwanz, Bauch und Innenschenkel ist nicht so wertvoll, der Rest wird für Kleidung verwendet. „Aber nur noch zwei Prozent der Bekleidung besteht aus Schafwolle, immer aber ein guter Anzug oder ein guter Mantel“, erklärt der Scherer.
23. Schafwollfestival in Gronau lockt Besucher mit Markt und vielen Ständen
Dabei ist Wolle so vielseitig verwendbar, wie sich auf dem langgezogenen Markt mit den vielen Ständen zeigt. Bei Jürgen Gmach aus Murrhardt etwa gibt es Filzpantoffeln, wärmende Einlegesohlen, Jacken und vieles mehr. Früher besaß er selber Schafe, jetzt vertreibt er nur noch die Produkte etwa aus Albstadt, mit Überzeugung.
„Da kann ich den Kunden sagen, ihr unterstützt das Biosphärengebiet Schwäbische Alb und regionale Arbeitsplätze.“ Er erlebt eine gewisse Renaissance der Wolle, Outdoorbekleidungshersteller würden etwa immer mehr aus Merinowolle anbieten, weil sie gut tut, atmungsaktiv ist und warm hält.
Zuchttierverkauf beim Schafwollfestival in Gronau lockt Hobby-Schafhalter
An einem Gatter mit Suffolk-Schafen hängt ein Zettel, der Jungböcke und weibliche Zuchttiere zum Verkauf anbietet. „Hierher kommen auch einige Hobbyschafhalter, um sich zu informieren, deswegen hängen wir das auf“, erläutert Denise Kurmann von der Schafzucht Kurmann in Aspach-Altersberg. Aktuell haben sie 135 Mutterschafe in vier Herden.
„Vergangenes Jahr gab es Probleme mit der Blauzungenkrankheit. Jetzt werden die Bestände aufgefüllt. Deswegen waren alle weiblichen Zuchttiere auch schon vorbestellt, bevor sie auf die Welt kamen.“ Die Familie ist seit dem zweiten Markt dabei. Früher hat sie ihre Wolle bei der Woll-Aktion hier abgeliefert, jetzt verkauft sie diese auch als Dünger in Form von Wollpellets. „Das geht total gut, ich nutze das selbst auch im Weinberg und kann es nur empfehlen.“ Denn die Wolle speichert Wasser und hilft damit über regenarme Zeiten.
Breite Essensangebote auf Schafwollfestival in Gronau
Auch kulinarisch spielt das Schaf – oder vielmehr das Lamm – eine tragende Rolle. Maultaschen, Braten, Bratwurst, Dosenwurst, Burger und Gulasch verzücken die Gaumen. Doch natürlich gibt es auch was für Nicht-Lamm-Esser, beispielsweise Langos.
Unter einem Zeltdach sitzen drei Frauen und spinnen Garn. Sie gehören zum Spinntreff Helfenberg, der sich jeden ersten Samstag im Monat trifft. Ein altes Handwerk, das im Moment eine Renaissance erlebt, wie Judith von Gaisberg berichtet. „Es ist äußerst meditativ und macht Spaß. Man bekommt ein eigenes Produkt, das es so nicht zu kaufen gibt“, sagt die Abstatterin und wirbt um weitere Mitstreiterinnen, die herzlich willkommen sind.
Doch nicht alles auf dem Markt dreht sich ums Schaf. Hobbykünstler verkaufen ihre Werke von Taschen über Schmuck bis zu Teppichen. Wie Christine Engelhardt. Die Ingersheimerin verwandelt Kürbis-Kalebassen in lebensfrohe Frauen- und auch Schneckenfiguren aus echten Häuschen und Fimo. „Als ich ein Kind war, fing alles mit bemalten Steinen an“, erzählt sie und lacht.

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